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Bundestrainerin Steffi Jones : „Ich will deutsche Tugenden 2.0“

Selbstkritisch: Steffi Jones startet mit ihrem Team in die WM-Qualifikation Bild: dpa

Die Europameisterschaft in den Niederlanden ist unbefriedigend verlaufen für die deutschen Fußballfrauen. Vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien spricht Bundestrainerin Steffi Jones über Lehren aus der EM und neuen Führungsstil.

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          Sie sitzen hier in Blazer. Ist vor dem Start in die WM-Qualifikation gegen Slowenien (14 Uhr/ ZDF) die Zeit der auffälligen Blusen vorbei?

          Sie spielen auf mein Outfit bei der EM an der Seitenlinie an, das in den Medien viel diskutiert wurde. Ich werde weiter Blusen tragen, aber das Augenmerk soll künftig bei Spielen nicht mehr auf meine Blusen gerichtet sein. Das ist eine Erkenntnis aus der EM. Ich habe das Drumherum mit der Bluse ja aber auch nicht inszeniert.

          Auch die Comicfiguren wie Robin Hood für Dzsenifer Marozsan oder Schlaubi Schlumpf für Torhüterin Almuth Schult, die Sie Ihren Spielerinnen zugeordnet haben als Spitznamen, gehören der Vergangenheit an?

          Die Idee war ja eine rein interne. Das sich das so entwickelt mit so viel Außenwirkung, war nicht gedacht.

          Hat das denn im Team auch für Irritationen gesorgt?

          Überhaupt nicht. Das war ein Riesenlacher, als wir die Figuren vorgestellt haben. Und als solche Auflockerung in der wochenlangen EM-Vorbereitung war das ja gedacht. Aber ich habe gelernt, dass wirklich alles auch anders ausgelegt werden kann. Meine Comicfigur Charlie Brown, der ja immer der ewige Verlierer ist, passte dann plötzlich sehr gut zum Abschneiden bei der EM.

          Sind das Lehren, die Sie Ihrer Unerfahrenheit schulden? Sie haben 2016 nach den Olympischen Spielen ohne Erfahrung als Cheftrainerin die Nachfolge von Silvia Neid angetreten.

          Es gibt Erfahrungen, die man nur in einem Turnier machen kann. Da kann jemand 14 Jahre wie mein Kotrainer Markus Högner im Männer- und Frauenfußball gearbeitet haben oder ich so lange auf höchstem Niveau inklusive Welt- und Europameisterschaften gespielt haben und dennoch muss man einfach sein erstes Turnier bestreiten, um Situationen zu erleben.

          Haben Sie die Aufgabe vorher unterschätzt?

          Ich habe das sicher nicht unterschätzt. Und ich fühle mich auch bereit für die Aufgabe. Aber wir haben tatsächlich sehr viel Neues gehabt, was mehr Zeit gebraucht hätte als die wenigen Monate vom ersten Länderspiel im September bis zur EM im Juli. Wir hatten auch immer wieder bei den Länderspielen neue Kader wegen vieler verletzter Spielerinnen. Wir haben zudem sehr viele Mitarbeiter rund ums Team, die neu waren. Da haben einfach einige Abläufe noch nicht so gepasst. Und das führte vielleicht dazu, dass mein Trainerteam und ich in gewissen Aktionismus verfielen, wodurch ich vielleicht den Fokus aufs Sportliche verloren habe, nachdem wir uns richtig gut vorbereitet hatten mit einem roten Faden zu jedem Zeitpunkt.

          Können Sie mal ein Beispiel nennen?

          Es kamen immer mal wieder neue Leute ins Team hinter dem Team dazu. Die musste natürlich immer wieder jemand begrüßen, weil das bei uns zum guten Stil gehört. Ich fühlte mich irgendwie als Manager fürs ganze Team. Jetzt ist mir klar, dass wir da vorher deutlicher vorsorgen müssen: Möglichst wenig Rotation rund ums Team und wir müssen auch schauen, dass wir die, die nicht ins Team hinter dem Team passen,  aussortieren. Und unserer Teammanagerin Maike Seuren habe ich gesagt, dass sie mich künftig bremsen muss, wenn ich in Ihren Aufgabenbereich dränge.

          In Rotterdam haben Sie beim letztlich wegen Regens verschobenen Viertelfinale selbst Eimer in die Hand genommen, um die Ersatzbank von den Wassermassen zu befreien. Das waren sehr sympathische Bilder. Wird man so etwas künftig nicht mehr sehen?

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