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Frauenfußball-Nationalteam : Mehr Flugstunden als Trainingsstunden

Einigkeit soll starke machen: Das deutsche Team will in den Vereingten Staaten am Auftreten arbeiten Bild: Picture-Alliance

Das deutsche Frauenfußball-Nationalteam will beim „She believes“-Cup in den Vereinigten Staaten Selbstbewusstsein aufbauen für ein wegweisendes Jahr. Bundesligavereine kritisieren die Übersee-Tour der Fußballfrauen indes.

          4 Min.

          Im Fußball sind die Verantwortlichen immer wieder auf der Suche nach Teambuilding-Ideen. Und dass das deutsche Frauenfußball-Nationalteam es nötig haben könnte, zu einer für Grenzsituationen stabilen Einheit geformt zu werden, ist unzweifelhaft nach den Auftritten im vergangenen Jahr. In schwierigen Situationen zerbrach das Ensemble bei der EM wie auch bei der Niederlage in der WM-Qualifikation gegen Island allzu schnell in ihre Einzelteile. Nur ein 4:0-Testspielsieg gegen Frankreich zum Abschluss des Jahres bewahrte die Trainernovizin Steffi Jones vor der Entlassung. Vielleicht dienen nun die vielen Flüge, die das Team in diesen Tagen hinter sich zu bringen hat, als Stresstraining, in dem Bundestrainerin und Spielerinnen, darunter auch wieder die zuletzt nicht berücksichtigte und danach ungewohnt deutlich protestierende Lena Goeßling, zusammen finden.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn es ist abzusehen, dass das deutsche Team rund um den „She believes“-Cup in den Vereinigten Staaten mehr Flugstunden als Trainings- und Spielstunden sammelt. Das Einladungsturnier des amerikanischen Fußballverbandes ist nämlich denkbar ungeeignet für strukturierte Arbeit am spielerischen Niveau. Binnen zehn Tagen seit der Abreise am Sonntag über Washington zum ersten Spielort Columbus und den weiteren Stationen in New Jersey und Florida sind vier Flüge plus Zwischenstopps zu bewältigen. In der Summe sind das allein über 20 Stunden in der Luft, hinzu kommen die Belastungen des Jetlags.

          Am Boden geht es bei immerhin etwas weniger eisigen Temperaturen in den Staaten als im derzeit so kalten Deutschland dazwischen gegen die Vereinigten Staaten in der Nacht zum Freitag (1 Uhr MEZ) sowie gegen England am Sonntag und Frankreich am kommenden Mittwoch (alle Spiele bei Sport1) darum, gegen drei Weltklasseteams Selbstbewusstsein aufzubauen für ein wegweisendes Jahr für den deutschen Frauenfußball. Die restlichen Qualifikationsspiele und vor allem das Rückspiel auf Island am 1. September müssen gewonnen werden, um die WM-Teilnahme zu sichern.

          Deutsche Tugenden

          Für dieses Unterfangen will Jones noch stärker als schon nach der EM angekündigt zu alt hergebrachten Grundqualitäten des deutschen Fußballs zurückkehren. Nachdem sie im Interview im vergangenen Herbst noch von deutschen Tugenden 2.0 gesprochen hatte, also einer Verbindung von Mentalität mit Kreativität, klingt das nun nach einer Reduzierung auf Willensstärke.

          „Wir wollen es jetzt so einfach wie möglich halten. Wir wollen nicht Kleinklein spielen, sondern einen einfachen Spielaufbau, schnörkellos mit Schwerpunkt auf Laufbereitschaft und Einstellung“, sagt Jones. Durch Erfolgserlebnisse in Übersee wiederum hofft die 45 Jahre alte Bundestrainerin, dass eine „positive Arroganz reift“, die zu einem Auftreten mit anderer Körpersprache als zuletzt führen soll.

          Kritik aus der Bundesliga

          In der heimischen Bundesliga sorgt die Reise derweil für wenig Verständnis. Vor allem die Klubs aus Wolfsburg, München, Freiburg oder Essen, die zusammen zwei Drittel der 24 Spielerinnen des deutschen Teams stellen, sind alles andere als erfreut über die Reisestrapazen samt der Zeitumstellung. Mit Wehmut erinnern sich die Trainer an die Zeiten zurück, als das deutsche Team in früheren Jahren zum selben Zeitpunkt einer Saison traditionell am Algarve-Cup in Portugal teilgenommen hatte. Manche meinen nun, dass die Aufbauarbeit gegen etwas schwächere Gegner an der Atlantikküste gerade jetzt geeigneter gewesen wäre angesichts des Zustands des Teams als Tests gegen die Weltspitze.

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