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Steffi Jones : Strahlefrau hinterm Schreibtisch

„Wir wussten, dass nach dem Rausch der WM der Alltag wieder viel normaler sein wird“: Steffi Jones Bild: Eilmes, Wolfgang

Sie war das Gesicht der WM 2011 in Deutschland. Doch der Boom im Frauenfußball blieb aus. Jetzt soll Steffi Jones für Anschubhilfe sorgen. Vielleicht eines Tages sogar als Bundestrainerin?

          Kürzlich schlüpfte Steffi Jones mal wieder in jene Rolle, die rund um die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 die Paraderolle der damaligen Präsidentin des WM-Organisationskomitees war. Beim Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama war sie von Bundeskanzlerin Angela Merkel als Repräsentantin des Fußballs zum Abendessen im Kreis wichtiger Vertreter der deutschen Gesellschaft geladen. „Den ersten farbigen US-Präsidenten zu treffen, war für mich als farbige Tochter eines Amerikaners ein Traum, den ich mir als Präsidentin des WM-OKs nicht erfüllen konnte“, sagt Steffi Jones. Nun ist er in Erfüllung gegangen.

          Mit anderen Träumen von Steffi Jones in der Zeit nach der Weltmeisterschaft ist das hingegen so eine Sache: Der Frauenfußball hat durch das Turnier mit ausverkauften Stadien zwischen Berlin und Frankfurt an Aufmerksamkeit und Ansehen gewonnen. Andererseits ist er in der öffentlichen Wahrnehmung nach dem Höhepunkt tief gestürzt, was auch am sportlich enttäuschenden Abschneiden des deutschen Teams mit dem frühzeitigen Ausscheiden im Viertelfinale lag. Zwar stieg der Zuschauerschnitt in der Bundesliga nach der WM um fast 40 Prozent auf über 1100.

          Interesse wieder rückläufig

          Aber die Hoffnungen auf Besucherzahlen im stabil hohen vierstelligen Bereich erfüllten sich nicht. Stattdessen war das Interesse in der abgelaufenen Spielzeit gar wieder rückläufig. Und an der Basis stagniert die Zahl der fußballspielenden Mädchen. Ob ein Erfolg bei der Europameisterschaft in Schweden, wo das von Steffi Jones als Delegationsleiterin angeführte deutsche Team nach dem 0:0 in der Auftaktbegegnung gegen die Niederlande an diesem Sonntag (20.30 Uhr/ ZDF) auf Island trifft, die Situation verbessern würde, ist fraglich.

          Man erwartet also eine ernüchterte ehemalige OK-Präsidentin an ihrem neuen Schreibtisch als Direktorin Frauen- und Mädchenfußball beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Aber die zumindest formal mächtigste Frau in der männerdominierten Verbands-Hierarchie wirkte beim Gespräch in ihrem übersichtlichen Büro in der Verbandszentrale vor einigen Tagen fast so enthusiastisch wie eh und je. Und das, obwohl sie statt des abwechslungsreichen Repräsentantenjobs vor der WM nun seit zwei Jahren Kärrnerarbeit zu leisten hat. Steffi Jones soll den ins Stocken geratenen Frauenfußball-Zug wieder ins Rollen bringen.

          Steffi Jones mit Jürgen Klinsmann, ...

          „Fakt ist, dass die WM keinen Boom ausgelöst hat. Aber das hat von uns auch niemand erwartet. Wir wussten, dass nach dem Rausch der WM der Alltag wieder viel normaler sein wird“, sagt Steffi Jones und fügt eine rhetorische Frage an: „Hätten wir aber deshalb die WM nicht ausrichten sollen?“ Natürlich verneint sie dies. Das Turnier habe dem Frauenfußball in Deutschland Strukturen beschert, die ohne die Zugkraft des Ereignisses nicht möglich gewesen wären. Das betont auch Heike Ullrich, Abteilungsleiterin Spielbetrieb, und als erfahrene Verbandsfunktionärin die starke Frau im Hintergrund. „Ganz viele Verbesserungen wären undenkbar ohne die WM.

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