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Frauenfußball-Nationalteam : Steffi Jones wird neue Bundestrainerin

Bundestrainerin Silvia Neid (links) mit ihrer Nachfolgerin Steffi Jones Bild: dpa

Spektakulärer Personalwechsel beim DFB: Bundestrainerin Silvia Neid gibt ihren Posten bei den deutschen Fußballfrauen im September 2016 auf eigenen Wunsch auf. Eine Nachfolgerin steht auch schon fest.

          2 Min.

          In der Lobby des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) laufen auf einem Bildschirm Filme über die sozialen Projekte des Verbands. Dort konnte man am Montag schon die künftige Bundestrainerin Steffi Jones bei der Arbeit sehen. Auf Bolzplätzen rund um die Welt wirft sie dabei Kindern Bälle zu und animiert sie im Trainingsspiel zu Lauf- und Spielfreude. Von 2016 an wird Jones eine ähnliche Arbeit mit gestandenen Nationalspielerinnen verrichten.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Steffi drängt es wieder auf den Fußballplatz“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei einer Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Möglich wurde der Berufswechsel, weil Bundestrainerin Silvia Neid nach Ende der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ihr Amt niederlegen und eine neue Aufgabe als Leiterin der neuen Scoutingabteilung Frauen- und Mädchenfußball im DFB übernehmen will. Maren Meinert, am Montagabend mit dem Trainerpreis des deutschen Fußballs für ihre Erfolge mit dem U20-Nationalteam ausgezeichnet und jahrelang als Kronprinzessin gehandelt, hatte nach eigenen Worten kein Interesse an der Nachfolge – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. „Ich habe große Freude an meiner Tätigkeit als U19- und U20-Trainerin und fühle mich in diesem Bereich sehr gut aufgehoben. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Steffi Jones“, sagte Meinert.

          Silvia Neid begründete ihren erstaunlich früh angekündigten Rücktritt mit der langen Zeit in der Führungsverantwortung. „2016 werde ich elf Jahre als Cheftrainerin gearbeitet haben und mit meiner Zeit als Spielerin insgesamt 34 Jahre bei der Nationalmannschaft verbracht haben. Deshalb will ich mal eine neue Herausforderung suchen“, sagte die 50 Jahre alte ehemalige Nationalspielerin, die in ihrer Zeit als Bundestrainerin mit ihrem Team einen Welt- und zwei Europameistertitel errang. Im Sommer führt Silvia Neid das Nationalteam zur Weltmeisterschaft, wo es neben dem Titel auch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele geht. Sollte das deutsche Nationalteam diese verpassen, würde Steffi Jones vermutlich schon im Herbst die Neid-Nachfolge antreten.

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verkündet den Personalwechsel. Bilderstrecke
          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verkündet den Personalwechsel. :

          Steffi Jones übernimmt den Job als dritte Frau, nachdem zwischen 1996 und 2005 Tina Theune als erste Fußballlehrerin das Amt von dem im vergangenen Jahr verstorbenen ersten Frauenfußball-Bundestrainer Gero Bisanz übernommen hatte. Sie hat fast zwei Jahrzehnte auf höchstem nationalen Niveau gespielt und ist 111 mal fürs deutsche Nationalteam aufgelaufen. 2007 absolvierte sie am Ende ihrer Laufbahn die Fußballlehrer-Lizenz und hospitierte dabei bei Jürgen Klopp in Mainz. Erfahrung als Trainerin besitzt sie indes nicht, da die 42 Jahre alte Frankfurterin anschließend vom ehemaligen DFB-Präsident Theo Zwanziger zur Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland berufen wurde.

          Nach der WM wurde für Jones der Posten der Direktorin Frauenfußball im DFB geschaffen, den sie bis zum Dienstantritt als Bundestrainerin ausfüllen soll. Praktische Erfahrung als Trainerin will sie im kommenden Jahr bei Hospitanzen sammeln. „Ich hätte es nicht erwartet, dass es jetzt gleich so kommt, aber Jürgen Klinsmann hat es auch so gemacht“, sagte Jones. „Nachdem sich nach Silvias Entscheidung Maren Meinert, die erste Anwärterin gewesen wäre, für ihren Jahrgang entschieden hatte, ging die Initiative von mir aus.“ Sie wolle ihren „Ehrgeiz und ihre fachliche Kompetenz auch in der Praxis umsetzen“.

          Der deutsche Vereinsfrauenfußball reagierte auf die Entwicklung vom Montag überrascht. „Steffi ist am Ziel ihrer Träume angelangt, steht aber auch vor eine großen Herausforderung“, sagte Siegfried Dietrich, Manager des FFC Frankfurt und bis vor einigen Jahren ihr persönlicher Berater. Bernd Schröder, Trainer von Turbine Potsdam wunderte sich nicht nur über den Zeitpunkt der Entscheidung zwei Monate vor einer WM. „Ich dachte, es wäre 1. April und bin schon etwas überrascht, da ich erwartet hätte, dass eine Nationaltrainerin zuvor Erfahrung sammeln muss als Trainerin“, sagte Schröder.

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