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Entlassung der Bundestrainerin : Die Krise ist nicht nur das Werk von Jones

Nach der sportlichen Talfahrt ist Schluss für Steffi Jones. Bild: dpa

Der DFB zieht die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt: Steffi Jones ist nicht mehr Bundestrainerin der Frauen-Mannschaft. Einen Nachfolger gibt es auch schon – zumindest für zwei Spiele.

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          Nun soll es der Mann für Notfälle im Deutschen Fußballbund (DFB) richten: Horst Hrubesch wird zumindest für die zwei WM-Qualifikationsspiele im April gegen Tschechien und Slowenien als Bundestrainer des deutschen Frauenfußball-Nationalteams tätig sein, nachdem der DFB die bisherige Bundestrainerin Steffi Jones und Ko-Trainer Markus Högner am Dienstag nach nur anderthalb Jahren von ihren Aufgaben entbunden hat. „Ich bedauere diese Entscheidung des DFB sehr“, teilte Steffi Jones über ihre Internet-Seite mit. „Ich war mit vollem Engagement und Leidenschaft Trainerin dieser Mannschaft. Wir befinden uns mit dem Frauenfußball in einer schwierigen Umbruchsituation und ich hätte gerne diesen Umbruch weiter gestaltet“, schrieb sie weiter.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hrubesch füllt also nach seiner zuletzt bereits interimistisch ausgeübten Tätigkeit als Sportdirektor übergangsweise die nächste Vakanz im DFB. Was sich zunächst abermals als verfrühter Aprilscherz anhört – als solchen hatte vor ziemlich genau drei Jahren gleichfalls im März die Frauenfußball-Trainerlegende Bernd Schröder die Kür von Jones bezeichnet –, kann sich bei genauerer Betrachtung durchaus als kluger Schachzug erweisen. Hrubesch, dem als Frauenfußball-Sachverständige Ulrike Ballweg, die einstige Assistentin der früheren Bundestrainerin Silvia Neid, und Thomas Nörenberg zur Seite stehen, kann dank seiner Aura und Lebenserfahrung vermutlich schnell Ruhe in das zuletzt komplett verunsicherte deutsche Team bringen. Allein das sollte aufgrund der individuell großen Qualitätsunterschiede zwischen den Deutschen und den kommenden beiden Gegnern ausreichen, um die Spiele im April zu gewinnen.

          Für die Vorbereitung auf das vermutlich entscheidende Qualifikationsspiel in Island am 1. September blieben dann immer noch fast fünf Monate Zeit. Zudem hatte sich Hrubesch zuletzt immerhin ein wenig mit dem Thema befasst: Er war, vermutlich im Rahmen eines schon etwas länger ausgeheckten Plans B, gelegentlich bei Spielen des VfL Wolfsburg als Beobachter vor Ort und er besuchte gemeinsam mit DFB-Präsident Reinhard Grindel das Testspiel gegen Frankreich im November, das die deutschen Frauen mit 4:0 gewannen. Jener Sieg hatte die Amtszeit von Steffi Jones bis zu diesem Dienstag verlängert.

          Die Konsequenz aus der sportlichen Talfahrt der vergangenen Monate hatte der DFB nach einer Sitzung am Montagabend gezogen: Unter Jones, die im August 2016 nach dem Olympiasieg des deutschen Teams unter Vorgängerin Silvia Neid die Führung des Teams übernahm, war die deutsche Elf im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft in den Niederlanden im Viertelfinale ausgeschieden, so früh wie seit über 30 Jahren nicht mehr. In der WM-Qualifikation unterlag Deutschland Island mit 2:3, wodurch die Teilnahme an der Endrunde in Frankreich in Gefahr ist. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten hatten die deutschen Fußballfrauen ein Qualifikationsspiel verloren.

          Die Krise ist freilich nicht nur das Werk von Jones: Der DFB hat viele Jahre lang versäumt, im Frauenfußball die Strukturen zu überwachen. Wie zuvor bei der EM in den Niederlanden schickte der DFB jüngst auch zum keine 30 Kilometer vom Verbandssitz entfernt in Wiesbaden ausgetragenen und letztlich verlorenen WM-Qualifikationsspiel gegen Island keine fachkundigen Beobachter, um sich ein Bild vom Zustand des Teams zu machen. Entsprechend hatte der Verband keine eigne Expertise, um die Arbeit von Steffi Jones bewerten zu können. Erst am Tiefpunkt nach der Niederlage gegen Island schickte der DFB endlich sachkundige Beobachter zu den Spielen. Dann hätte der DFB vielleicht früher bemerkt, dass die Trainingseinheiten nicht geeignet waren, dem Team Automatismen praktisch zu vermitteln, die Steffi Jones ihrem Team in der Theorie aufgezeigt hatte. Die Übungseinheiten wirkten viel zu verkopft und schufen Blockaden in den Köpfen statt Sicherheit im Spiel zu geben. Ergebnis war, dass gerade im Defensiv- und Aufbauspiel heillose Konfusion herrschte und eine Verteidigerin gegenüber FAZ.NET auf die Frage, ob die Spielerinnen gar nicht wüssten, wie sie sich ohne Ball im Verbund zu bewegen hätten, ein klares „Ja“ zur Antwort gab.

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