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Kommentar : Gefährliche „Klinsfrau“

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Übernimmt mit einem Lächeln: Die zukünftige Bundestrainerin Steffi Jones (rechts) Bild: dpa

Steffi Jones zur Bundestrainerin der Frauen-Nationalelf zu ernennen, ist die bequemste Lösung – und ein großes Risiko. Der DFB hätte sportliche Kriterien ernster nehmen müssen.

          Steffi Jones hatte viele Jahre den Spitznamen „Kaiserin“, weil sie ähnlich wie einst Franz Beckenbauer bei der Männer-Weltmeisterschaft 2006 die repräsentative Aufgabe als Präsidentin des Organisations-Komitees der Frauen-WM 2011 mit ihrer Ausstrahlung veredelte. Nun soll sie zur „Klinsfrau“ werden und von Herbst 2016 an wie einst Jürgen Klinsmann bei den Männern ohne konkrete Berufserfahrung die wichtigste Trainerstelle im deutschen Frauenfußball übernehmen. In der Frauenfußballszene außerhalb der Mauern der Trutzburg DFB löste die Entscheidung hinter vorgehaltener Hand Entsetzen aus und es machte das Wort vom „verfrühten Aprilscherz“ die Runde.

          Die Wahl von Steffi Jones unterscheidet sich nämlich grundlegend von der einstigen Kür Klinsmanns. Dieser war einst nach einer langen Trainersuche, während der Spitzenkandidaten wie Ottmar Hitzfeld absagten, eine kreative Lösung auf Empfehlung einiger Fürsprecher wie Berti Vogts. Klinsmann brachte zudem Visionen mit in seine Bewerbung um das Bundestraineramt und beeindruckte mit einer Präsentation seiner Vorstellungen und Strategien, die zum „Sommermärchen“ führten. Steffi Jones hingegen hat nach ihrem herausragend ausgefüllten Job als OK-Chefin in den vergangenen Jahren nicht viele Spuren hinterlassen in ihrem Wirken als Direktorin Frauenfußball.

          Diese Stelle wurde vom ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger nach der WM 2011 für Steffi Jones geschaffen und kann nun im Nachhinein nur schwerlich anders als „Versorgungsposten“ bezeichnet werden, der auch Steffi Jones‘ Talenten nie gerecht wurde. Die ehemalige Verteidigerin fremdelte von Beginn an mit der neuen Aufgabe und hatte schon 2012 in einem Interview mit der F.A.Z. mit einem Trainerjob geliebäugelt.

          Die 111-malige Nationalspielerin hätte früher die Konsequenzen ziehen und sich das Rüstzeug für das Amt der Bundestrainerin aneignen können. Gelegenheiten gab es dazu: Vor zwei Jahren bot sich beim DFB die Chance zum Einstieg als Juniorentrainerin. Zudem hätte Steffi Jones bei ihrem früheren Klub 1. FFC Frankfurt mehrmals als Bundesligatrainerin auf höchstem Niveau Verantwortung übernehmen können.

          Für den DFB ist es eine Gefahr, auf die vermeintlich bequeme interne Lösung in der Nachfolgeregelung zu setzen. Würde der Verband sportliche Kriterien ernst nehmen und nicht nur darauf vertrauen, dass Spielerfahrung und Ausstrahlung es richten werden, dann hätte er sich mit Alternativen beschäftigen müssen. Ein männlicher Kandidat scheidet aus vertretbaren hauspolitischen Gründen aus. Der Verband will mit dem Bekenntnis zu einer Frau ein Zeichen setzen. Aber Martina Voss-Tecklenburg wäre eine Kandidatin gewesen, die sowohl Erfahrung als Vereins- wie auch Nationaltrainerin aufweist. Den FCR Duisburg führte sie einst zum Europapokalsieg, die Schweiz betreut sie im Sommer bei der ersten WM-Teilnahme. Diese Erfolge führten aber nicht dazu, dass der Verband die anerkannte Fachfrau um eine Bewerbung gebeten hätte. Das ist ein Versäumnis, das Steffi Jones zur Last werden kann.

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