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Stefan Kuntz und die Türkei : Erlösung in letzter Sekunde

  • -Aktualisiert am

Der Druck war groß: Stefan Kuntz nach Abpfiff des Spiels. Bild: Picture-Alliance

Der knappe Sieg über Lettland lässt die türkische Nationalelf wieder auf eine Qualifikation für die Fußball-WM in Qatar hoffen. Trainer Stefan Kuntz lässt seinen Emotionen nach Abpfiff freien Lauf.

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          Stefan Kuntz weint, und die Türkei „lacht in letzter Sekunde“, wie die Sportzeitung Sabah Spor titelte. Ob Melodram oder Drama: Die letzten Minuten des Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiels zwischen Lettland und der Türkei hatten es in sich. Sie führten dazu, dass jemand wie der neue Trainer der türkischen Fußball-Nationalmannschaft außer sich vor Freude und Rührung war.

          Dem Saarländer schossen in den Momenten, die für ihn richtungweisend gewesen sein könnten, die Tränen in die Augen. Der Mann, dessen Job es ist, das Tun eines ganzen Teams unter seiner Kontrolle zu beflügeln, konnte oder wollte in diesen Sekunden nicht an sich halten, da er allein über den Platz des Daugave-Stadions von Riga schritt.

          Sein Gefühlsausbruch nach dem in letzter Sekunde durch den Foulelfmeter von Kapitän Burak Yilmaz erreichten 2:1-Sieg seiner Auswahl in Lettland spiegelte die aufwühlende Anspannung, die in Kuntz während der Schlussphase dieses Duells rumort hatte.

          Mit dem Mut der Verzweiflung

          Ein weiteres Unentschieden hätte nach dem 1:1 gegen Norwegen am Freitag in Istanbul so gut wie alle Hoffnungen, vielleicht doch noch die WM 2022 in Qatar zu erreichen, zerstört. So aber blieb es nach dem 2:0-Heimsieg der Skandinavier über Montenegro, den Vierten der Gruppe G, beim Zwei-Punkte-Rückstand der Türken vor dem finalen Showdown im November, wenn Kuntz und seine Spieler zuerst daheim ihre Pflichtaufgabe gegen den punktlosen Tabellenletzten Gibraltar lösen müssen, ehe sie danach in Montenegro antreten.

          Die Norweger bekommen es an denselben Spieltagen zu Hause mit Lettland und beim abschließenden Auswärtsspiel mit dem Gruppenersten Niederlande zu tun. Norwegen auf den letzten Drücker zu überholen und sich damit für die Play-off-Spiele zum Erreichen der WM-Endrunde zu qualifizieren bleibt das erreichbare Ziel der Türken nach dem Thriller von Riga.

          Der begann erst in der 70. Minute, als dem türkischen Innenverteidiger Merih Demiral ein Eigentor unterlief, das Angreifer Serdar Dursun per Kopfballtor zum 1:1 halbwegs wettmachte. Danach drangen die Türken mit dem Mut der Verzweiflung auf das 2:1, das sie im Rennen um einen WM-Platz halten würde. Bis es aber nach der Kollision zwischen dem wuchtigen Yilmaz und seinem Gegenspieler Dubra (90.+5) zum entscheidenden Moment kam, vergingen weitere Minuten.

          Burak Yilmaz erzielt den Siegtreffer im Spiel gegen Lettland.
          Burak Yilmaz erzielt den Siegtreffer im Spiel gegen Lettland. : Bild: Picture-Alliance

          Schiedsrichter Ekberg hatte den Crash zunächst nicht zum Anlass genommen, auf Strafstoß zu entscheiden, die türkischen Spieler aber forderten leidenschaftlich einen Foulelfmeter, während sich der deutsche Videoassistent Daniel Siebert bei seinem schwedischen Kollegen mit der Empfehlung meldete, sich die Szene noch einmal anzuschauen. Ekberg lief in die Review Area, sah genau hin und entschied dann auf Elfmeter für die Türkei. Es war die allerletzte Chance für den eben noch am Boden liegenden Yilmaz. Der Gefoulte lief an und schoss den Ball voller Wucht ins linke Toreck.

          „Es war ein besonderer Sieg“, stufte Kuntz den Last-Second-Erfolg ein, „ich war sehr zufrieden mit der Reaktion meiner Spieler nach dem lettischen Tor.“ Vor allem, weil es nach dem 1:1 gegen Norwegen „viele Kommentare“ über deren „mangelnde Qualität und Mentalität“ gegeben habe. „Sie aber haben an sich geglaubt. Dass dieser Sieg emotional und dramatisch war, macht ihn so wichtig. Als Belohnung gibt es drei Punkte für das türkische Volk.“

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