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Start ins EM-Jahr : Nationalteam als Großbaustelle

Ballack zog sich eine Platzwunde zu, kann aber gegen Österreich spielen Bild: REUTERS

Verletzungen, Formkrisen, Zeitmangel: Beim Start ins EM-Jahr ist die deutsche Mannschaft eine Elf der Fragezeichen. Bundestrainer Joachim Löw muss ein Teil der Philosophie, die er einst mit Klinsmann durchgeboxt hatte, aufgegeben.

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          Wenn sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf das bevorstehende Fußballjahr einstimmt, dann fliegen schon mal die Fetzen. Nicht, dass in der Frankfurter Verbandszentrale der große Streit zwischen den Funktionären ausgebrochen ist. Nein, es geht um das Erscheinungsbild der Nationalmannschaft, welche im Hinblick auf die Europameisterschaft einen kraftvollen Eindruck vermitteln soll. Bei einer Veranstaltung des DFB war also etwas zu sehen von diesem schönen deutschen Fußballtraum, umgesetzt in einem rasant geschnittenen Kurzfilm, untermalt von rockigen Beats, mit einer deutschen Elf im Spielrausch - aggressiv und gefährlich, schnell kombinierend, erfolgreich durch wuchtige Schüsse und Torserien.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer würde das nicht gern auch im Sommer auf dem Platz umgesetzt sehen. Als allerdings Joachim Löw später zu Wort kam und die Gesamtlage einzuschätzen versuchte, verloren die Best-of-Szenen vergangener Spiele schnell an Wirkungskraft. Der Bundestrainer gab sich weniger angriffslustig, sondern warnte vor dem "schwierigsten Turnier der Welt". Er relativierte die Aussichten der eigenen Mannschaft und sprach selbst von "Fragezeichen".

          Ursprüngliche Absicht nicht umsetzbar

          Die Realität zwingt den Bundestrainer zur Zurückhaltung. Vier Monate vor dem Start des Turniers befindet sich die Nationalelf in heikler Lage, und man muss feststellen, dass nach dem WM-Höhenflug unter Klinsmann und der erfolgreichen Nachfolgezeit mit Löw die Situation nie schwieriger war als heute. An diesem Mittwoch in Wien gegen die Auswahl Österreichs (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker) beginnt die Mission in ein Fußballjahr mit Europameisterschaft - und fest steht schon jetzt, dass der Bundestrainer seine ursprüngliche Absicht nicht mehr umsetzen kann, rund um den Stamm aus erfahrenen Kräften eine Mannschaft aufzubauen und zu entwickeln, die, fein abgestimmt, als taktisch homogenes Gebilde beim Turnier in der Schweiz und Österreich noch einmal auf einem höheren Niveau wirken könnte, als man es bei der Weltmeisterschaft in Deutschland gesehen hatte.

          Kaum ein Spieler macht Bundestrainer Löw derzeit keine Sorgen

          Dies war eigentlich Löws Ziel, als er im Sommer 2006 antrat. Doch eine nicht enden wollende Verletzungsserie, pausierende, angeschlagene oder in ihren Vereinen zu Reservisten verdammte Nationalspieler stören nun das Bild einer zu allem bereiten deutschen Nationalelf. Beim überzeugend starken 2:1-Sieg in Tschechien im März vergangenen Jahres kam die Nationalmannschaft zuletzt ihrem Optimalzustand am nächsten. Ein knappes Jahr später sieht alles anders aus, nimmt man Löws Team eher als Großbaustelle wahr.

          Zumindest für Ballack geht es aufwärts

          Eine Mannschaft der vielen Fragezeichen: Lehmann, der am Samstag beim 3:1-Sieg von Arsenal gegen Manchester City mal wieder im Tor stand, Metzelder, Jansen, Schneider, Frings, Schweinsteiger, Kuranyi, Podolski, Fritz, Kehl, Odonkor, Pander und Arne Friedrich ringen derzeit aus unterschiedlichen Gründen um Form, Anschluss oder nach Rückschlägen einfach nur um ihr altes Selbstbewusstsein.

          Für Kapitän Michael Ballack geht es nach einer langen Pause beim FC Chelsea wieder aufwärts. Er könnte elf Monate nach seinem letzten Länderspieleinsatz am Mittwoch in Wien wieder für Deutschland auflaufen, wenn der Körper denn mitmacht. Gefragt nach den Möglichkeiten der Nationalelf, stellt der Kapitän Mängel fest, resultierend aus den vielen Umstellungen innerhalb des Teams. Sein Blick geht schon über die EM hinaus, als würde er sich in diesem Sommer nicht mehr viel ausrechnen. "2010, bei der WM in Südafrika, da hoffe ich, dass sich die Spieler entsprechend entwickelt haben, dass man mit Frankreich oder Italien auch individuell den Vergleich nicht scheuen muss", sagte Ballack gegenüber der Deutschen Presseagentur.

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