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Verdacht auf Spielmanipulation : Regionalliga süßsauer

Fußball unter Verdacht. Ein Investor fordert „sichere Siege“ Bild: dpa

Ein chinesischer Sportvermarkter soll „sichere Siege“ vorgeschlagen haben. Auch gegen den sportlichen Leiter von Germania Halberstadt wird ermittelt. Die Regionalliga Nordost steht im Fokus der Staatsanwaltschaft.

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          Die Staatsanwaltschaft in Magdeburg hat wegen des Verdachts versuchter Spielmanipulationen in der Fußball-Regionalliga Nordost ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei ein chinesisches Sportvermarktungsunternehmen aus der Hafenstadt Qingdao, das offenbar eine Dependance in Wernigerode am Harz unterhält. Repräsentanten des Unternehmens, das seit Ende November 2018 Kooperationspartner des Regionalligaklubs VfB Germania Halberstadt ist, sollen Kontakt zum Liga-Spitzenreiter Chemnitzer FC gesucht und vorgeschlagen haben, eine Loge im Chemnitzer Stadion anzumieten.

          Unter dem Vorwand der Mietzahlung sollte dann Geld für zuvor gemeldete „sichere Siege“ fließen. Thomas Sobotzik, Sportvorstand des Chemnitzer FC, sagte gegenüber dem Portal „Tag24.de“, sein Assistent und er hätten das Gespräch mit den Vertretern der chinesischen Firma an diesem Punkt abgebrochen, ein Protokoll erstellt und sich an die Chemnitzer Staatsanwaltschaft und den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) gewandt. Der Vermarkter hat auf Kontaktaufnahmeversuche bis zum Sonntagabend nicht reagiert.

          Staatsanwaltschaft ermittelt

          Germania Halberstadt und sein Sportdirektor Andreas Petersen waren in die Schlagzeilen geraten, als Vereinsverantwortliche des SV Babelsberg zum gleichen Zeitraum behaupteten, zwei ihrer Spieler, die früher in Halberstadt gespielt hatten, sei vor der Regionalligapartie in Babelsberg am 30. November (3:1) Geld geboten worden, um „die Füße hochzunehmen“. Petersen bestritt jede Manipulationsabsicht und sprach zunächst gegenüber der „Magdeburger Volksstimme“ von einem „Jux“, später sagte er, es sei um „Wintertransfers“ gegangen. Der NOFV nahm Ermittlungen auf, im Zuge der Berichterstattung schritt dann die Staatsanwaltschaft Neuruppin ein. Wie die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ berichten, vernahmen Beamte des brandenburgischen Landeskriminalamts im Dezember im Babelsberger Stadion Zeugen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft in Magdeburg die Ermittlungen übernommen.

          In Halberstadt war die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Vermarkter offensiv beworben worden. Der Halberstädter Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) teilte Nachrichten über die Kooperation in seinen Netzwerk-Konten, so bei „Facebook“ und „Linkedin“. Zudem hatte die Pressestelle der Stadtverwaltung unter der Überschrift „VfB Germania schließt strategische Kooperation mit chinesischem Sport-Vermarkter“ am 10. Dezember, also nach Bekanntwerden der Vorwürfe rund um das Spiel in Babelsberg, eine Pressemitteilung verschickt. „Mit einem derart erfahrenen und international agierenden Vermarkter zu kooperieren, ist für den gesamten Verein aufgrund des interessanten Betätigungsfeldes eine große Ehre“, wird darin der Präsident des VfB Germania, Erik Hartmann, zitiert.

          Der Vermarkter, Anfang 2017 gegründet, verfüge mit seinen Kanälen und Netzwerken bereits über mehrere Millionen Follower und User. Das erscheint zweifelhaft: Bei Twitter folgen dem Kanal der Firma zwei Personen, bei Youtube hat der Kanal einen Abonnenten, der Facebook-Kanal 37. Recherchen dieser Zeitung ergaben, dass der Vermarkter im chinesischen Fußball-Geschäft unbekannt ist.

          Allerdings bewirbt Nils Petersen, der Freiburger Profi und Nationalspieler, Sohn des Germania-Sportdirektors, auf der Website des Vermarkters den „Summer Cup“, bei dem U-10-Mannschaften namhafter deutscher und internationaler Klubs im vergangenen Sommer in Wernigerode gegen eine chinesische Kindermannschaft gespielt haben. Petersen stammt aus Wernigerode. Der Vermarkter bewirbt bereits die zweite Ausgabe des Turniers, das dieses Jahr in Halberstadt stattfinden soll, unter anderem wird mit den Logos des FC Bayern München, Borussia Dortmunds und RB Leipzigs geworben.

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