Sportwetten : Gefährliches Spiel
- -Aktualisiert am
Dunkle Mächte und der Einfluss auf den Sport Bild: iStock
Ein Mord in Frankfurt rückt die dunklen Seiten des Sportwettenmarktes in den Blick. Es gibt viel zu verdienen. Gangster-Syndikate schrecken vor nichts zurück.
Der Waldfriedhof von Oberrad ist ein beschaulicher Ort. Die alten Bäume schmiegen sich dicht aneinander, stehen in Reihen und in Grüppchen um die Gräber herum. An diesem Freitagmorgen ist die Stille seltsam. So jedenfalls sagt es der Mann, der um Punkt zehn Uhr beginnt, in der Kapelle die Trauerrede zu halten. Er sagt, der, der heute in Frankfurt beerdigt werde, Oliver F., sei gewaltsam aus dem Leben gerissen worden. Dieser Mord habe Schrecken über ihn und seine Familie gebracht. Als die Worte fallen, schauen die meisten, die draußen in der Kälte unter eisblauem Himmel stehen, weil die Kapelle nicht groß genug ist, zu Boden.
Später wird der Mann, der die Trauerrede hält, sagen, das Opfer sei ein fröhlicher Mensch gewesen. Ein „unverbesserlicher Optimist“. Einer, der geschäftlich Höhen und Tiefen erlebt habe, und „nach schwierigen Fahrwassern erst wieder Boden unter den Füßen bekommen hat“.
Ermittler verfolgen vielversprechende Spur
Der Mann, der da spricht, muss es wissen. Er war der Anwalt des Toten Oliver F. Und der Boden, der da wiedergewonnen wurde, ist möglicherweise der Grund, warum der Gründer des aufsteigenden Sportwetten-Unternehmens „Happybet“, Oliver F., nun mit 50 Jahren beerdigt wird. Getötet durch zwei Kugeln, die ihn vergangene Woche auf dem Weg ins Büro in den Kopf trafen - mitten in Frankfurt, am helllichten Tag. Oliver F. hatte gerade seinen Wagen auf dem Hinterhof geparkt. Es gab keine Kampfspuren, noch nicht einmal die Andeutung eines Gesprächs. Der Täter, so stellt es sich dar, hat sich einfach hinter ihn gestellt und ihm die Pistole an den Kopf gedrückt.
Seitdem rätselt die Polizei über das Motiv. Es könne alles sein, vom Eifersuchtsdrama bis hin zur Tat eines Irren. Hinter einem Mord, so heißt es im Frankfurter Polizeipräsidium, steckten manchmal die absurdesten, die banalsten Gründe. „Etwas, womit man nicht im Geringsten gerechnet hat.“ Gleichzeitig aber verfolgen die Ermittler längst eine andere Spur. Eine vielversprechende. Denn der, der Oliver F. getötet hat, wusste genau, was er tat. Professionell und präzise sei der Mord ausgeführt worden, wie von jemandem, der dafür beauftragt wird. Die Ermittler, so ist zu hören, halten die Hypothese, Oliver F. sei wegen seiner Geschäfte umgebracht worden, für die wahrscheinlichste. Seit Tagen versuchen sie, sich einen Überblick über seine Konten zu verschaffen, die zum großen Teil im Ausland liegen.
Für Kriminelle attraktiver als Drogenhandel
Außerdem versuchen sie nachzuvollziehen, was an den Gerüchten dran sei, Oliver F. habe mit „Happybet“ auf den osteuropäischen Markt expandieren wollen. Möglicherweise sei er dabei jemandem in die Quere gekommen. Die „Soko Walter“, wie die Ermittlungsgruppe heißt, hat neben der Mordkommission auch Ermittler aus der Abteilung für organisierte Kriminalität eingesetzt, außerdem IT-Spezialisten, um an die Informationen heranzukommen, die erst einmal nur gut versteckte, verwirrende Datenmengen sind, irgendwo abgespeichert auf einem Server. Kontobewegungen, Geldtransfers, vor allem die Auslandsgeschäfte, sind interessant.
„Happybet“ ist kein kleines Unternehmen, aber gehört auch nicht zu den ganz großen. Es liegt irgendwo im Mittelfeld. Zahlen werden nicht veröffentlicht. Sosehr die Branche über seriöse Strukturen bis hin zu börsennotierten Konzernen verfügt: Unweigerlich rückt der Fall Oliver F. die dunklen Seiten des Sportwettenmarktes in den Blick. Denn Wettbetrug im Fußball ist für Banden attraktiver als Drogenhandel. Die Gewinne sind gigantisch.
„Noch nie so viele verdächtige Spiele“
Das Risiko, erwischt zu werden, ist relativ gering. Überall auf der Welt kamen in den vergangenen Monaten die Meldungen hoch über verschobene Fußballspiele, verdächtige Profis oder Schiedsrichter und von der Polizei festgesetzte Betrüger. „Wir hatten noch nie so viele manipulationsverdächtige Spiele und sehen eine sehr negative Entwicklung“, sagt Andreas Krannich, Geschäftsführer der Sportradar GmbH. Die Firma überwacht den Sportwettenmarkt weltweit - speziell für drei Fußball-Konföderationen (Europa, Asien und Nordamerika/Karibik). In Europa sollen jährlich 300 bis 330 Spiele verdächtig sein - Tendenz steigend.