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Sportwetten : Gefährliches Spiel

In Deutschland sorgten die kriminellen Verquickungen um den Berliner Wettbetrüger Sapina in zwei Prozessen für Aufsehen. Um mehr Licht ins Dunkel dieser Netzwerke zu bekommen, bemüht sich die zuständige Bochumer Staatsanwaltschaft nach eigener Aussage gerade um ein Rechtshilfeersuchen in Singapur, wo der berüchtigte Wettpate Eng Tan Seet, genannt Dan Tan, seit September einsitzt. Südostasien gilt als organisatorische Basis des weltweiten Wettbetrugs, es gibt enge Verbindungen nach Osteuropa, in den Balkan. Die Gangster-Syndikate schrecken vor nichts zurück, nicht mal vor Mord, weiß die Polizei. Die Kernfrage in Frankfurt lautet: Ist Oliver F. da in etwas hineingeraten?

Die Spur der Ermittler führt auch nach Malta. Dort ist „Happybet“ wie viele andere Wettunternehmen lizenziert, weil in Deutschland lange Zeit durch den alten Glücksspielstaatsvertrag ein staatliches Monopol für Sportwetten bestand. Die Adresse, unter der das Unternehmen auf der Insel gemeldet ist, führt zu einer weiteren Firma, Meridian Gaming.

Diese bietet Sportwetten „im durchaus seriösen Gewand“ an, wie es bei maltesischen Behörden heißt. Hinter der Firma steht nach Informationen dieser Zeitung die Meridian Group aus Belgrad - der führende Buchmacher in Serbien. Seinen Sitz hat Meridian Gaming in Ta’Xbiex, einem Ort an der Ostküste Maltas. In einem Gebäude mit weiteren Unternehmen, die offenbar mit Poker und anderem Glücksspiel ihren Umsatz machen. Die deutsche Polizei sammelt derzeit Daten. Noch, sagen sie, sei nicht ganz klar, ob es eine Tochterfirma von „Happybet“ ist oder ob eine Art Kooperation auf Augenhöhe besteht.

Ein Rückschlag fürs Image der Wettbranche

Für die Unternehmen der Wettbranche in Deutschland ist der Fall Oliver F. ein Rückschlag in ihrem berechtigten Kampf um Anerkennung. „Jetzt werden in der Öffentlichkeit wieder alle Klischees vom Schmuddelimage bedient“, sagt Markus Maul, Präsident des Verbandes Europäischer Wettunternehmer. Er kennt Oliver F. und ist erschüttert. Maul beschreibt das Mordopfer als „seriösen Unternehmer“. „Happybet“ ist seit Oktober Werbepartner des Bundesligaklubs Bayer Leverkusen. Die Firma bemüht sich wie viele andere erstmals nach dem neuen Glücksspielstaatsvertrag um eine Lizenz in Deutschland. Doch das zuständige hessische Innenministerium verschleppt die Entscheidung seit anderthalb Jahren. Es herrscht Rechtsunsicherheit für die Unternehmen, von denen aber über 60 inzwischen schon freiwillig Steuern zahlen.

Mehr als 200 Millionen Euro sind da schon reingekommen für den deutschen Fiskus. Bei fünf Prozent Abgabe sind das hochgerechnet Wettumsätze in Höhe von vier Milliarden Euro pro Jahr. Die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland laufen und fordert die Öffnung des Marktes mit festen Regeln, damit sich der unregulierte Schwarzmarkt auflöst. Das würde mehr Transparenz ins Gewerbe bringen, sagen Experten. Wegen der unklaren Gemengelage werden die Wettbüros in vielen Bundesländern schon stillschweigend geduldet. „Happybet“ bietet seine Wetten vor allem über Annahmestellen und nicht im Internet an - meist in Bars, Kiosken oder Gaststätten.

Eine Vermutung, die die Ermittler in Frankfurt beunruhigt, ist die, dass es weitere Opfer geben könnte. Konkrete Hinweise gibt es dafür nicht. Aber sollte der Mord an Oliver F. eine Warnung gewesen sein, stellt sich die Frage, ob die richtige Abrechnung noch folgt. Wer, so fragen sich die Ermittler, wird dann mit wem abrechnen, und wie? Als am Mittwoch die Todesanzeige erschien, brach unter den Ermittlern eine gewisse Unruhe aus. In der Anzeige war ein Spruch von Konfuzius zitiert. „Das Wasser haftet nicht an den Bergen, die Rache nicht an einem großen Herzen.“ Wie auch immer man den Spruch deutet, selbst wenn man die friedlichste aller Interpretationen wählt, das Wort „Rache“ hat den Ermittlern nicht gefallen.

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