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Sportwetten : Die große Gier

Besser als Geld ist mehr Geld: Das Wettbüro ist den Spielern geblieben Bild:

Das System des Wettbetrugs läuft wie geschmiert, und es funktioniert, im Vergleich mit anderer organisierter Kriminalität, ziemlich gewaltlos. Ein Blick hinter die Kulissen.

          6 Min.

          Es geht nur ums Geld. „Es gibt nur ein Motiv, Fußballspiele zu verschieben“, hat Marijo Cvrtak gesagt. „Ein Motiv. Geld.“ Es hat sie alle angetrieben. Die Spieler in den Zockerbuden. Die Spieler auf dem Fußballplatz. Selbst jetzt, da aus Spielern Angeklagte geworden sind, geht es nur um eines: Geld. Verhandlungspause am Bochumer Landgericht. Ein kurzes Gespräch mit dem Angeklagten? „Kein Problem. Machen wir alles. Reportage, Buch, kein Problem. Nach dem Prozess verhandeln wir den Preis.“ Damit kein Missverständnis entsteht: Das sagt nicht der Angeklagte, der mutmaßliche Wettmanipulator, der Mann, der zugibt, Fußballspieler bestochen zu haben, damit ihm seine Wetten Geld bringen. Für ihn antwortet - ja, wer eigentlich? Sein Freund? Sein Berater? „Wer sind Sie eigentlich?“ „Machen wir alles später.“ Schneller Abgang. Wettbetrug ist ein Geschäft, für viele, selbst im Gerichtssaal. Das Geld treibt sie an.

          Noch läuft der erste Prozess am Bochumer Landgericht, im Februar, spätestens im März dürften die ersten Urteile gesprochen werden gegen die geständigen Nürettin G. und Tuna A. Beide sind professionelle Zocker, die häufig große Summen gesetzt haben, deren Zeit im Interesse der Öffentlichkeit aber spätestens mit den Urteilssprüchen abläuft, denn dann haben endgültig andere Konjunktur. Am 24. Februar beginnt der zweite Prozess, gegen Ante Sapina, Marijo Cvrtak und vier weitere Zocker, gegen die „Champions League” des Geschäfts mit den verschobenen Spielen, von der Ankläger Andreas Bachmann spricht. Die Aufmerksamkeit haben sie schon jetzt.

          Immer neue Details über mutmaßlich manipulierte Spiele werden bekannt, beim FC St. Pauli sollen im Zweitligajahr 2008 bis zu sechs Spiele verschoben werden, inzwischen ist auch ein Champions-League-Spiel verdächtig, das WM-Qualifikationsspiel zwischen Liechtenstein und Finnland 2009 sowieso, Europa League, Spiele in der Türkei, Österreich, der Schweiz, Deutschland. Fortsetzung folgt spätestens im Prozess. Mit Sicherheit. Der Wettbetrug wird weiter Konjunktur haben, die Schlagzeilen werden groß bleiben.

          Die Motivsuche ist einfach: Vor dem Bochumer Landgericht geht es in Sachen Wettskandal vor allem um Geld

          Zwanzig Mark im Umschlag nach Irland - so ging es los

          Dabei hatte Ante Sapina mal ganz klein angefangen, wie er bei seiner Vernehmung als Zeuge im ersten Bochumer Prozess erzählt. „Zwanzig, dreißig Mark habe ich im Briefumschlag nach Irland geschickt als Schüler. Da konnte man in Deutschland noch gar nicht wetten.“ Irgendwann aber konnte man - und Sapina kannte sich aus. „Ich habe nachgeschaut, ob Kobe Bryant bei den Los Angeles Lakers verletzt ist. Konnte er nicht spielen, habe ich gegen die Lakers gesetzt und gewonnen, weil die Wettbüros ihre Quoten nicht angepasst haben. Damals habe ich sehr oft gewonnen, es war auf Dauer nicht allzu schwer, im Vorteil zu sein.“ 2004 dann kam die Hoyzer-Geschichte, Sapina hatte den jungen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer in der Tasche, der Betrug flog auf, der Aufschrei war groß. Wettbetrug in Deutschland, so kurz vor der WM.

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