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Sporting Lissabon : Die Wiege der Weltfußballer

  • -Aktualisiert am

Großer Triumph im Moskauer Goldregen: Ronaldo mit der Champions-League-Trophäe 2008 Bild: AP

An diesem Montag wird Cristiano Ronaldo wohl zum Weltfußballer 2008 gekürt. Er wäre nach Luis Figo schon der zweite mit Wurzeln bei Sporting Lissabon. Der Verein lebt von seinen Talenten. Doch nicht alle wollen wie Star Ronaldo werden.

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          Aurélio da Silva Pereira steht in der milden Wintersonne und schaut ein paar Jungs beim Fußballspielen zu. Wären da nicht diese Augen, würde man ihn für einen ganz normalen portugiesischen Angestellten halten. Frisch geschnittene Halbglatze, angegrauter Schnauzbart und ein Marken-Poloshirt, das mehr nach Fälschung als nach Original aussieht. Es sind seine Luchsaugen, wach und durchdringend, die aus Aurélio Pereira einen der erfahrensten Fußballscouts Europas machen.

          Vor zwölf Jahren brauchte Pereira zwanzig Minuten, um zu wissen, dass der zwölfjährige Junge, der zum Probetraining angereist war, ein großes Fußballtalent war. Doch das reichte ihm nicht. Schließlich ging es um viel Geld. Der Fußballverein Nacional von der Blumeninsel Madeira hatte Sporting Lissabon Cristiano Ronaldo angeboten und wollte als Gegenleistung seine Schulden von umgerechnet 25.000 Euro liquidiert wissen.

          „Der Spieler soll auf alle Eventualitäten vorbereitet werden“

          „Ein junger Spieler wird nur dann ein erfolgreicher Fußballprofi, wenn er eine Einheit aus Kopf, Körper und Gliedmaßen herstellen kann. Wir bemühen uns, dieses Gleichgewicht bei unseren Nachwuchsspielern herzustellen“, erklärt Pereira das Erfolgsrezept von Sporting Lissabon. Wenn an diesem Montag Cristiano Ronaldo zum Fifa-Weltfußballer 2008 gewählt werden sollte, dann wäre Sporting der einzige Verein, der im vergangenen Jahrzehnt zwei Preisträger stellte, die in der hauseigenen Schule ausgebildet wurden. Der erste Lissabonner Absolvent, der den begehrtesten Individualpreis des Profifußballs gewann, war Luis Figo 2001.

          Den „Ballon D'Or” als Europas Fußballer des Jahres 2008 hat der Manchester-Star schon sicher

          Vor zwanzig Jahren entwarf Aurélio Pereira das Konzept für die Talentschmiede von Ronaldo, Figo, Simão und Dutzender weiterer portugiesischer Nationalspieler. Neben der fußballerischen Ausbildung, so der 59 Jahre alte Scout, lege der Verein auch auf die schulische Laufbahn seiner Nachwuchsspieler Wert: „Der Weg zum fußballerischen Erfolg hängt von einer Reihe unberechenbarer Faktoren ab. Deshalb soll der Spieler auf alle Eventualitäten vorbereitet werden. Dazu gehört auch eine Ausbildung, damit der Spieler nicht in der Luft hängt, wenn es mit dem Fußball nicht klappt.“

          „Zweiter Trainingstag war entscheidend“

          Der mögliche Misserfolg eines Spielers ist auch ein Risiko für den Verein. Und wenn, wie im Fall des zwölf Jahre alten Ronaldo, dazu eine hohe Ablösesumme verlangt wird, muss sich Pereira ganz sicher sein. „Die Jungs, die zum Probetraining aus Madeira oder den Azoren nach Lissabon kamen, litten am zweiten Tag immer unter so großem Heimweh, dass sie lieber zurückwollten. Der zweite Tag des Trainings war deshalb entscheidend.“ Und auch für Ronaldo sollte das zweite Probetraining auf den Hartplätzen neben dem mittlerweile abgerissenen alten Stadion in der Innenstadt der Tag der Entscheidung werden.

          Ronaldo wollte nicht zurück. Er wollte mehr. Als Pereira sah, dass das Provinzkind, das zwei oder drei Jahre jünger war als die meisten seiner Mitspieler, die älteren Kollegen auf dem Platz auch verbal zurechtwies und in seinem Team eine Führungsrolle übernahm, setzte sich Pereira gegen den Widerstand aus der Finanzabteilung für Ronaldos Verpflichtung ein. Sechs Jahre später verkaufte Sporting den Flügelstürmer für 17,5 Millionen Euro an Manchester United.

          Das hochverschuldete Sporting Lissabon hat Geld bitter nötig

          Einen großen Teil seines Etats deckt der Lissabonner Verein durch die Transfers seiner Juwelen ab. Die Verkäufe von Ronaldo, Nani, Quaresma, Simão und Carlos Martins spülten in den vergangenen Jahren schätzungsweise 60 Millionen Euro in die Kassen - das sind mehr als zwei komplette Jahresbudgets. Das Geld hat Sporting bitter nötig. Denn der Klub ist nach dem Neubau seines Stadions zur EM 2004 und einer modernen Trainingsanlage vor den Toren Lissabons hoch verschuldet.

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