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Milliardengeschäft Fußball : Die neue Macht der Spielerberater

Sie haben überall ihre Hände mit im Spiel: Berater gelten im Profifußball nicht gerade als beliebt. Bild: Jan Bazing

Berateragenturen spielen im Fußball eine immer wichtigere Rolle, auch wenn ihr Ruf nicht immer der beste ist. Die Big Player sind aufgestellt wie Großklubs – nur mit einem Unterschied.

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          Das Portefeuille von Dirk Hebel kann sich sehen lassen. Er berät mit seinem Kompagnon Volker Struth etwa 80 Fußballprofis. Dazu gehören die drei Nationalspieler Toni Kroos, Marco Reus und Benedikt Höwedes. Nach Marktwerten der Klienten liegt ihre Agentur Sports Total derzeit mit mehr als 270 Millionen Euro unter den Top-5-Anbietern in Europa. Das Unternehmen gehört zu den größten auf dem Markt. Dieser wird immer mehr von breit aufgestellten Agenturen beherrscht, die damit ihre Machtposition gegenüber den Vereinen ausbauen. Allerdings: Die Branche der Spielerberater muss weiterhin gegen ihren schlechten Ruf ankämpfen. Menschenhändler, Abzocker, dubiose Schattenmänner – es gibt da so einige Bezeichnungen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hebel sitzt im Büro in Köln und sagt: „Der Ruf ist zum Teil selbst verschuldet. Es gab in den Anfängen des Spielerberaterwesens sicherlich Methoden, die nicht immer astrein waren.“ Aber die Branche habe sich stark verändert. Heute konkurrierten viele Berater und Beratungsagenturen um die Spieler, es gehe um Dienstleistungen. Jeder Fehler eines Beraters könne dazu führen, dass sich Spieler anders orientierten. „Das sorgt dafür, dass fragwürdige Machenschaften vom Markt verschwinden und sich die Qualität der Beratung deutlich verbessert hat.“

          Weltfußballer Cristiano Ronaldo mit Jorge Mendes (l.). Der portugiesische Spielerberater gilt als einflussreichster Mann seines Jobs. Bei den Enthüllungen der Football Leaks gerieten vor allem seine Klienten in den Blickpunkt. Er soll ihnen geholfen haben, Steuern zu umgehen – ob auf legalem oder illegalem Wege ist noch unklar. Bilderstrecke

          Im Dezember schien die Bombe zu platzen. Gefüttert von anonymen Enthüllungsaktivisten des Netzwerks Football Leaks, berichteten einige Medien in Europa über nebulöse Verbindungen zwischen Klubs, Agenten und Fonds in Steueroasen. Es ging um windige Steuersparmodelle spanischer Großklubs. Betroffen war auch Superstar Cristiano Ronaldo. Und genannt wurden stets einige Spielerberater als vermeintliche Drahtzieher – angeblich ein Riesenskandal. Passiert ist bisher nicht viel. Offenbar tun sich Ermittlungsbehörden schwer, eine strafrechtliche Relevanz zu erkennen.

          Messi schleuste mehrere Millionen am Finanzamt vorbei

          Dass reiche Fußballer bisweilen am Finanzamt vorbeidribbeln und damit dem Gemeinwohl schaden, zeigte der Fall Lionel Messi, der argentinische Superstar wurde im vergangenen Jahr in einem länger zurückliegenden Fall wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Trotz solcher Fälle und Verdächtigungen sehen sich Agenten vor allem hierzulande pauschal zu negativ bewertet.

          „Ich kann die ganze Aufregung um Spielerberater nicht nachvollziehen. Es ist eine Branche wie jede andere“, sagt der Berliner Jörg Neubauer. Er vertritt Spieler wie das Schalker Mittelfeldtalent Leon Goretzka oder die Torhüter Kevin Trapp und René Adler. Wenn so getan werde, als sei es üblich im Fußball, dass Profis Steuern hinterzögen und mit Hilfe ihrer Berater Geld in Steueroasen schafften, entspreche dies nicht der Wirklichkeit, sagt Hebel. Speziell in Deutschland könne er sich das nicht vorstellen. Der Berater aus Köln bestätigt zwar, dass ihm schon Vereine im Ausland Angebote zur Steueroptimierung gemacht hätten. „Wir haben das allerdings im Sinne aller Beteiligten stets kategorisch abgelehnt.“ Für alle von der Agentur vertretenen Spieler gelte exakt das Gleiche: „Alle Einnahmen werden grundsätzlich klassisch versteuert, gestützt und geprüft durch externe Steuerberater und Anwälte. Dazu gibt es für uns keine Alternative.“

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