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Chinas U 20 in Deutschland : Ein Konflikt ohne Lösung

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Beim ersten Spiel der chinesischen U-20-Nationalmannschaft haben Zuschauer tibetische Flaggen aufgehängt. Bild: dpa

Die Fronten bei der Reise von Chinas U 20 durch die deutsche Fußballprovinz haben sich verhärtet. Ob Chinas U 20 an diesem Samstag überhaupt beim FSV Frankfurt antritt, ist noch unklar.

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          Düster klangen die Glocken, als die chinesische U-20-Fußballnationalmannschaft erstmals deutsche Wettkampfluft atmete. Zu „Hells Bells“ der australischen Hard-Rock-Band AC/DC betraten die Spieler am vergangenen Samstag den Kunstrasen der Bezirkssportanlage Mainz-Mombach, doch wie in der Hölle werden sie sich angesichts der freundlichen Begrüßung nicht gefühlt haben.

          Schenkt man jedoch der chinesischen Zeitung „Global Times“ Glauben, hat sich der Wind gedreht. Eine „große Verschwörung“ stecke hinter den tibetischen Protesten, die das Testspiel der chinesischen U20 bei Schott Mainz nach 23 Minuten für fast eine halbe Stunde unter- und fast abbrachen. Mit dieser „Verschwörung“ werde das Ziel verfolgt, die Mannschaft zu vertreiben und die Fußballkooperation mit Deutschland zu stören. In einem Kommentar am Mittwoch forderte die Zeitung, von einem kommunistischen Parteiorgan herausgegeben, den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch auf, „wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um diese Aktionen zu stoppen“.

          Doch daran haben weder DFB noch der nächste Gegner der chinesischen Privatspielserie, der FSV Frankfurt, Interesse. Beim Bornheimer Regionalligaverein hätten Fanklubs für das Spiel an diesem Samstag (14 Uhr) schon zwei Banner angemeldet, sagte FSV-Präsident Michael Görner der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Neben einem Plakat, das in englischer Sprache auf die Meinungsfreiheit in Deutschland hinweise, sei das eine tibetische Fahne. Eine solche hatte die „Global Times“ in ihrer Ausgabe verpixelt abgebildet. Der Streit um Tibets völkerrechtlichen Status schwelt seit dessen Annexion durch China 1950.

          „Ich sehe keinen Grund, diese Banner abzulehnen“, sagte Görner. „Sie verstoßen nicht gegen deutsches Recht.“ Sein Verein wolle jedoch „bestmöglicher Gastgeber“ sein und freue sich auf das Spiel. „Schade, dass es eine politische Dimension bekommen hat“, so Görner. Gut möglich, dass neben der angekündigten Fahne weitere tibetische Flaggen zu sehen sein werden. Im Gegensatz zu den Fanklubs müssen andere Besucher ihre Gegenstände nicht im Vorhinein anmelden. Görner sieht laut eigener Aussage „keine besondere Gefährdungslage“. Er rechne weiterhin mit den kalkulierten 100 Zuschauern – angesichts des öffentlichen Diskussion um die chinesische U20 eine konservative Schätzung. Bisher kamen zu jedem FSV-Heimspiel in der laufenden Saison mindestens 1000 Zuschauer.

          Ob das Spiel überhaupt stattfindet, war am Mittwoch noch offen. „Wir sind im intensiven telefonischen Austausch – sowohl mit dem chinesischen Fußball-Verband als auch mit der Delegation der U20“, hieß es vom DFB am Mittwoch auf Anfrage. Nach dem Spiel bei Schott hatte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann noch gehofft, das Problem „final lösen“ zu können. Dass das aufwändig geplante Projekt nach einem Spiel schon wieder vorbei sein könnte, hatte er da sicher nicht im Sinn. „Gegenseitiger Respekt ist der richtige Weg, um seine Gäste zu behandeln“, sagte der Sprecher des chinesische Außenministeriums am Dienstag. Tibet gehöre zu den „Kerninteressen“ des chinesischen Volkes. Der Konflikt, in dem die Fronten verhärtet sind, erscheint unlösbar, wenn alle Seiten ihr Gesicht wahren wollen. Der DFB beharrt auf dem Wert der Meinungsfreiheit, China darauf, dass Tibet-Embleme tabu sind.

          Widerwillig, schrieb die „Global Times“, habe die deutsche Seite die Tibeter dazu gedrängt, die Fahnen einzupacken. In Wirklichkeit war der Abzug freiwillig erfolgt. Der Sicherheitsdienst schritt erst ein, als ein chinesischer Fan den Aktivisten die Fahne entreißen wollte. „Wenn sich Personen wider Erwarten nicht gesetzeskonform verhalten“, kündigte Görner für diesen Samstag an, „rufen wir die Polizei.“ Vor der chinesischen Premiere in der Regionalliga Südwest hatte zumindest DFB-Vize Zimmermann noch zurückhaltende Töne angeschlagen, als er auf die politische Situation in China angesprochen wurde: „Wir Deutschen“, hatte er gesagt, „sollten anderen nicht immer die Welt erklären wollen.“

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