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Manipulation im spanischen Fußball : Wohin führt die Spur des Geldes?

Seltsamer Geldfluss: Auch Atlético-Kapitän Gabi Fernandez wird belastet Bild: Reuters

Im spanischen Fußball steht das große Reinemachen auf dem Programm. Die Antikorruptionsbehörde ermittelt gegen Klubs, die Spiele der Primera División manipuliert haben sollen. Auch Bernd Schuster hilft bei der Aufklärung.

          Von Korruptionsskandalen sagt man gern, sie „erschütterten“ ein Land, aber meistens stimmt das nicht; im Allgemeinen reicht es nicht einmal zu einem sanften Vibrieren. Immerhin hat es jetzt ein Bestechungsfall im spanischen Fußball auf die Titelseite des Sportblatts „Marca“ geschafft: Insgesamt zwanzig Spieler stehen vor den Untersuchungsrichtern der Antikorruptionsbehörde, um Licht auf die Erstligapartie UD Levante gegen Real Saragossa (1:2) im Mai 2011 zu werfen.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Rund 1,2 Millionen Euro sollen geflossen sein, um Saragossa den Sieg und damit den Klassenverbleib zu sichern. Hauptverdächtiger der Untersuchung ist Agapito Iglesias. Der ehemalige Präsident von Real Saragossa ließ neun Spielern sowie dem Trainer Javier Aguirre, heute Nationaltrainer von Japan, kurz vor dem Match je 85.000 bis 90.000 Euro überweisen, die von den Empfängern abgehoben und dem Verein in bar wieder zurückgegeben wurden. Außerdem hob der Klubchef am Tag vor dem Spiel weitere 350.000 Euro ab.

          Wozu die Geldbewegungen von insgesamt 1,2 Millionen Euro mit eingebautem Hauptwaschgang dienten, konnten die Befragten nicht plausibel machen, am wenigsten der Präsident. Bei den zehn Einzelbeträgen habe es sich um Erfolgsprämien gehandelt, lautete Iglesias’ Erklärung, was die Spieler aber nicht bestätigten. Es ist unüblich, solche Prämien vor dem Spiel und nur an einen Teil des Teams zu zahlen. Die 350 000 Euro wiederum, sagte der Präsident weiter, seien für anfallende „Ausgaben“ gewesen.

          Mittelfeldspieler Gabi Fernández, damals zweifacher Torschütze und heute der Kapitän des spanischen Meisters Atlético Madrid, erklärte vor dem Untersuchungsrichter, er habe dem Klub „aushelfen“ wollen; Saragossa befand sich seinerzeit im Insolvenzverfahren. Dass es im mutmaßlichen Bestechungsfall zur Anklage kommt, ist sehr wahrscheinlich, zumal die Verdachtsmomente noch durch stattliche Barabhebungen sowie Käufe von Luxusartikeln verstärkt werden, die Levante-Spieler in den Tagen nach dem Spiel vorgenommen haben sollen. Das größte Problem wird sein, den Weg des Geldes von Real Saragossa in die Hände des Gegners nachzuweisen.

          Motivationszahlungen sind verboten

          Dank einer Gesetzesreform im Dezember 2010 können die spanischen Behörden Bestechung im Profifußball strafrechtlich verfolgen. Die betrügerische Beeinflussung des Spielausgangs wird mit Gefängnisstrafen bis zu vier Jahren, Wettkampfsperren von bis zu sechs Jahren und Geldbußen geahndet. Früher hatte die Auffassung vorgeherrscht, abgesprochene Partien kämen zwar immer wieder vor, seien aber kaum zu belegen. Auch eine bis vor einigen Jahren übliche Praxis im spanischen Fußball, nämlich das Zahlen von Erfolgsprämien durch dritte Vereine - etwa zur Erhöhung der Motivation in der heißen Phase des Abstiegskampfs -, ist inzwischen verboten.

          Der Präsident des spanischen Profiligaverbands LFP, Javier Tebas, hat der Bestechung den Kampf angesagt und ist dabei nicht nur auf vage Verdachtsmomente, überraschend auftauchende Geldsummen oder Denunziationen angewiesen. Er verfügt über eine wirksame Untersuchungsmethode. Analysten der Firma Federbet haben im Auftrag des LFP dreizehn Partien der ersten und zweiten Liga anhand von Statistiken des internationalen Online-Wettgeschäfts durchleuchtet. Nach Informationen der Zeitung „El País“ entdeckten die Experten bei mindestens sechs von dreizehn Spielen verdächtige Trends in europäischen und asiatischen Wettbüros, die auf eine hohe Betrugswahrscheinlichkeit schließen lassen.

          Indizien gegen fairen Wettbewerb

          Allgemein unterscheidet man zwischen zwei Betrugsarten: der gekauften oder „verschobenen“ Partie, mit der etwa der Abstieg verhindert werden soll wie mutmaßlich im Fall von Real Saragossa; und dem organisierten Wettbetrug, bei dem Bieter in aller Welt auf einen sportlich unwahrscheinlichen, durch Bestechung manipulierten Spielausgang setzen und damit hohe Gewinne einfahren.

          Die Analysten fanden etwa bei der Erstligapartie UD Levante gegen Deportivo La Coruña (0:4) vom 13. April 2013 überwältigende Hinweise auf versuchten Wettbetrug, denn völlig überraschend interessierten sich asiatische Wetter für eine eher belanglose Partie des spanischen Fußballs und pumpten in ihre Gebote 3,5 Millionen Euro. Auch die Partie Hércules gegen Murcia (0:2) zwei Monate später wurde mutmaßlich manipuliert. Darauf lässt unter anderem die Tatsache schließen, dass laut Bericht „fast alle“ Wettbüros die Partie aus dem Wettplan nahmen, weil die Indizien gegen fairen Wettbewerb sprachen.

          „Sie standen auf dem Platz, waren aber nicht da“

          Zu den fragwürdigen Spielen der Primera División gehört auch das Spiel FC Málaga gegen FC Elche (0:1), mit dem sich die Auswärtsmannschaft in der letzten Saison den Klassenerhalt sicherte. Málagas Torwart Willy Caballero, heute bei Manchester City unter Vertrag, brachte einen anonymen telefonischen Bestechungsversuch zur Anzeige.

          Auch Málagas damaliger Trainer Bernd Schuster trug Erhellendes zu dem Fall bei. Einige seiner Spieler seien „nicht wiederzuerkennen“ gewesen, sagte der deutsche Coach, der den Verein kurz darauf verließ. „Sie standen auf dem Platz, waren aber nicht da.“ Im spanischen Profifußball, so scheint es, steht ein großes Reinemachen auf dem Programm. LFP-Präsident Tebas appellierte an die Spieler, sich vor dem Untersuchungsrichter an die Wahrheit zu halten.

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