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Spanien schlägt Chile 2:1 : Ein Spiel, zwei Sieger

Grund zur gemeinsamen Feier: Der Chilene Medel (l.) und der Spanier Villa Bild: dpa

Beim Sieg der Spanier treffen Villa und Iniesta, für Chile Milar. Weil die Schweiz gegen Honduras nicht gewinnt, reicht den Chilenen die Niederlage für ein Rendezvous mit Brasilien. Spanien trifft nun auf Portugal.

          Was eine große Mannschaft sein will, muss bei einem Turnier auch einmal eine kritische Situation überstehen. So gesehen gehen die Spanier mit keinen schlechten Voraussetzungen in das Achtelfinale dieser Weltmeisterschaft. Ihr erstes kleines Endspiel nämlich hat die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque am Freitagabend im Loftus Versfeld von Pretoria gemeistert - wenn auch nicht ganz überzeugend.

          Wichtig war der 2:1-Sieg gegen Chile gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen verhinderte er ein Vorrunden-Aus des Europameisters, zum anderen bescherte er den Spaniern Platz eins in der Gruppe H. Damit geht der Mitfavorit auf den WM-Titel dem unbequemen Duell mit Brasilien am Montag in Johannesburg aus dem Weg und trifft stattdessen am Dienstag in Kapstadt auf Portugal. Aus Sicht des neutralen Beobachters hat freilich auch dieses Nachbarschaftsduell seinen Reiz. „Das Spiel gegen Portugal wird sehr schwierig sein“, erklärte Trainer Vicente del Bosque: „Es gibt eine Menge Druck, wir wissen, was in Spanien erwartet wird.“ Mit Brasilien bekommen es nun die Chilenen zu tun, für die es zu Platz zwei reichte, weil zeitgleich die Schweiz nicht über ein 0:0 gegen Honduras hinauskam (siehe: Schweizer 0:0 gegen Honduras: Kein Mut, kein Glück, kein Achtelfinale). „Eine Qualifikation mit einer Niederlage ruft immer unterschiedliche Gefühlslagen hervor“, sagte Trainer Marcelo Bielsa gleichermaßen enttäuscht wie erleichtert.

          Die Tore für die Spanier erzielten David Villa mit seinem dritten Turniertor (24. Minute) und Andres Iniesta (37.). Für die Chilenen traf Rodrigo Millar (47.). Verdient war der spanische Sieg schon, auch wenn die Chilenen mit sehr viel Herzblut in die Partie gegangen waren und zu Beginn einen hervorragenden Eindruck hinterließen. Dass Marco Estrada nach 37 Minuten die Gelb-Rote Karte sah, konnte man zwar als Strafe für das insgesamt etwas ungestüme Zweikampfverhalten der Chilenen sehen. Eine zu harte Entscheidung des mexikanischen Schiedsrichters Rodriguez in dieser Szene war es dennoch.

          Gute Laune auf allen Plätzen: Chilenische wie spanische Fans können sich über den Spielausgang freuen

          Es war ein Gewinn für diese bislang selten hochklassige oder mitreißende WM, dass der Spielplan noch diesen einen Thriller im allerletzten Moment der Vorrunde im Programm hatte. Fast alles schien noch denkbar in dieser verzwickten Gruppe, selbst ein Weiterkommen der Honduraner war theoretisch möglich. Zugleich hatten es die beiden Teams in Pretoria, Spanier wie Chilenen, selbst in der Hand, die nächste Runde zu erreichen. Spanien benötigte dazu einen Sieg, Chile ein Unentschieden.

          Forscher Beginn der Chilenen

          Die Chilenen hatten betont, keinesfalls auf ein Remis spielen zu wollen - und sie hielten Wort. Spanien hatte zwar die erste Chance, als Torres nach einem Freistoß von Xavi übers Tor köpfte. Danach war es jedoch imponierend, mit welcher Energie und mit welchem Selbstbewusstsein die Chilenen zu Werke gingen. Keinen Zentimeter Platz ließen sie den Spaniern, und im Spiel nach vorne hatten sie selbst etwas zu bieten. Gonzalez stand schon ein bisschen zu weit vor dem Tor, sonst hätte er nach der Flanke von Beausejour womöglich die Führung erzielt (10.). Ziemlich frech war dann der Heber, mit dem Sanchez Torhüter Casillas überlisten wollte (14.).

          In der Defensive jedoch mussten die Chilenen früh einen Preis für ihr forsches Spiel zahlen. Schon nach 20 Minuten waren drei ihrer Spieler mit Gelb verwarnt - es sollte sich bald rächen. Die Spanier waren ihre Personalsorgen rechtzeitig losgeworden. Iniesta und Ramos standen nach überstandenen Blessuren wieder zur Verfügung und auch in der Startelf. Noch größer aber dürfte die Erleichterung gewesen sein, dass Torjäger Villa nach seiner Unbeherrschtheit gegen einen honduranischen Verteidiger nicht nachträglich gesperrt wurde. Seine beiden Tore zum 2:0 gegen Honduras waren ja erst die Grundlage dafür gewesen, dass Spanien sich nach dem 0:1 gegen die Schweiz zum Auftakt überhaupt noch Hoffnung aufs Achtelfinale machen durfte.

          Eine weitere allzu gewagte Schiedsrichterentscheidung

          Gegen Chile lief das Spiel zwanzig Minuten lang völlig an Villa vorbei - dann stand er jedoch zur rechten Zeit am richtigen Fleck. Chiles Torwart Bravo kam weit aus dem Strafraum, um gegen Torres zu klären. Der Ball landete bei Villa, und der traf aus rund 35 Metern ins leere Tor. Die Spanier standen nun sicherer, doch noch einmal hatten die Chilenen die große Chance: als Beausejour alleine auf Casillas zulief. Der Ball ging jedoch nur ans Außennetz (35.).

          Es folgte die Szene, die das Spiel in jeder Hinsicht entscheidend beeinflusste. Villa spielte Iniesta frei, und sein künftiger Teamkollege vom FC Barcelona traf aus 15 Metern mit einem Flachschuss. Aus demselben Spielzug resultierte auch der Platzverweis gegen Estrada. Er schien den Weg von Torres, den er am Fuß berührte, allerdings eher versehentlich gekreuzt zu haben. Es war eine weitere von vielen allzu gewagten Schiedsrichter-Entscheidungen bei dieser WM. Keine zwei Minuten nach der Pause machte der glücklich abgefälschte Schuss des eingewechselten Millar den Chilenen noch einmal kurzzeitig Mut. Danach schwanden jedoch die Kräfte, und Spanien kontrollierte das Spiel, ohne dabei noch viel zu wagen. Den Chilenen blieb nur die Hoffnung, dass die Honduraner der Schweiz keinen Treffer gestatten würden. Sie wurde erfüllt, und so war der Abend in Pretoria am Ende ein Fest für alle.

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