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Karlsruher SC : Bloß keine Küchenpsychologie

  • -Aktualisiert am

Dennis Kempe (rechts) ist ein gleichwertiger Ersatz für Philipp Max. Bild: dpa

Der Zweitliga Verein KSC ist wieder im harten Alltag angekommen. Nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga ist die Begeisterung Sorgen gewichen, ausgerechnet vor dem ersten Pokalspiel.

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          Willkommen zurück auf dem Boden, im harten Alltag von Liga zwei. Die Lage mag noch nicht wirklich besorgniserregend sein für den Karlsruher SC, aber sie ist in jedem Fall nicht sehr angenehm für eine Mannschaft, die vor einigen Wochen noch - gewissermaßen - nach den Sternen gegriffen hatte. Und jetzt: weit unten in der Tabelle. Und erst einmal gezwungen, sich mit der rauhen Realität des Fußballs abzufinden.

          Montag, 1. Juni, 20.45 Uhr. Der Karlsruher SC hatte im Relegationsrückspiel gegen den Hamburger SV in der Nachspielzeit 1:0 geführt und träumte von der Bundesliga. Und dann dieser umstrittene Freistoß. Der Chilene Marcelo Diaz hob den Ball über die Karlsruher, hinein ins von Dirk Orlishausen gehütete Tor. Die Hamburger gewannen das Spiel schließlich in der Verlängerung und blieben erstklassig. Und ganz Karlsruhe trauerte nach dem verpassten Aufstieg. Auch Trainer Markus Kauczinski, der ein „Gefühl der Ungerechtigkeit“ empfunden hatte.

          Druck zu punkten

          Zwei Monate später ist von fußballerischem Glanz nichts mehr zu sehen bei den Nordbadenern. Mehr noch: Die Begeisterung ist Sorgen gewichen nach zwei Niederlagen zum Saisonstart gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth und den FC St. Pauli. „Ein guter Saisonstart schaut anders aus“, sagt KSC-Sportdirektor Jens Todt, auch wenn er beim jüngsten 1:2 gegen St. Pauli zumindest eine Leistungssteigerung gegenüber dem 0:1 in Fürth gesehen haben will.

          Für die Situation macht der Europameister von 1996 eine „Reihe von Mosaiksteinen“ verantwortlich. Die durch die Relegation aufgetretene kürzere Pause und die dadurch resultierende schwerere Vorbereitung auf das neue Spieljahr sind für ihn dabei die wichtigsten Merkmale. Dennoch will Todt sich „nicht verrückt machen“ lassen. Von einer „Zwischenrechnung“ sei man noch weit entfernt. Und doch verspürt der 45-Jährige vor dem Pokalspiel gegen den SSV Reutlingen Fußball (20.30 Uhr / Live bei Sky und im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) natürlich „den Druck, zu punkten. Wir sind dazu verdammt.“

          Erfolg von gestern zählt nichts mehr

          Todt möchte aber das spezielle Karlsruher Relegationsdrama nicht als Ausrede für den schwachen Saisonauftakt gelten lassen. Einen psychischen Knacks herbeizureden sei „reine Küchenpsychologie“. Ein Profi müsse Dinge hinter sich lassen können, sagt er, und er betont, dass man nicht in der Vergangenheit leben dürfe. Im Hier und Jetzt zählten die Erfolge von gestern nichts mehr.

          Die sportliche Leitung des KSC hatte versucht, dies dem Team klarzumachen und, wie Todt sagt, aus diesem Grund zu „zwei Gesprächsterminen“ gebeten. Offenbar ahnte man, dass das Geschehen vom Juni Nachwirkungen haben könnte. Ansonsten aber seien jene verhängnisvollen Sekunden im Juni kein „großes Thema“ in einer unter dem Strich „vernünftigen Vorbereitung“ gewesen - behauptet Todt.

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          Rekordablöse für Martin Max

          Die Karlsruher mussten allerdings auch einen ihrer Besten ziehen lassen: Reinhold Yabo, der nebenbei im Karlsruher Gemeinderat saß, wechselte zu Red Bull Salzburg. Ein weiterer Spieler, der eine bedeutende Rolle eingenommen hatte, verließ den KSC am Dienstag: Philipp Max, Sohn des ehemaligen Schalker Profis und zweimaligen Bundesliga-Torschützenkönig Martin Max, heuerte beim FC Augsburg an.

          Die wahrscheinliche Rekordablöse von knapp vier Millionen Euro soll zunächst nicht in einen neuen linken Verteidiger investiert werden. Mit Dennis Kempe „haben wir einen gleichwertigen Ersatz, der auf der Position auch schon vor Phillipp Stammspieler gewesen ist“, sagt Todt zur Personalplanung. Außerdem stehen mit Ylli Sallahi und Pierre Fassnacht zwei Jungspunde, die den Platz von Max einnehmen können, in den eigenen Reihen. Zweitliga-Torschützenkönig Rouwen Hennings soll hingegen in jedem Fall gehalten werden; er ist noch bis Juni 2017 an den KSC gebunden.

          Es geht bei der Gestaltung der Zukunft auch um Kauczinski. Sein Vertrag läuft aus, das Präsidium des KSC will sich deshalb „baldmöglichst“ mit ihm zusammensetzen. Kauczinski will bleiben, die Karlsruher wollen allem Anschein nach an ihm festhalten - in der Hoffnung, gemeinsam noch einiges bewegen zu können. Vorerst heißt dies aber: Der Karlsruher SC muss sich nach zwei Rückschlägen erst wieder aufrichten, ehe trotzig ein neuer Angriff erfolgen kann.

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