https://www.faz.net/-gtl-80aot

Hoffen auf WM-Qualifikation : Riskante Fußball-Mission in Afghanistan

  • -Aktualisiert am

Bisher trainierte Slaven Skeledzic in Frankfurt den Nachwuchs, nun die A-Nationalmannschaft Afghanistans Bild: Imago

Bisher war Slaven Skeledzic beim FSV Frankfurt, nun ist er plötzlich Nationaltrainer Afghanistans. Andere sagten aus Angst ab, Skeledzic nahm die riskante Aufgabe an. Wie gefährlich der Job ist, erlebte sein Vorgänger schmerzhaft.

          Slaven Skeledzic verwendet gerne das Wort Geschichte. Weil noch nie ein U-19-Trainer Teamchef einer Nationalmannschaft geworden ist, habe er „Sportgeschichte geschrieben“, sagt der neue afghanische Nationalcoach. Würde sich Afghanistan zum ersten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren, wäre das für ihn „ein Stück Fußballgeschichte“. Und zu seinen Zielen in den kommenden fünf Jahren - so lange läuft sein Vertrag - sagt der Dreiundvierzigjährige, der im heutigen Bosnien-Hercegovina geboren und in Bad Homburg aufgewachsen ist: „Wir wollen vielleicht ein bisschen Weltgeschichte schreiben.“

          Skeledzic ist begeistert von seiner neuen Aufgabe, das erklärt seine hoch gegriffenen Worte. Er, der zuletzt Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim FSV Frankfurt war, glaubt, mit einem Satz einen Riesensprung in der Trainerhierarchie gemacht zu haben. Diese Chance musste er ergreifen - auch wenn Afghanistan nur 144. der Fifa-Weltrangliste ist und dort kriegsähnliche Zustände herrschen.

          Seine Mitbewerber sollen auch „Hochkaräter aus der Bundesliga“ gewesen sein, berichtet Skeledzic. Trotzdem fiel dann die Wahl auf ihn. Auf einen Fußballlehrer, der davor im Nachwuchsbereich bei der Frankfurter Eintracht, Hansa Rostock und Hannover 96 gearbeitet hatte. Wie der Kontakt zum afghanischen Fußballverband zustande kam, darüber gibt der Deutsch-Bosnier nur vage Auskunft. Ein „Mittelsmann“ sei es gewesen, sagt er.

          Skeledzic war „sehr überrascht“. Er musste aber nicht lange überlegen, das Angebot anzunehmen. Angst hat er keine. Sein Vorgänger Yousuf Kargar war im Januar in Kabul überfallen und mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt worden. Das dürfte viele davon abgehalten haben, den Posten zu übernehmen. „Ich habe mich aber immer sicher gefühlt“, sagt Skeledzic, der seinen Vertrag in Kabul unterschrieben hat.

          Skeledzic lobt Bedingungen in Afghanistan

          Vom Flughafen wurde er mit einem gepanzerten Wagen abgeholt und in ein durch „Militär extremst gesichertes Hotel“ gebracht. Auch im Camp bewachten ihn Sicherheitsbeamte. Die „vielen bewaffneten Menschen, die auf den Straßen unterwegs waren, und die zerstörten Häuser“, fielen ihm auf. Das Gebäude des Fußballverbandes und das Trainingsgelände waren aber neu errichtet worden. In Betrieb ist auch ein „kleines Stadion“, das „Drittligaverhältnissen“ entsprechen würde. „Es ist alles modern und absolut okay“, sagt Skeledzic.

          Die Trainingslager sollen dennoch in Dubai und Qatar stattfinden. Der neue Nationaltrainer des kriegsgebeutelten Landes wird weiter in Deutschland leben und nur gelegentlich nach Afghanistan reisen: zu Länderspielen und Weiterbildungen. Anfang März versammelt er zum ersten Mal seinen erweiterten Kader in Kabul. Mit dabei ist dann auch sein Assistenztrainer Ali Askar Lali, der als Franz Beckenbauer Afghanistans gilt. Der Siebenundfünfzigjährige lebt ebenfalls in Deutschland und spricht perfekt Deutsch und Persisch.

          2013 Titel bei der Südostasien-Meisterschaft

          Skeledzic beansprucht für sich, einst maßgeblich an der Entwicklung von Eintracht-Spielern wie Marco Russ, Timothy Chandler und Sonny Kittel beteiligt gewesen zu sein. Zu ihnen zählt auch der heutige Wolfsburger Sebastian Jung. Und drei seiner afghanischen Nationalspieler sind ihm ebenfalls aus Eintracht-Zeiten bekannt. Zamir Daudi und Abassin Alikhil spielen heute bei Viktoria Aschaffenburg in der Bayernliga Nord. Milad Salem ist für den VfL Osnabrück in der dritten Profiliga aktiv. Skeledzic wird auf Weltreise nach Finnland, Australien, Indien oder die Vereinigten Staaten gehen müssen, um alle Kandidaten sichten zu können.

          „Viele sind bis dato noch nicht in der Nationalmannschaft, obwohl sie relativ hoch spielen“, sagt er. „Das Gros der Mannschaft werden Legionäre stellen.“ Als Fußball-Entwicklungsland stuft Skeledzic Afghanistan nicht ein. 2013 gewann das Land überraschend die Südostasien-Meisterschaft. Damals sollen sechs Millionen Menschen eine ganze Nacht lang auf den Straßen in Kabul gefeiert haben. „Ich will den Menschen wieder ein Lächeln schenken“, sagt Skeledzic.

          Weitere Themen

          Fix weiter am Geburtstag

          Kerber siegt mühelos : Fix weiter am Geburtstag

          Ohne Mühe erreicht Angelique Kerber an ihrem 31. Geburtstag die nächste Runde. Dafür reichen ihr gegen die Australierin Birrell 58 Minuten. Im Achtelfinale könnte sie sich nun für das aus einer Landsfrau revanchieren.

          Topmeldungen

          Anwalt Michael Cohen : Tricksen für Trump

          Der ehemalige Anwalt des Präsidenten soll vor dem Wahlkampf eine Firma bezahlt haben, Online-Umfragen für Trump zu manipulieren. Für Cohen sprang ein Fake-Fanclub heraus, dessen Huldigungen immer noch online sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.