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Skandal im Fußball-Weltverband : „Dies ist die Weltmeisterschaft des Betrugs“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Sieben Fifa-Funktionäre wurden im Skandal beim Weltverband festgenommen. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Die amerikanische Justizministerin verrät, wie weit die Korruption im Fußball verbreitet ist.

          Den verdächtigen Fußball-Funktionären im Korruptionsskandal beim Weltverband Fifa drohen bis zu 20 Jahre Haft. Das sei die Höchststrafe in solchen Fällen von organisierter Kriminalität, sagte die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York. Im nächsten Schritt gehe es um die Auslieferung der Angeschuldigten in die Vereinigten Staaten. Die meisten allerdings widersetzen sich dem. Im Verhör bei der Kantonspolizei Zürich gaben sechs von ihnen an, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Überstellung an die amerikanische Justiz wehren zu wollen. Das teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Mittwochabend mit.

          Dadurch müssen nun formelle Auslieferungsverfahren eingeleitet werden. Nach Schweizer Recht beträgt die Frist, innerhalb der die Vereinigten Staaten entsprechende Anträge stellen können, 40 Tage. Beobachter gehen davon aus, dass dies rasch geschehen und die Schweizer Justiz dann auch kurzfristig darüber entscheiden wird. Einer der Festgenommenen habe in einer ersten Anhörung Bereitschaft für eine sogenannte vereinfachte Auslieferung signalisiert und könne damit im Falle einer Bewilligung „umgehend den US-Behörden übergeben werden“.

          Gegen die Fifa-Funktionäre wird von der New Yorker Staatsanwaltschaft wegen Annahme von Bestechungsgeldern und verdeckten Provisionen ermittelt. Dabei geht es um Zahlungen in der Höhe von mehr als 100 Millionen Dollar. „Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern“, warf die oberste Staatsanwältin den neun Fußballfunktionären und fünf Geschäftsmännern vor. „Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.“ Einer der Angeschuldigten habe sich etwa mit rund zehn Millionen Dollar (9,2 Millionen Euro) bereichert.

          Ob auch Präsident Joseph Blatter im Visier der Ermittler sei, wollte Lynch nicht beantworten. Sieben Funktionäre des Weltverbands Fifa oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren am Mittwoch in Zürich festgenommen worden. Das amerikanische Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatte, beschuldigt insgesamt gegen 14 Personen.

          Was braut sich da nur zusammen? Fifa-Präsident Joseph Blatter

          Lynch zufolge sind allein im Zusammenhang mit der Vergabe der Copa America 2016 in den Vereinigten Staaten rund 110 Millionen Dollar (101 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern geflossen. Das Turnier findet im kommenden Jahr erstmals außerhalb von Südamerika statt. Es wird anlässlich des 100. Geburtstages des südamerikanischen Verbandes als Gemeinschafts-Event Copa America Centenario in den Vereinigten Staaten ausgetragen. Lynch äußerte sich enttäuscht, dass auch historische Ereignisse wie die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika 2010 durch kriminelle Handlungen beschädigt worden seien und kündigte einen rigorosen Kampf gegen die Korruption im Weltfußball an.

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