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Fußball in Frankreich : Skandal-Stürmer Balotelli wechselt – mit Probezeit

  • Aktualisiert am

Für Mario Balotelli geht es nun bei Olympique Marseille weiter. Bild: AFP

Die wechselhafte Karriere des Skandal-Stürmers Mario Balotelli soll bei Olympique Marseille wieder in Schwung kommen. In Nizza gab es zuletzt nur noch Ärger – wie eigentlich immer bei „Super Mario“.

          Es soll ein kompliziertes Vertragswerk gewesen sein, das der umtriebige Berater Mino Raiola für seinen berühmten Klienten Mario Balotelli ausgehandelt hat. Sogar Prämien für „gebührliches Verhalten“ gegenüber Fans, Mitspielern und Schiedsrichtern – eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Angestelltenverhältnis – soll es für den italienischen Skandal-Kicker bei seinem neuen Klub Olympique Marseille geben. Es ist eine Zusammenarbeit auf Probe, angelegt zunächst auf sechs Monate, garniert mit einem stattlichen Gehalt.

          Beide Seiten hoffen auf eine Win-Win-Situation. Marseille, abgestürzt auf Platz sieben der französischen Fußball-Liga, braucht dringend einen starken Stürmer. Und Balotelli, der 2012 Deutschland im EM-Halbfinale mit zwei Treffern aus dem Turnier beförderte, befand sich bei OGC Nizza zuletzt mal wieder sportlich in der Sackgasse.

          „Trainieren, spielen und Tore schießen“, seien seine Ziele, sagte Balotelli bei seiner Vorstellung am Mittwoch, nachdem er den Medizincheck erfolgreich absolviert hatte. Bisher war ihm in dieser Saison aber noch kein Tor vergönnt. Von seinem entnervten Nizza-Trainer Patrick Vieira, dem Weltmeister von 1998, ist der 28-Jährige bereits seit Anfang Dezember nicht mehr berücksichtigt worden. Wie eigentlich immer in Balotellis Karriere endet ein Vertrag vorzeitig – mit entsprechenden Nebengeräuschen.

          Balotelli ist halt Balotelli, selten traf der Spruch vom „Genie und Wahnsinn“ so sehr zu wie auf den Sohn einer ghanaischen Einwandererfamilie. Mit 17 Jahren gab er einst sein Profidebüt bei Inter Mailand, wurde erst gefeiert, bis Startrainer José Mourinho von den Eskapaden genug hatte. Nachdem der „Super Mario“ genannte Profi nach dem Champions-League-Halbfinale 2010 gegen den FC Barcelona sein Trikot auf den Rasen schmiss, war Schluss. Präsident Massimo Moratti sprach von einem „öffentlichen Suizid“.

          Balotelli zog für rund 30 Millionen Euro weiter auf die Insel zu Manchester City, zerlegte dort erst einmal seine Luxus-Karosse, weil er den Linksverkehr nicht gewöhnt war. Im Training zoffte er sich mit Mitspielern, dazu soll er Dartspfeile auf Jugendspieler des Clubs geworfen haben. Insgesamt sollen sich Geldstrafen von mehr als 400.000 Euro angesammelt haben. Da halfen am Ende auch seine Tore nicht.

          Seine Rückkehr 2013 nach Italien – diesmal für 20 Millionen Euro zum AC Mailand – bezeichnete Balotelli hinterher „als großen Fehler“. Der Egozentriker sah sich als Opfer von Fans, Gegenspielern und Schiedsrichtern. An seinem negativen Image arbeitete er aber auch weiterhin fleißig selbst. Das von ihm nicht anerkannte Kind mit der TV-Moderatorin Raffaela Fico bestimmte wochenlang die Klatsch-Spalten. Dazu schlug er auf die Kamera eines Journalisten ein. Dumm nur, dass es sich um einen Mitarbeiter von Sportmediaset handelte. Der Sender gehörte Silvio Berlusconi, seinem Chef in Milan.

          Nachdem auch sein Engagement beim FC Liverpool ohne Happy End blieb, schien Balotellis Zukunft ungewiss – bis sich Lucien Favre in Nizza der Sache annahm. Stolze 43 Tore erzielte er in zwei Spielzeiten. Im Sommer ging Favre nach Dortmund, und Balotelli kam zwei Wochen zu spät mit Übergewicht aus dem Urlaub – was den neuen Coach erzürnte.

          Nun also Marseille. Schon in der Sommerpause hatten beide Klubs zwei Monate über einen Wechsel verhandelt. Jetzt soll der Stürmer die Saison retten. Der Rückstand zum Zweiten OSC Lille, dem nächsten Gegner am Freitag, beträgt bereits neun Zähler. Einen Geniestreich Balotellis an diesem Wochenende wird es aber nicht geben. „Er wird uns verstärken, aber er hat lange nicht gespielt. Es ist unmöglich, dass er gegen Lille spielt“, sagte Trainer Rudi Garcia.

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