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Abstieg eines „Dorfklubs“ : Andrea Berg, eine Eseldame und der Sonnenhof-Blues

Schlagersängerin Andrea Berg hat das Stadion mitbezahlt. Bild: dpa

Angemeldet hatte das Team sich einst für die Freizeitliga. Dann ging es bis in die dritthöchste Fußballklasse. Das Stadion fasste mehr Zuschauer, als der Ort Einwohner hat. Aber was hat Andrea Berg damit zu tun?

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          Am Sonntag wird Mario Gomez ziemlich sicher feiern dürfen. Er muss mit seinem VfB Stuttgart in der zweiten Liga drei Punkte und elf Tore Vorsprung verteidigen. Wenn das klappt, wird er aufsteigen – und danach aussteigen. Als Fußballer des VfB, vielleicht sogar als Fußballer überhaupt.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Er, einer der prägenden deutschen Stürmer des vergangenen Jahrzehnts, wird in den nächsten Tagen, so ist das üblich, an die vielen Tore, die vielen Titel erinnert werden: Meisterschaft, Pokal, Champions League, fast alles war dabei. Eine Sache aber wird vermutlich unerwähnt bleiben: Vier Tage vor dem Aufstieg ist Gomez abgestiegen – zumindest ein ganz kleines bisschen.

          Am Mittwoch hat die SG Sonnenhof Großaspach in der dritten Liga 1:2 gegen den SV Meppen verloren. Seitdem steht fest, dass die Schwaben die Liga nach sechs Jahren wieder verlassen müssen. Das war länger, als die meisten ihnen zugetraut haben. Aber das war schon immer so mit diesem Verein, der sich 1986 unter anderem Namen in einer Freizeitliga angemeldet hat. Ein Beispiel: Vor neun Jahren hat der Klub aus Aspach, einer Gemeinde mit 8000 Einwohnern zwischen Stuttgart und Heilbronn, ein neues Stadion eröffnet, in das 10.000 Menschen passen und das mehr als zehn Millionen Euro kostete. Mitbezahlt hat es damals unter anderem die Schlagersängerin Andrea Berg. Und Gomez.

          Mit Stuttgart Aufsteiger, mit Großaspach Absteiger: Mario Gomez
          Mit Stuttgart Aufsteiger, mit Großaspach Absteiger: Mario Gomez : Bild: dpa

          Die Geschichte mit den prominenten Stadioninvestoren ist nur eine von vielen außergewöhnlichen in Großaspach. Wenn man es sich aber genau anschaut, steckt dahinter immer derselbe Mann: Uli Ferber, 60 Jahre alt, Hotelier, Spielerberater. Er war es, der den Klub damals mit Freunden in der Freizeitliga anmeldete und ihn viele Jahre später in den Profifußball führte. Seine Kommandozentrale: das Hotel „Sonnenhof“ in Aspach, das er leitet. Dort verhandelte er die Verträge von Gomez, den er berät. Dort lernte er Andrea Berg kennen, die er heiratete. Mit ihr geht er ins Stadion, zum Fußball, aber voll ist es nur, wenn sie auftritt.

          Vor den Heimspielen der Großaspacher läuft übrigens die Eseldame Andile durchs Stadion. Manchmal darf sie sich auf dem Weg eine Karotte schnappen, die sich der Stadionsprecher vorher zwischen die Zähne klemmt. Einmal gab es das Gerücht, dass Andile schwanger sei. Da war was los in Großaspach.

          Einst hatten sie sich in der Freizeitliga angemeldet: Die Kicker aus Großaspach.
          Einst hatten sie sich in der Freizeitliga angemeldet: Die Kicker aus Großaspach. : Bild: Picture-Alliance

          Die SG hat sich gerne als Dorfverein vermarktet, ist dann aber doch in die Muster des Profifußballs verfallen. Wenn es nicht lief, hat sie den Trainer entlassen. In dieser Saison konnte sie auch das nicht retten. Der VfB steigt auf, Großaspach steigt ab. Das bestätigt manch alten Stuttgarter, der spottete, in Aspach früher nicht mal die „Kickschuhe“ geschnürt zu haben. Doch das haben sie früher auch über die Heidenheimer gesagt – und die steigen vielleicht in die Bundesliga auf.

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