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Auftakt der Serie A : Ronaldo-Debüt mit Trauerflor

  • Aktualisiert am

Cristiano Ronaldo (rechts) gibt sein Debüt für Juventus Turin in Verona. Bild: EPA

Nach dem Brückeneinsturz mit vielen Toten steht Italien unter Schock. Die Spiele der Teams aus Genua werden verlegt. Und die Trauer überschattet auch das Liga-Debüt des neuen Superstars.

          Wochenlang haben die Tifosi in Italien auf das erste Pflichtspiel des neuen Superstars Cristiano Ronaldo hingefiebert – doch der Brückeneinsturz in Genua mit Dutzenden Toten drängt den Fußball in Italien zum Saisonstart in den Hintergrund. Mindestens 38 Menschen starben, Italien ist erschüttert. Vor jeder Partie soll in den Stadien zum Saisonauftakt der Serie A am Wochenende eine Minute lang Stille herrschen. Gespielt wird mit schwarzem Trauerflor. Juventus und Ronaldo starten an diesem Samstag (18.00 Uhr bei DAZN) bei Chievo Verona.

          In Genua, dem Schauplatz des Unglücks, bleibt sogar das gesamte Stadion leer. Die Liga verschob das Heimspiel von Sampdoria Genua gegen Florenz auf den 19. September und die Begegnung von CFC Genua und AC Mailand auf den 31. Oktober. Die Entscheidung sei ein „wichtiger Akt der Solidarität für Genua und die Genueser, die Tage des tiefen Schmerzes und der Bestürzung erleben“, sagte Sampdoria-Präsident Massimo Ferrero, der sich für die Anteilnahme bedankte.

          Innenminister Matteo Salvini sprach sich am Freitag dafür aus, den Saisonauftakt ganz zu verschieben. „Ich denke, es wäre aus Respekt und Nähe zu Genua und zu den Verwandten der Opfer geboten, dass die Fußballmeisterschaft am Samstag und Sonntag angehalten würde“, sagte der Chef der rechten Lega-Partei laut italienischer Nachrichtenagentur Ansa. „Lassen wir die Mannschaften Genuas nicht alleine, Business und Fernsehinteressen können warten.“

          Der aus Genua stammende italienische Parlamentsabgeordnete Luca Pastorino ist der gleichen Meinung: „Am nationalen Trauertag erscheint es absurd, dass die Meisterschaft der Serie A regulär mit Chievo – Juventus beginnt. Wie viel ist das Leben wert, wie viel sind die unter einer eingestürzten Brücke zerissenen Herzen wert? Was ist der Schmerz der Familien, Kinder, Männer und Frauen wert? Nichts?“ Ferrero sagte dagegen: „Es ist richtig, dass auf den anderen Plätzen gespielt wird, das nimmt uns nichts von der Nähe, die uns ganz Italien gezeigt hat.“

          Die Welt schaut derzeit nach Italien – doch die Klub-Verantwortlichen hatten sich zum Saisonstart eigentlich eine andere Art der Aufmerksamkeit erhofft. Der ehemalige Juve-Spieler Christian Vieri bezeichnete den Transfer Ronaldos von Real Madrid zu Juve als „Lottogewinn“, der der italienischen Liga wieder mehr Beachtung aus dem Ausland schenken werde. Über die Serie A habe man zuletzt wenig gesprochen, weil die Superstars fehlten. Diese Zeit soll nun vorbei sein.

          Die „Gazzetta dello Sport“ sprach vom „verrücktesten Transfersommer seit vielen Jahren“. Nicht nur Juve, das mit dem 112 Millionen Euro teuren Rekordtransfer Ronaldo den achten Meistertitel in Serie anstrebt, griff tief in die Tasche. Die 20 Vereine der Serie A gaben nach Berechnungen des Portals transfermarkt.de noch vor Ablauf der Wechselperiode am Freitagabend mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler aus. In den vergangenen Jahren stiegen die Summen zwar stetig, bisher aber nicht über die Milliardengrenze.

          Turin verpflichtete neben Ronaldo auch den deutschen Nationalspieler Emre Can von Liverpool und João Cancelo von Inter Mailand. Leonardo Bonucci ist nach einer Saison beim AC Mailand ebenfalls zurück. Der Tabellenzweite SSC Neapel will in der kommenden Spielzeit mit dem früheren Bayern-Coach Carlo Ancelotti einen neuen Angriff auf den ersehnten dritten Scudetto seiner Geschichte starten. Unter Maurizio Sarri, den Club-Boss Aurelio de Laurentiis zum FC Chelsea ziehen ließ, begeisterte Napoli zwar mit Offensivfußball, für einen Titel reichte es aber nicht. Fast 30 Jahre nach dem letzten Meistertitel der Mannschaft um Club-Legende Diego Maradona weckt Ancelotti trotz einer enttäuschenden Vorbereitung bei den Fans große Träume.

          Während bei Napoli früherer Coach Ancelotti der prominenteste neue Name ist, rüsteten die Mailänder Clubs in diesem Sommer wie auch Juve wieder einmal auf. Milan holte Stürmer Gonzalo Higuaín aus Turin, Inter zahlte geschätzte 38 Millionen Euro Ablöse an AS Rom für Radja Nainggolan. Der Titelkampf der Serie A könnte daher nach der Juve-Dominanz der vergangenen Jahre wieder mehr Spannung bieten – und Italien zum Serie-A-Auftakt inmitten der Trauer um die Opfer von Genua zumindest wieder mal ein paar andere Schlagzeilen bescheren.

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