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Fußball-Debatte in Italien : „Ich will nicht zum Totengräber werden“

  • Aktualisiert am

Wann kann im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion wieder Fußball gespielt werden? Bild: AP

Italien ist eines der am stärksten betroffenen Länder in der Corona-Krise. Aber auch dort wird über den Neustart der Fußballliga debattiert. Und der Ton verschärft sich. Ein Klubpräsident spricht von „Wahnsinn“.

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          Italiens Fußball-Verbandspräsident Gabriele Gravina hat in seinem Kampf um einen Neustart der Serie A den Ton verschärft. „Es gibt zwei Philosophien: Einige denken, dass man den gesamten Sport stoppen muss. Die anderen meinen, dass mandie Saison fortsetzen sollte. Ich will nicht zum Totengräber des italienischen Fußballs werden. Ich habe die Pflicht, die Fußballwelt zu verteidigen“, sagte Gravina laut italienischen Medien.

          Der Sportmanager gab zu, dass er derzeit ein „Drama“ erlebe: „Wenn der Fußball nicht neu startet, wird dies gravierende negative Auswirkungen für seine Zukunft haben. Der Fußball muss wie jeder andere Wirtschaftssektor betrachtet werden, er generiert einen Umsatz von fünf Milliarden Euro“.

          Gravina äußerte die Hoffnung, dass sich bis Juni die Lage in Italien entspannt und dann die negativen Auswirkungen der Pandemie geringer ausfallen. Er habe der italienischen Regierung ein Protokoll mit Maßnahmen vorgelegt, die die Klubs zum Schutz ihrer Fußballspieler einhalten wollen. „Wir warten, dass dieses Protokoll genehmigt wird“, sagte Gravina. Italien ist mit über 23.000 Coronavirus-Todesopfer eines der weltweit am stärksten betroffenen Länder.

          Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza hofft derweil ebenso wie Gravina auf einen baldigen Neustart der Serie A, warnt aber vor voreiligen Entscheidungen. „Ich bin ein großer Fußballfan, doch mit mehr als 400 Todesopfern in Italien pro Tag ist Fußball ehrlich gesagt das letzte Problem, um das wir uns kümmern sollen. Das sage ich mit größtem Respekt. Ich liebe den Fußball, doch das Leben der Menschen hat Vorrang“, sagte der Minister im Interview mit „Radio Capital“ am Montag: „Italien hat heute andere Prioritäten. Wir arbeiten für eine Normalisierung des Alltags. Unsere Priorität ist es jetzt allerdings, Menschenleben zu retten“, sagte Speranza.

          Präsident Massimo Cellino von Brescia Calcio sprach sich zum wiederholten Mal strikt gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Serie A aus. „Ligachef De Siervo rief an und fragte mich, ob wir bereit seien, auf neutralem Rasen zu spielen“, sagte der 63-Jährige gegenüber der italienischen Sportzeitung „Tuttosport“. „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht bereit bin, irgendwo zu spielen. Die Saison muss hier enden, und wir können sicherlich nicht über den 30. Juni hinausgehen. Ich höre, dass von September oder Oktober geredet wird, es ist Wahnsinn“, so Cellino weiter.

          Der frühere Präsident von Leeds United und Cagliari Calcio war nach einem positiven Corona-Test drei Wochen in Quarantäne. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Tabellenletzte der Serie A eine Vereinsmitteilung herausgegeben, in der ausdrücklich ein Saisonabbruch gefordert wurde. Die lombardische Stadt Brescia ist zusammen mit Bergamo eines der von der Coronavirus-Pandemie am stärksten betroffenen Gebiete Italiens. In Italien ruht derzeit das gesamte öffentliche Leben.

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