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Fußball-Nationalmannschaft : Die Gala von Gnabry fasziniert nicht nur Löw

  • Aktualisiert am

Er trifft und trifft und trifft: Serge Gnabry ist derzeit in bestechender Form. Bild: Picture-Alliance

Elf Länderspiele und zehn Tore: Serge Gnabry beeindruckt nicht nur beim FC Bayern. Die Mitspieler in der Nationalelf sind begeistert. Über seine starke Vorstellung gegen Argentinien spricht er selbst aber nicht.

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          Bundestrainer Joachim Löw geriet ins Schwärmen, für Teamkollege Joshua Kimmich verkörpert er schon „absolute Weltklasse“: Nach seinem glanzvollen Auftritt prasselte von allen Seiten viel Lob auf Serge Gnabry ein – nur der Hauptdarsteller blieb bescheiden. Als einer der letzten deutschen Nationalspieler kam er aus der Kabine und eilte kommentarlos zum wartenden Mannschaftsbus.

          Fußball-Länderspiele

          Dafür hatte der 24-Jährige auf dem Rasen des Signal Iduna Parks beim 2:2 (2:0) im Duell der ehemaligen Weltmeister mit Argentinien eindrucksvoll Taten sprechen lassen. Sein technisch anspruchsvolles Führungstor war brillant, seine Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:0 von Kai Havertz millimetergenau. „Serge hat mich überragend gesehen. Dann war es nicht mehr so schwer, den Ball reinzudrücken“, sagte Havertz.

          Beeindruckt von der Gnabry-Gala war auch Löw. „Er ist ein wahnsinniges Tempo gegangen und hat unglaubliche Wege gemacht, ist überall aufgetaucht und war ständig brandgefährlich“, sagte der Bundestrainer: „Er hat die ganze Abwehr der Argentinier verunsichert.“ RTL-Experte Jürgen Klinsmann nannte Gnabrys Spiel „eine Augenweide“.

          Höhepunkt seines bärenstarken Auftritts in der ersten Halbzeit war der Treffer zum 1:0, als er mit seiner Ballmitnahme drei Gegenspieler auf engstem Raum vernaschte und sehenswert mit dem Außenrist sein zehntes Tor im elften Länderspiel erzielte. Seit der Wiedervereinigung hat kein Nationalspieler schneller zweistellig im DFB-Trikot getroffen. WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose benötigte für diese Marke 13 Spiele, DFB-Direktor Oliver Bierhoff 15. „Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so zielstrebig ist Richtung Tor“, stellte Ersatz-Kapitän Kimmich fest und schob anerkennend hinterher: „Für mich war er in unserem Jahrgang immer der beste Spieler.“

          Spätestens seit seinen vier Toren in der Champions League bei Tottenham Hotspur hat der Offensivspieler des deutschen Rekordmeisters Bayern München auch international auf sich aufmerksam gemacht. Löw gab ihm schon zuvor eine Einsatzgarantie (“Gnabry spielt immer“). Wie wichtig Gnabry inzwischen für den viermaligen Weltmeister ist, zeigte auch seine Auswechslung in der 72. Minute. Es sei von Vornherein klar gewesen, dass er ihn runternehme, so Löw: „Weil wir ihn noch brauchen.“

          Am Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation und bei RTL) sind Gnabrys Qualitäten in der EM-Qualifikation in Estland gefragt. Löw wird ihn in Tallinn wohl wieder zentral im Angriff, ausgestattet mit vielen Freiheiten, aufbieten. „Mir persönlich gefällt der Serge in der Mitte sehr, sehr gut. Da kann er noch mehr zeigen von seinen Qualitäten. Er hat ein sehr gutes Gespür, was die Mannschaft in den Momenten braucht und einen sehr guten Abschluss“, lobte Kimmich.

          Ein schlechtes Gespür wurde Gnabry (zu Unrecht) teils in den Sozialen Netzwerken unterstellt, weil er vor dem Anpfiff bei der Gedenkminute für die Opfer des Anschlags in Halle/Saale plötzlich schmunzelte. Der Hintergrund: Ein Fan stimmte während der Schweigeminute die deutsche Nationalhymne an, ein anderer brüllte für alle hörbar: „Halt die Fresse“ – und Gnabry grinste nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

          Marc-André ter Stegen konnte bei seinem Einsatz gegen Argentinien nicht die von ihm erhofften Fortschritte im Torwartduell mit Kapitän Manuel Neuer erzielen. Für den 27 Jahre alten Schlussmann der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war das 2:2 am Mittwochabend in Dortmund eine eher undankbare Partie. Trotzdem gab es nach dem 23. Länderspiel von ter Stegen eine positive Beurteilung von Bundestrainer Joachim Löw: „Seine Leistung bewerte ich gut. Die Tore waren nicht haltbar.“

          Ter Stegen hatte praktisch keine Möglichkeit, sich mit Paraden auszuzeichnen. Beim Pfostenknaller von Rodrigo de Paul in der ersten Hälfte war er im Glück. Die Gegentreffer des Leverkuseners Luca Alario und von Lucas Ocampos konnte er später nicht abwehren. „Das erste Tor war ein klasse Kopfball. Und beim zweiten war der Schuss noch ein bisschen abgefälscht von Emre Can“, erklärte Löw. „Ansonsten hat er das gehalten, was er halten musste.“ In der ersten Halbzeit habe ter Stegen zudem „sehr gut hinten raus gespielt“ und mit „sehr guten Pässen ins Mittelfeld“ das deutsche Offensivspiel angekurbelt. „Marcs Leistung war gut“, bekräftigte der Bundestrainer.

          Am Sonntag wird in der EM-Qualifikation in Tallinn gegen Estland wieder Bayern-Profi Neuer (33) im Tor der DFB-Auswahl stehen. Das hatte Löw schon vor dem Argentinien-Spiel festgelegt. Ter Stegen hatte vor dem ersten 90-Minuten-Einsatz in diesem Jahr im DFB-Team betont, dass er dem Bundestrainer „die Entscheidung“ über die Nummer 1 bei der EM-Endrunde 2020 „so schwer wie möglich“ machen wolle.

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