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Serbien : Der Gefühlsfußballer Pantelic

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Marko Pantelic: „Die Tore kommen, wenn es wichtig wird” Bild: AP

Marko Pantelic ist einer der Anführer der serbischen Elf. Mit ihr will er diesen Sonntag Ghana schlagen und am Freitag die Deutschen ärgern. Das Selbstbewusstsein des Stürmers ist enorm: „Ich werde von Jahr zu Jahr besser.“

          Marko Pantelic steigt lässig als letzter Spieler aus dem Bus und posiert, Lolli im Mund, iPod am Ohr, noch einmal Arm in Arm mit ein paar leidenschaftlichen Anhängern der serbischen Nationalelf. „Wir sind ein sehr emotionales Volk“, sagt Pantelic - und meint damit vor allem sich selbst. Weil er ein Mann ist, der seine Gefühle auslebt, haben sie den verführerischen Stürmer mit dem dunklen Langhaar, der ausladenden Gestik und der theatralischen Mimik bei Hertha BSC geliebt. Zumindest im Publikum, das den von 2005 bis 2009 für den Hauptstadtklub kickenden Serben ins Herz schloss.

          Pantelic, der Profi mit den weichen Gesichtszügen und der kalten Entschlossenheit vor dem Tor, wurde in Berlin außer bei seinem Trainer Lucien Favre zu einer Marke - und drängt nun nach einer erfolgreichen Saison bei Ajax Amsterdam zurück nach Deutschland. Wenn die Vorzeichen nicht trügen, könnte der einstige Kapitän von Roter Stern Belgrad demnächst dort eine neue sportliche Heimat finden, wo das Herz einer ganzen Region für den Fußball pocht.

          Schalke 04, der Tabellenzweite der abgelaufenen Bundesligasaison, buhlt um die Dienste des möglichen Nachfolgers von Kevin Kuranyi. Und Pantelic traut sich den Job des Mittelstürmers bei Schalke 04 so selbstverständlich zu, wie er auch seinen Serben bei der WM über die Gruppenphase hinaus mit Treffern und Pässen hilfreich zur Seite stehen will. „Überall, wo ich spielte, hatte meine Mannschaft und am Ende auch ich Erfolg“, sagt er im Brustton der Überzeugung.

          Treffsicherer Angreifer: „Ich werde von Jahr zu Jahr besser”, sagt Marko Pantelic

          „Unsere Gruppe ist wie eine Familie“

          Fürs Erste aber geht es ihm nur um das patriotische Gefühl, seinem Land einen Dienst tun zu dürfen. Nach den Jahren des Vielvölkerstaates Jugoslawien und dem am Ende nicht mehr tragfähigen Politikerkonstrukt Serbien-Montenegro spielen die Serben erstmals bei einer WM für sich. „Das“, sagt Pantelic, „ist ganz klar ein Vorteil, denn nun sind wir unter uns. Wir wissen alle, was es bedeutet, für unser Land zu spielen.“ Früher, als das Gesetz des Proporzes und der Streit unter den verschiedenen Nationalitäten auf dem Balkan auch im Fußball alltäglich war, hätten „zu viele Eigeninteressen“ dem großen Ganzen geschadet. Und so konnten die vielen Ballkünstler aus Serbien, Kroatien, Bosnien, Slowenien oder Mazedonien ihre Klasse im Ensemble nur selten ausspielen. Heute hat Trainer Radomir Antic eine Mannschaft geformt, über die Pantelic sagt: „Unsere Gruppe ist wie eine Familie.“

          Mit dieser Familie, die zwischen Jugend und Erfahrung gut ausbalanciert scheint, will sich Serbien in der WM-Gruppe D zunächst an diesem Sonntag (16 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) gegen Ghana durchsetzen und dann auch die deutsche Nationalelf besiegen, wenn es am 18. Juni in Port Elizabeth zum Duell der beiden vermeintlich stärksten Teams der Gruppe kommt. Pantelic, der nicht nur ein Gefühlsfußballer ist, was sich in seiner Vorliebe für höchst riskante Außenristschüsse zeigt, offenbart beim Blick auf den großen Gegner auch Mitgefühl. „Ich finde es sehr schade, dass Michael Ballack verletzt ist und bei der WM nicht mitspielen kann. Er ist die Persönlichkeit im deutschen Spiel und ein großartiger Profi.“ Doch auch ohne Ballack habe Deutschland „eine starke Mannschaft, die wir nur mit hundertprozentiger Konzentration besiegen können“.

          „Ich werde von Jahr zu Jahr besser“

          Daran hat es Serbien-Montenegro, das vor der WM 2006 noch einen starken Eindruck machte, vor vier Jahren gefehlt. Drei herbe Niederlagen und ein rasches Ausscheiden waren die Folge. Nun aber wollen die Ober-Serben Pantelic, Kapitän Dejan Stankovic und Abwehrchef Nemanja Vidic im Verbund mit ihren jungen Weggefährten den Stolz auf ihr Land mit Taten untermauern. Dass die Tests gegen Neuseeland (0:1) und Polen (0:0) nicht zufriedenstellendend verliefen, nimmt einer wie Pantelic gelassen. „Die Tore kommen, wenn es wichtig wird“, sagt er voraus.

          In eigener Sache gilt der 31 Jahre alte Angreifer als absolut zuverlässig. So hat er zuletzt für Ajax 16 Treffer in 25 Spielen erzielt und dazu neun Torvorlagen geliefert. „Ich werde von Jahr zu Jahr besser“, sagt Pantelic, der sich noch nie über einen Mangel an Selbstbewusstsein beklagt hat. Schlechter geworden ist er in Amsterdam jedenfalls nicht - ob das gut genug sein wird, um den Deutschen bei der WM einen Schrecken einzujagen, muss Marko Pantelic aber erst noch beweisen.

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