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Ärger mit dem Nachfolger : Blatter will Fifa-Präsident Infantino verklagen

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„Eine Frage des Respekts“: Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter (Bild) kritisiert seinen Nachfolger Gianni Infantino. Bild: AFP

Kurz vor der wahrscheinlichen Wiederwahl von Fifa-Präsident Gianni Infantino übt sein Vorgänger scharfe Kritik. Joseph Blatter will sogar juristische Schritt ergreifen. Schlechte Nachrichten gibt es auch für den deutschen Fußball.

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          Der frühere Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hat angekündigt, seinen Nachfolger Gianni Infantino bis Monatsende verklagen zu wollen. Ihm gehe es um seine Integrität, sagte Blatter der französischen Nachrichtenagentur AFP, „die Integrität einer Person, die 41 Jahre lang der Fifa gedient hat“. Zudem dränge er auf die Rückgabe persönlicher Gegenstände, dies sei „eine Frage des Respekts“.

          Der 83 Jahre alte Blatter wirft Infantino und der Fifa unter anderem vor, ihm sei ein moralischer Schaden entstanden, nachdem der Verband im Juni 2016 eine Liste mit angeblichen Zahlungen, die Blatter und andere Fifa-Spitzenfunktionäre erhalten hätten, veröffentlicht hatte. Infantino und die heutige Fifa-Führung sollten „zugeben, dass sie mir übel nachgeredet haben, mir und meiner Familie, meinem gesamten Umfeld, indem sie gesagt haben, dass dieser Typ die Fifa ausgenutzt hat“, sagte der  Schweizer. Zuletzt war auch der Vorwurf laut geworden, Blatter habe nach der WM 2014 in Brasilien eine Bonuszahlung von zwölf Millionen Franken (10,5 Millionen Euro) erhalten. Zudem gehe es ihm um falsche Behauptungen bezüglich seiner Person.

          Blatter ließ derweil wieder kein gutes Haar an seinem Landsmann. Er vermisse bei Infantino vor allem die versprochene Transparenz, so Blatter. „Wir haben das bei den 48 WM-Teilnehmern gesehen. Wo war da die Transparenz? Und man wird das auch beim Fifa-Kongress sehen, wenn es um das berühmte 20-Milliarden-Angebot geht. Er hat nie erklärt, wo das herkommt. Transparenz? Sicherlich nicht“, sagte Blatter. Infantino soll ein Angebot vorliegen, bei dem es vor allem um eine neue Weltliga für Nationalteams sowie eine auf 24 Mannschaften erweiterte Klub-WM geht.

          Blatter hatte die Fifa von 1998 bis 2016 geführt. Am Ende war er unter anderem über eine Zahlung von zwei Millionen Franken (1,75 Millionen Euro) an seinen früheren Assistenten und späteren Uefa-Chef Michel Platini gestolpert. Der Schweizer wittert nach wie vor eine Verschwörung gegen seine Person. Als Drahtzieher dieses Komplotts vermutet er Platinis ehemaligen Uefa-Generalsekretär Infantino.

          Der deutsche Fußball hat unterdessen für noch mindestens neun Monate keine Stimme in der „Regierung des Weltfußballs“: Das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (Uefa) berief am Mittwoch in Baku den Franzosen Noel Le Graet als Ersatzmann für den früheren DFB-Präsidenten Reinhard Grindel ins Council des Weltverbands Fifa. Die Entscheidung gilt zunächst bis zum Uefa Kongress am 3. März 2020 in Amsterdam. Der 77 Jahre Le Graet, der nicht im Uefa-Exekutivkomitee sitzt, ist seit 2011 Präsident seines Heimatverbandes und gilt als gut vernetzt. Ob er in Amsterdam eine Kandidatur gegen einen DFB Kandidaten anstreben würde, ist offen. Eine Altersgrenze gibt es nicht.

          Erst dann könnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wieder einen Kandidaten zur Wahl aufstellen. Dieser ist allerdings noch nicht in Sicht – eine (Personal-)Entscheidung wird wohl erst nach der Kür des neuen DFB-Chefs im September fallen. Eine „Zwischenlösung“ beispielsweise mit einem der beiden Interimspräsidenten Rainer Koch oder Reinhard Rauball wurde offenbar nicht angestrebt. Die „Auszeit“ im Fifa-Council dürfte der DFB dennoch nutzen, um die Beziehungen zur Fifa wieder zu normalisieren. Grindel galt als einer der ärgsten Widersacher von Fifa-Präsident Infantino, der beim Fifa-Kongress in der kommenden Woche in Paris im Amt bestätigt werden wird. Zuletzt war der Schweizer zu Gast beim DFB-Pokalfinale in Berlin, er traf sich dort auch mit der aktuellen DFB-Spitze.

          Noel Le Graet ist Nachfolger von Reinhard Grindel im Fifa-Council.

          Grindel hatte alle seine Ämter im Zuge der „Uhren-Affäre“ niedergelegt, in der Uefa war der 57-Jährige sogar Vizepräsident. Diesen Posten übernimmt der Spanier Luis Rubiales, verkündete Uefa Boss Aleksander Ceferin im luxuriösen Hilton Hotel der  aserbaidschanischen Hauptstadt. Grindels Nachfolger im Uefa-Exekutivkomitee wird erst in Amsterdam gewählt. Die Entscheidung für den Fifa-Posten war am Tag des Europa-League-Finales zunächst dringlicher. Im Weltverband nimmt die Uefa fast schon traditionell die Rolle der Opposition ein. Im Council, das in der kommenden Woche in Paris zusammenkommt, stehen  dem Europa-Verband insgesamt neun Sitze zu, die nun alle wieder besetzt sind.

          Innerhalb der Uefa soll in absehbarer Zeit eine „Elefantenrunde“ einberufen werden, um für mehr Klarheit in der hitzig geführten Diskussion über die Reform der Europapokal-Wettbewerbe zu sorgen.  „Wir planen eine mögliche Sitzung des Exekutivkomitees zusammen mit Vertretern der Ligen, Klubs und der Klubvereinigung ECA“, sagte Ceferin: „Ich weiß aber nicht, ob es noch im Juni passiert oder später.“ Der Vorschlag der ECA, der mehr oder weniger eine geschlossene Champions League für die Topklubs vorsieht, war in den vergangenen Wochen auf massive Kritik gestoßen. Auch die Bundesliga-Klubs lehnen diese Pläne ab. „Im Moment passiert gar nichts“ sagte Ceferin: „Die Dinge werden sich ändern, oder nicht, oder anders, als der bisherige Vorschlag vorsieht. Es gibt auch noch  andere Ideen.“

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