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Anekdoten über Sepp Blatter : Grillen mit dem Herrscher von gestern

  • -Aktualisiert am

Und es sollte nicht sein: Sepp Blatter hat kein einziges Länderspiel für die Schweiz bestritten. Bild: AFP

Die Corona-Pause des Sports treibt uns zum Bücherregal. Was sich dort für Schätze finden! Zum Beispiel ein Werk über den früheren Fifa-Boss Sepp Blatter. Darin zu lesen ist auch eine unerhörte Anekdote.

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          Und? Auch schon ins heimische Bücherregal geschaut diese Woche? Interessant, was sich im Laufe eines Lebens rund um den Sport dort ansammelt. Schon der erste Griff ins Verstaubte brachte ein wahres Fossil zutage: den Sport-Brockhaus, 4. neu bearbeitete Auflage aus dem Jahr 1984. Den brauchte damals, wer mitreden wollte. Heute sagt man: Warte, ich google das mal eben. Damals sagte man: Warte, ich schlage das mal nach. Die Seiten haben den Gilb, aber das Gedächtnis wird mit dem Blättern von Seite zu Seite frischer.

          Wer damals zum Beispiel noch alles lebte: Johan Cruyff, ein blutjunger, drahtiger Typ auf dem Schwarzweißfoto. Jupp Derwall. Muhammad Ali. Der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR. Der italienische Radrennfahrer Felice Gimondi, der 1965 mit 22 Jahren die Tour de France gewann, trägt auf seinem Foto ein altmodisches Stoffkäppchen, wie sie im Radsport einst üblich waren. Unter R plötzlich ein smart aussehender Typ namens Gaston Roelants aus Belgien, Olympiasieger 1964 in Tokio (!) über 3000 Meter Hindernis. Er lebt übrigens noch und wurde inzwischen in den Adelsstand erhoben, wie ein Blick ins Internet ergab.

          Bei den neueren Exemplaren fanden wir ein Buch mit einem heroisch blickenden alten Herrn auf dem Titelbild. Es ist Sepp Blatter, der Mann aus dem Wallis, der eine halbe Ewigkeit maßgeblich in einem Fußball-Weltverband wirkte, in dem sich eine Menge Leute den Hosensack vollstopften, wie man das in seiner Schweizer Heimat zu sagen pflegt. Der Autor des 2015 erschienenen Bandes, Blatters Wegbegleiter Thomas Renggli, „garantiert nicht für eine unvoreingenommene Sichtweise“, wie es da heißt, und es wird dann auch sehr beschaulich.

          Da wird erzählt, wie sich Blatter in einem Altherren-Klub von Rentnern im Alter von 91 bis 96 Jahren fröhlich zum Thema Qatar und Korruption grillen ließ. Und wie sehr es ihn lange wurmte, dass in seiner persönlichen Statistik als Fußballspieler kein einziges Länderspiel auftaucht. Darum bat er seinen Freund, den legendären Köbi Kuhn, ihn einmal für die Nati aufzustellen. Er wolle auch nur auf der Bank sitzen und nicht mitspielen. Köbi trainierte das Schweizer Nationalteam übrigens von 2001 bis 2008. Damals war Blatter 65 bis 72 Jahre alt. Köbi Kuhn lehnte glücklicherweise ab. Aber ist doch unerhört!

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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