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Joseph Blatter : Es war abgesprochen, Wladimirowitsch!

„Wladimir Wladimirowitsch ist ein guter Freund von Joseph Josephowitsch“, sagt Joseph Blatter (links) über Wladimir Putin. Bild: dpa

Nicht erst seit den DFB-Märchenstunden dämmert es uns, dass WM-Vergaben nach anderen Überzeugungsschemata ablaufen als Klassensprecherwahlen. Nun spricht Joseph Blatter darüber in einem bemerkenswerten Interview.

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          Ein Freund, ein guter Freund, na, Sie wissen schon: das Schönste, was es gibt auf der Welt. Stimmt ja: Es gibt im wahren Leben – und wer wollte dieser Tage noch ernsthaft bestreiten, dass der Fußball nichts anderes ist als ein pures Destillat des wahren Lebens? – nichts Wichtigeres als gute Freunde. Und deshalb darf man froh sein, dass zwei Menschen auf unserem blauen Planeten, bei denen man Angst haben musste, dass sie nicht eben gesegnet sind mit guten Freundschaften, einander haben.

          „Wladimir Wladimirowitsch ist ein guter Freund von Joseph Josephowitsch“, hat der Walliser Joseph Blatter in einem durch und durch bemerkenswerten Interview der russischen Nachrichtenagentur Tass erzählt. Und wie der derzeit suspendierte Präsident des Internationalen Fußballverbands in seiner Hybris („Die Art meiner Sperre verstößt gegen die Menschenrechte“) so daherplauderte über sein Verhältnis zum Kreml-Herrn Putin („Ich unterstütze ihn in allen Lagen und bei allen Entscheidungen“) und die Vorbereitungen auf die kommende WM („Ihr seid nicht gut“, erzählte Blatter den russischen Journalisten, „Ihr seid die Besten“), verriet Blatter, wie das damals lief, bevor die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 vergeben wurden.

          „Es war vereinbart, dass Russland die WM bekommt, weil wir noch nie in Osteuropa waren, und dass wir 2022 nach Amerika gehen würden. Weltmeisterschaften bei den zwei Weltmächten. Es war alles gut, bis Sarkozy ein Treffen mit dem heutigen Emir von Qatar hatte und Herrn Platini hinterher beim Mittagessen erzählte, es wäre gut, nach Qatar zu gehen. Das hat alles verändert.“

          Ja, da schau her! Nicht erst seit den Märchenstunden der Herren des Deutschen Fußball-Bundes dämmert es uns, dass Weltmeisterschaftsvergaben nach anderen Überzeugungsschemata funktionieren als Klassensprecherwahlen. Seit Jahren versuchen Journalisten und Strafermittler mit Blick auf die bevorstehenden Weltturniere nachzuweisen, dass es bei der Vergabe nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

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          Und jetzt das – der offenkundig von seinem Sturz schwer getroffene Blatter erzählt, wie es denn tatsächlich gewesen sein soll: alles eine Frage der Absprache. Ein Grund, den Russen die WM wieder wegzunehmen, wie es die damals leer ausgegangenen Engländer fordern? Natürlich nicht. „Schlechte Verlierer“ seien das, erzählte Blatter den Reportern der Tass, „keiner wollte sie“. Kein Grund zur Aufregung also.

          Ist der Walliser, der seinen Sturz übrigens zu guten Teilen den Parlamentariern des Europaparlaments zuschreibt („Wer war in die Attacken involviert? Die Politik. Die Europäische Union. Sie haben Resolutionen verabschiedet. Zweimal.“), womöglich ein wenig entrückt? Keinesfalls, im Gegenteil. Seinem Nachfolger gibt Joseph Josephowitsch einen guten Ratschlag: „Vergiss nicht, dass die Fifa die wertvollste Institution der Welt ist.“

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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