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Ex-Fußballprofis in Nöten : Gefallene Helden

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Um bei der Frage, „was tun?“, Hilfestellung zu leisten, beschäftigt die Spieler-Gewerkschaft Frank Günzel, einen Laufbahncoach, der seine Klientel individuell berät. Günzel und Baranowsky begegnen immer wieder Spielern, die für sich nur eine Zukunft im Fußball sehen. Mit „neunzig Prozent“ beziffert der VdV-Geschäftsführer die Zahl derjenigen Profis, die später Trainer oder Sportdirektor werden wollen. Eine unter Konkurrenzgesichtspunkten riskante Planung bei gerade mal 56 Klubs, die in den drei Profiligen versammelt sind.

Wo ist es geblieben? Brehme auf Glückssuche

Besser dran als diejenigen, die alles auf die Karte Fußball setzen, sind oft genug jene Profis, die sich für eine ganz andere zweite Laufbahn entscheiden und dafür die Zäsur wagen. Zum Beispiel Knut Reinhardt, der 1997 mit Borussia Dortmund die Champions League gewann und sich danach für ein Lehramtsstudium entschied. „Ich bin heute superglücklich“, sagt Reinhardt, der Grundschullehrer im Dortmunder Norden ist und nebenbei Trainer der „U12“ des Hombrucher SV. Einen vergleichbaren Weg hat auch Tobias Rau, siebenmaliger Nationalspieler wie Reinhardt, eingeschlagen. Der frühere Linksverteidiger des VfL Wolfsburg, des FC Bayern München und des DSC Arminia Bielefeld studiert an der Bielefelder Universität Sport, Pädagogik und Chemie. Fußball spielt er auch noch – beim Kreisklassenklub TV Neuenkirchen. Auch dem bodenständigen Rau ist der Abschied vom Showbetrieb Bundesliga nicht allzu schwergefallen. Der Allgäuer Karl-Heinz Riedle, der 1990 gemeinsam mit Andreas Brehme Weltmeister wurde, ist dem Fußball zwar stets verbunden geblieben, wovon schon seine Fußballschule in Oberstaufen zeugt, doch in erster Linie ist der ehemalige Spitzenstürmer von Werder Bremen, Borussia Dortmund, Lazio Rom und dem FC Liverpool Hotelier in seinem Heimatort. Riedle, der 1997 zum Champions-League-Triumph des BVB beim 3:1 über Juventus Turin zwei Treffer beisteuerte, will als Gastgeber nicht ständig in Erinnerungen schwelgen.

Und deshalb sagt er: „Morgens durch den Frühstücksraum zu stolzieren und mit den Gästen über alte Fußballzeiten zu plaudern kommt für mich nicht in Frage.“

Die Fähigkeit sich von Gestern lösen zu können

Die Fähigkeit, sich vom Gestern lösen zu können und den eigenen Lebensstil den Notwendigkeiten von heute anzupassen, fehlt zuzeiten gerade besonders renommierten Profis, die den Unterschied zwischen Schein und Sein auch schon mal ignorieren. „Viele leben auch zehn Jahre nach ihrer Karriere gedanklich in der Profiwelt“, sagt Baranowsky, „machen keinen Cut und haben keine Ausrichtung nach vorn.“ Das kann zum existentiellen Problem werden, wenn dem Publikum der alte Luxus trotz veränderter Kassenlage vorgegaukelt werden soll und damit Zahlungsverpflichtungen einhergehen, die auf Dauer nicht einzulösen sind.

Den richtigen Umgang mit dem Geld zu erlernen und sich nicht über Gebühr von der Zockerleidenschaft anstecken zu lassen ist auch eine Aufgabe, der sich die VdV verpflichtet sieht. Sie ist 1987 auch gegründet worden, um Spieler vor desaströsen Investitionen zu bewahren. Damals standen eine Reihe von Profis mit leeren Händen und einem Haufen Schulden da, die sich für die seinerzeit angepriesenen und angeblich hohen Gewinn verheißenden Bauherrenmodelle begeistern ließen. Baranowsky sieht auch für die heutige Spielergeneration Gefahren und warnt: „Man ist in dem Alter geschäftlich unerfahren.

Darum ist es unsere Aufgabe zu sagen, halte deinen Lebensstil auf einem möglichst erträglichen Niveau, aber habe immer eine langfristige Perspektive und verplane nur das, was du sicher hast. Und lass dich vor allem nicht locken von total unrealistischen Renditeversprechungen und Steuersparmodellen.“ Ein Aufruf, der auch so gemeint ist, dass sich die Fußballprofis dem Rat seriöser Finanzprofis anvertrauen sollen, die ihnen auch die nicht immer einfach zu entschlüsselnde Finanzsprache verständlich übersetzen können.

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