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Sean Dundee im Gespräch : „Hoffentlich passiert nichts ...“

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„Ich war schon als Kind Deutschland-Fan”: Sean Dundee wurde 1997 auch Staatsbürger Bild: picture-alliance / dpa

Große Vorfreude, teure Tickets, leise Sorgen: Sean Dundee glaubt an ein erfolgreiches Turnier in seiner Heimat - allerdings mit kleinen Einschränkungen. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Booooooth, Desinteresse in Durban und die Schönheit Südafrikas.

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          Der WM-Gastgeber Südafrika kommt einfach nicht zur Ruhe - das ist zumindest der Eindruck aus der Ferne. Die hohe Kriminalität und organisatorische Probleme bei der Vorbereitung des Turniers lassen manchen Beobachter ohnehin schon seit längerem eine freudlose WM befürchten. Im Land selbst fällt die Wahrnehmung oft ganz anders aus: herzlich, bunt, zuversichtlich. So, wie man sich die erste WM in Afrika eben auch vorstellen kann.

          Einer, der die Lage gut beurteilen kann, ist Sean Dundee. 1992, im Alter von 19 Jahren, verließ der heute 37-Jährige seine südafrikanische Heimat, um sich als Fußballprofi in Europa durchzusetzen. Nach Stationen in Stuttgart und Kitzingen wechselte er 1995 zum Karlsruher SC. Dort gelangen ihm in seiner ersten Bundesligasaison 16 Tore, in der zweiten 17.

          Der damalige Bundestrainer Berti Vogts machte „Crocodile Dundee“ daraufhin Avancen, es doch im Trikot mit dem Adler zu probieren. Anfang 1997 wurde Dundee eingebürgert, doch kurz vor seinem ersten Einsatz verletzte er sich - eine zweite Chance gab es nicht. Dundee suchte sein Glück später in Liverpool, Stuttgart, Wien und Offenbach, doch die frühen Karlsruher Jahre blieben seine besten. 2009 beendete er nach einem Jahr beim AmaZulu FC in Durban seine Karriere.

          Deutscher mit allen Pflichten und Rechten: Dundee  bei der Bundeswehr
          Deutscher mit allen Pflichten und Rechten: Dundee bei der Bundeswehr : Bild: picture-alliance / dpa

          Aufgewachsen ist Dundee in einem Viertel in Durban namens „The Bluff“. „We're ruff, we're tuff, we're from The Bluff“ - der Spruch geht ihm noch heute gut von den Lippen. Die wilden Zeiten hat Dundee jedoch hinter sich. Mit seiner deutschen Freundin und zwei Kindern pflegt er ein ruhiges Familienleben in Durban und arbeitet gelegentlich als Experte für den südafrikanischen Fernsehsender SuperSport. Nach der WM wollen die Dundees wieder nach Deutschland - auch der Sicherheit und der besseren Perspektive für die Kinder wegen.

          Muss man sich Sorgen machen, dass es nach dem Mord an Terreblanche zu neuen Unruhen in Südafrika kommt - auch während der WM?

          Es ist eine schwierige Situation. Man sieht schon, dass die Vergangenheit noch nicht vergessen ist, dass nicht alles geheilt ist. Ich glaube aber nicht, dass das für die Fans beunruhigend ist, die zur WM kommen. Ich hoffe, dass sich alles beruhigt.

          Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, hat vor ein paar Monaten gesagt, es sei der größte Fehler gewesen, die WM nach Südafrika zu geben ... 

          Das habe ich auch gehört. Es gab auch einen in der englischen Liga, der solche Sprüche losgelassen hat. Klar wird es nicht wie in Deutschland vor vier Jahren. Aber alle, die hierherkommen, werden hinterher sagen: Das war etwas, was man wahrscheinlich nie wieder erleben wird.

          Wie ist die Stimmung im Land? Fiebern die Menschen der WM schon entgegen?

          Man merkt, langsam kommen die Leute drauf, alle wollen dabei sein. Selbst die Rugby-Spieler machen zurzeit im Fernsehen für die Fußballer Werbung. Vor zwei Monaten war es noch sehr zurückhaltend, da waren Cricket und Rugby viel wichtiger. Dass es in Durban zwei Fußball-Mannschaften in der ersten Liga gibt, hat überhaupt keinen interessiert. Oder wenn Bafana, das Nationalteam, hier gespielt hat - das hat nicht viele interessiert.

          Aber Fußball gilt doch auch in Südafrika als Zuschauersport Nummer eins?

          Mag sein, dass die Leute Fußballfans sind, aber sie gehen normalerweise nicht ins Stadion. Obwohl die Karten ziemlich billig sind. Für die Topmannschaften kosten die Tickets 50 Rand, vier bis fünf Euro, das ist wenig, auch für die Leute hier. Bei unseren Spielen mit AmaZulu kamen vielleicht 4000 oder 5000 Zuschauer ins Stadion.

          Was ist das für ein Publikum bei den Spielen?

          Es sind viel mehr Schwarze. Wir haben letztes Jahr in einem kleinen Stadion in einem Township gespielt, eine richtig schwarze Gegend. Es war ziemlich viel Polizei da, damit es sicherer wird. Mein Vater, meine Mutter, meine Freundin sind gekommen - weil es meine Familie ist. Sonst würde keiner gehen.

          Wie wird es für Touristen bei der WM sein?

          Südafrika ist vielleicht nicht so sicher wie Deutschland, aber es gibt viel zu sehen: Es ist einfach ein schönes Land mit viel Natur. In den Stadien wird es auch okay sein. Aber was die Leute außerhalb der Spiele machen, wo sie danach oder vorher hingehen . . . Ich würde jedenfalls nicht dazu raten, abends alleine durch die Stadt zu gehen.

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