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Ärger um Fußballstar : Brasilien und die Affäre Neymar

  • -Aktualisiert am

Neymar sorgt abseits des Fußballplatzes für einigen Ärger. Bild: AFP

Vor Beginn der Copa America in Brasilien gibt es schwere Vorwürfe gegen Neymar. Die Geschehnisse um eine Frau reihen sich ein in eine Serie von Ereignissen, die den Fußballstar in keinem positiven Licht erscheinen lassen.

          Eigentlich soll sie eine große Versöhnungsparty werden, die Copa America. Fünf Jahre nach dem Trauma der WM von 2014 schickt sich Brasilien an, seine Rolle als Supermacht des südamerikanischen Fußballs zurückzuerobern. Die hatte nach den Triumphen 2015 und 2016 zuletzt Chile beim ältesten Nationenturnier der Welt inne. Doch knapp zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel in São Paulo gegen Bolivien (14. Juni) bestimmt wieder einmal Superstar Neymar die Schlagzeilen. Und diesmal könnte es eng werden für den Stürmer von Paris St. Germain.

          Eine Frau hat Neymar bei der Polizei in São Paulo wegen Vergewaltigung angezeigt. Das Verbrechen soll der 27 Jahre Angreifer in Paris begangen haben. Das mutmaßliche Opfer, das ebenfalls aus Brasilien stammt, ließ Neymar einfliegen. Die beiden hätten sich auf Instagram kennengelernt. Laut brasilianischen Medienberichten heißt es in den Polizeiunterlagen, dass Neymar bei dem Treffen am 15. Mai betrunken gewirkt habe. Neymar sei aggressiv geworden und habe sie mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen, behauptet die Frau. Sie sagte gegenüber der Polizei, Paris zwei Tage später verlassen zu haben, weil sie wegen der Erlebnisse „emotional erschüttert“ gewesen sei. Sie habe erst wieder in ihrer Heimat die Polizei aufgesucht, weil sie in einem für sie ausländischen Land keine Anzeige habe erstatten wollen.

          Neymar wies diese Darstellung vehement zurück. „Was an dem Tag passiert ist, war eine Beziehung zwischen Mann und Frau, in den privaten vier Wänden, etwas, was mit jedem Paar passiert“, sagte Neymar in einem Instagram-Video, in dem er zudem den Chat-Verlauf mit der Frau veröffentlichte. Damit machte Neymar die sozialen Netzwerke zum öffentlichen Gerichtssaal über den Vorfall. Er präsentierte seine „Entlastungsbeweise“ allerdings offenbar ohne Zustimmung und Einverständnis der Frau. Inzwischen haben sich allein bei Facebook mehr als zwölf Millionen Menschen die Video-Erklärung Neymars angesehen. Bislang dominieren in der brasilianischen Öffentlichkeit die Aussagen Neymars den Meinungsbildungsprozess. Die Gegenseite ging bislang nicht an die Öffentlichkeit.

          Vor dem Treffen in Paris hatten sich beide Nachrichten via WhatsApp geschickt, die Frau soll freizügige Fotos von sich gemailt haben. Ob diese von Neymar nachträglich bearbeiteten Bilder authentisch sind, muss nun die Polizei klären. Er ließ intime Körperstellen als auch das Gesicht der Frau unkenntlich machen. Neymar wiederum spricht von einer Falle und einem möglichen Erpressungsversuch. Es gehe der Gegenseite darum, eine hohe Geldsumme einzufordern. Die Aufklärung der Vergewaltigungsvorwürfe ist Aufgabe der zuständigen Behörde für Sexualdelikte, auch die Polizei in Paris dürfte sich noch für den Vorfall interessieren.

          Die Veröffentlichung privater Botschaften und Fotos, die nur für Neymar bestimmt waren, wird sicher noch die auf Medienrecht spezialisierten Anwälte beschäftigen. Und auch die Polizei: „Ich werde ein Verfahren eröffnen, dabei Videos und Nachrichten einsammeln und zunächst auch versuchen, Neymar anzuhören, sowie sein Handy vorübergehend beschlagnahmen, um die Dinge anzusehen, bevor sie bearbeitet und ins Internet gestellt wurden“, kündigte Pablo Sartori an, Kommissar in der für Cyberkriminalität zuständigen Polizeidienststelle in Rio.

          Die Geschehnisse reihen sich ein in eine Serie von Ereignissen, die Neymar in keinem positiven Licht erscheinen lassen. Zum Trainingslager der „Seleção“ vor den Toren Rio de Janeiros ließ sich Neymar spektakulär mit einem Hubschrauber einfliegen. Wenige Tage zuvor hatte sich der Stürmer nach dem verlorenen französischen Pokalfinale gegen Stade Rennes auf der Tribüne zu einer Tätlichkeit gegen einen Fan hinreißen lassen, der ihn beleidigt hatte. Der französische Fußballverband FFF sperrte Neymar daraufhin für drei Spiele. Zwar stellten sich einige Fußballprofis hinter Neymar und verwiesen auf die Provokation. Grundsätzlich wirkt der Star wie ein aufbrausend agierender Menschen, der sich selbst nicht immer im Griff hat.

          Zum Auftakt des Trainingslagers hatte Nationaltrainer Tite Neymar bereits die Kapitänsbinde entzogen und das Amt Dani Alves übertragen. Der 36 Jahre alte Außenverteidiger soll die Selecao zum ersten Copa-Titel seit 2007 führen. Alves spielt wie Neymar bei Paris Saint Germain. Offenbar ist Tite nicht mehr bereit, Neymars Eskapaden einfach so hinzunehmen. Die Affäre könnte zum Problem in der Turniervorbereitung werden. Die Ermittlungen werden das gesamte öffentliche Interesse auf sich ziehen.

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