https://www.faz.net/-gtl-a1d6x

Super League droht Chaos : „Irrsinn“ in der Schweiz

  • Aktualisiert am

Trainer beim FC Zürich: Ludovic Magnin Bild: dpa

Im Schweizer Fußball herrscht der Ausnahmezustand. Erstligaklub FC Zürich meldet zehn Corona-Fälle – und es droht sogar noch Schlimmeres, auch weil nicht regelmäßig getestet wurde. Die Aufregung ist groß.

          2 Min.

          Es hätte alles so schön werden können. In der Schweizer Super League geht es seit dem Wiederbeginn nach der Corona-Pause höchst spannend zu im Kampf um den Titel und die Plätze im Europapokal, mittlerweile sind auch wieder 1000 Zuschauer erlaubt. Und jetzt das: „Corona-Irrsinn im Schweizer Fußball“, schreibt das Boulevardblatt Blick, die Neue Zürcher Zeitung fragt besorgt: „Corona-Fälle beim FC Zürich und bei GC – droht nun sogar der Abbruch der Saison?“

          Tatsache ist: Beim Erstligaverein FC Zürich sind mittlerweile zehn Corona-Fälle bekannt. Sechs Spieler sowie drei Betreuer und seit Sonntag auch noch Präsident Ancillo Canepa befinden sich auf Anweisung der Zürcher Kantonsärztin bis 17. Juli in einer zehntägigen Quarantäne. Das Spiel gegen den FC Sion am vergangenen Samstag wurde abgesagt, die Begegnung am Dienstag beim Tabellendritten FC Basel aber fand statt und ging mit 0:4 verloren.

          „Was hat das für einen Wert?“

          In Basel und am Samstag gegen den zweitplazierten Vorjahresmeister Young Boys Bern müssen und werden die Zürcher allerdings ihre U 21 antreten lassen. Was die NZZ zur Frage veranlasste: „Was hat diese Meisterschaft noch für einen Wert, wenn die Liga eine solche Wettbewerbsverzerrung zulässt?“. Präsident Canepa entgegnete dazu: „Wenn wir dadurch sicherstellen können, dass die Meisterschaft zu Ende gespielt werden kann, ist dies im Interesse aller Super-League-Vereine.“

          Der Montag war erst der sechste Tag der Quarantäne für die erste Mannschaft des FCZ – die Zeit aber drängte, denn: Bis zum 2. August müssen noch sechs Spieltage absolviert werden in der Super League, am 3. August will dann die Uefa wissen, wer die Schweizer Teilnehmer am Europacup sind. Den Platz des noch nicht ermittelten Pokalsiegers erhält diesmal der Vierte der Liga. Der Pokal selbst wird ab dem Viertelfinale erst ab 5./6. August innerhalb von einer Woche ausgespielt.

          Das Virus beim FC Zürich verbreitete sich allem Anschein nach auf der Busfahrt zu Xamax Neuchatel und zurück am 7. Juli. An Bord war dabei auch Präsident Canepa. Trainer Ludovic Magnin, einst Spieler unter anderem bei Werder Bremen und beim VfB Stuttgart, versichert freilich, es hätten sich alle an die Hygienevorschriften gehalten und keineswegs „fahrlässig“ gehandelt. Verteidiger Mirlind Kryeziu, der als Patient Null verdächtigt wird, wurde erst am 10. Juli positiv getestet und umgehend in Quarantäne geschickt.*

          Entstehen konnte das Chaos, weil die Super League im Gegensatz zur Bundesliga seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs Mitte Juni keine regelmäßigen Corona-Tests durchführt. Die ersten 21 Tage ging alles gut: Der positiv getestete Boris Babic vom FC St. Gallen hatte keinen Kontakt zur Mannschaft gehabt. Beim FC Lugano gab es Verdachtsfälle, sie bestätigten sich allerdings nicht. Jetzt herrscht Ausnahmezustand.

          Auch in der zweiten Schweizer Liga gibt es Aufregung. Beim Grasshopper Club Zürich wurde Amel Rustemoski positiv getestet, die Mannschaft muss aber nicht in Quarantäne, weil Rustemoski im Kanton Aargau lebt. Dort gelten andere Vorschriften. Der kommende Gegner FC Chiasso fordert nun durchgehende Tests bei den Grasshoppers und droht angeblich mit einem Verzicht auf die anstehende Partie.

          * In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Mirlind Kryeziu am 3. Juli positiv getestet worden sei. Das trifft nicht zu. Der positive Test erfolgte erst am 10. Juli. (Anmerkung der Redaktion, 14.07.2020)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

          Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

          Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
          Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

          Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

          In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.