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Schweiz und Österreich : Graz ist Klein-Dortmund

Haare ab: Meistertrainer Franco Foda Bild: dpa

Deutsche Trainer dominieren den Alpenraum. In der Schweiz ist Torsten Fink mit dem FC Basel abermals Meister geworden. Und der ewige Grazer Franco Foda jubelt auch.

          Bisher hatte Franco Foda für einen 45-Jährigen sehr volles Haar. Bis Mittwochabend, als seine Spieler ihm noch auf dem Spielfeld eine Glatze schoren. Es war das optische Signal, dass hier etwas Außergewöhnliches gelungen ist - denn Graz ist Klein-Dortmund geworden. Wie in Westfalen, so hat man es nun auch in der Steiermark geschafft, die fetten 90er Jahre und den folgenden finanziellen Kollaps nicht nur zu überleben, sondern mit einer billigen und willigen jungen Mannschaft wieder den Titel zu gewinnen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die letzten seiner 18 Jahre als Profi hatte der gebürtige Mainzer Foda mit den Meisterschaften 1998 und 1999 in Graz vergoldet. Dort führte Präsident Hannes Kartnig, mit lila Rolls-Royce und Hai-Becken im Wohnzimmer, den Klub wie ein luxuriöses Spielzeug. Er hinterließ einen Scherbenhaufen und einen Klub, der für die unseriöse Seite des österreichischen Fußballs stand. Heute steht der SK Sturm als Gegenentwurf zu den Milliardärsklubs RB Salzburg und Austria Wien für einen Neuanfang - dank Foda, der in 14 Grazer Jahren vom Profi über den Jugend- und Amateurtrainer bis zum Sportdirektor und Cheftrainer alles gemacht hat.

          In der Schweiz triumphierte am selben Tag Torsten Fink als Meister mit dem FC Basel. So wird der Alpenraum mehr und mehr von Deutschen dominiert: Fink als Trainer in Basel, Foda als Trainer in Graz, Oliver Kreuzer als Sportdirektor in Graz. Das weckt Interesse in der Heimat. Foda hatte in den letzten Jahren Angebote aus Bochum und Kaiserslautern. Zuletzt wurde er mit Eintracht Frankfurt in Verbindung gebracht.

          Basler Jubel: Torsten Fink mittendrin (r.u.)

          Hängepartie bleibt erspart

          In Österreich hat er alles erreicht. Für Foda ging „ein Traum in Erfüllung. Jetzt werden wir einmal zwei, drei Tage feiern.“ Der letzte Schritt dorthin war ein nervöses 2:1 gegen Wacker Innsbruck. Erst sechs Minuten vor Schluss erlöste Muratovic die 15.400 Zuschauer im früheren Arnold-Schwarzenegger-Stadion. Weil zugleich Austria Wien 2:4 gegen Salzburg verlor, blieb dem österreichischen Fußball, am vergangenen Wochenende vom Stadionsturm der Rapid-Fans beim Wiener Derby und dem Skandal-Handspiel des Wiener-Neustadt-Profis Edin Salkic erschüttert, eine womöglich verheerende Hängepartie erspart.

          Die groteske Aktion von Salkic, die seinem früheren Klub Graz kurz vor Schluss den Elfmeter zum 2:1-Siegtor und damit einen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Austria verschafft hatte, hat aber auch so schon landesweit für Empörung gesorgt und den Verdacht der Manipulation geschürt, zumal ein Wettanbieter eine deutlich erhöhte Summe asiatischer Wetteinsätze auf die Partie registrierte. (siehe auch:

          Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Salkic wegen des Verdachts des Betruges. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so dumm ist, mit 21 Jahren seine Karriere aufs Spiel zu setzen“, sagte sein Trainer Peter Schöttel. „Ich wünsche ihm, dass es wirklich ein Blackout war.“

          Würdiger Meister

          Wenigstens der Ausgang der Meisterschaft ist nun, weil Austria das letzte Spiel verlor, nicht mehr von einer möglichen juristischen Nachbehandlung der Aktion abhängig - zur Erleichterung der Grazer. Dass der SK Sturm ein würdiger Meister ist, wird von kaum jemandem bestritten. Foda lässt den modernsten Fußball der Liga spielen: „Das System ist nicht so wichtig, wichtig ist nur: Wie arbeite ich gegen den Ball, und wie bewege ich mich, wenn ich ihn habe.“

          Das klingt fast wie Klopp, und wie Klopp hat auch Foda erst, als es sich gar nicht mehr vermeiden ließ, öffentlich von der Meisterschaft geredet. In einem Punkt allerdings ist der deutsche Meistertrainer deutlich weiter als der österreichische: Er blieb ungeschoren.

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