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Deutsche Nationalmannschaft : Ladenhüter Länderspiel

Bastian Schweinsteigers Abschied will fast keiner sehen. Doch an ihm liegt es nicht. Bild: dpa

Bastian Schweinsteigers Abschied von der Nationalmannschaft wollen nur wenige Zuschauer sehen. Das ist zwar traurig. Doch der DFB muss sich dafür an die eigene Nase fassen.

          Wer am Montagnachmittag auf die Idee kam, sich unbedingt noch von Bastian Schweinsteiger verabschieden zu wollen, der konnte einen Schreck bekommen. Wegen „hoher Nachfrage“ wurde man im Online-Ticketshop des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erst einmal im virtuellen Warteraum plaziert. Erst nach ein paar Browser-Aktualisierungen hatte sich die Schlange gelichtet, und siehe da, es gab noch Karten in allen Kategorien. Der wahre Schreck nämlich wird sich erst am Mittwochabend in der Mönchengladbacher Arena einstellen, wenn das Abschiedsspiel des Weltmeisterkapitäns vermutlich vor ziemlich trostloser Kulisse stattfinden wird. Die Zahl von 18000 verkauften Tickets wurde bei der DFB-Pressekonferenz am Montag – im ebenso tristen Ambiente eines Autohauses – jedenfalls nicht dementiert. Selbst Joachim Löw zeigte sich ein wenig pikiert angesichts des offenkundigen Desinteresses an Schweinsteigers großem Abend. „Es wäre schade für ihn“, sagte der Bundestrainer, „wenn das Stadion nicht ausverkauft wäre.“

          Überraschend wäre es jedoch nicht. Schließlich hat das Nationalteam schon seit einiger Zeit bemerkenswerte Schwierigkeiten, die Arenen zu füllen – insbesondere dann, wenn, wie diesmal gegen Finnland, Testspiele anstehen. Ausgerechnet das vermeintliche Hochglanzprodukt jenes Sports, dessen Popularität einen Großteil des Konkurrenzprogramms längst marginalisiert hat, jener Vier-Sterne-Markenartikel namens „Die Mannschaft“, kommt dann als regelrechter Ladenhüter daher. Dafür mag es in jedem Einzelfall Gründe geben, die außerhalb der Macht der Verantwortlichen stehen – in Mönchengladbach folgten dem Sportsommer mit EM und Olympia gleich noch zwei Heim-Highlights mit der Borussia.

          Der Kern aber ist etwas anderes. Der Zuschauer spürt, selbst im Fußball, wenn das Paket nicht mehr stimmt. Wenn die späte Anstoßzeit, wieder mal ist es 20.45 Uhr, eine Anfahrt mühsam und für Familien mit (Schul-) Kindern geradezu unmöglich macht. Und wenn vorher schon abzusehen ist, dass das Ganze, immerhin bei Ticketpreisen zwischen 25 und 75 Euro, sportlich zum Muster ohne Wert wird.

          Testspiele sind, was das betrifft, fast per se ein Missverständnis: Trainer und Spieler sehen sie mehr oder weniger als öffentliche Übungseinheiten, der Zuschauer aber will natürlich für sein Geld auch eine Gegenleistung. In diesem Balanceakt kippten die Deutschen unter Löw zuletzt allzu oft zur falschen Seite ab. So verspielt selbst ein Weltmeister Sympathien an der Basis – das Stimmungstief bei manchem deutschen Spiel ließ sich auch (oder gerade) durch die enervierend marktschreierische Gute-Laune-Maschinerie des DFB nicht kaschieren. Zu wenig (Fuß-) Ball, zu viel Ballermann, könnte man auch sagen.

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