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Schweden - Deutschland 3:5 : Hinten mit Lücken, vorne mit Schürrle

Leichtfüßig ins WM-Rennen: Schürrle (Mitte) trifft drei Mal für die Deutschen Bild: REUTERS

Weit entfernt von einem abermaligen 4:4 sind Deutschland und Schweden nicht. Zum Abschluss der WM-Qualifikation siegt die DFB-Elf mit 5:3. Schürrle ist mit drei Toren der Spieler des Abends.

          Wenn Deutschland gegen Schweden Fußball spielt, bleibt das eine Angelegenheit zum Kopfschütteln. Aus deutscher Sicht war es einerseits tröstlich, dass die Mannschaft von Joachim Löw diesmal das bessere Ende eines kuriosen und bisweilen auch spektakulären Spiels für sich hatte: Nach dem 4:4 im Hinspiel im Oktober bezwang sie die Schweden zum Abschluss der WM-Qualifikation diesmal 5:3 – nach einem 0:2-Rückstand.

          Andererseits ist es gut möglich, dass auch aus diesem Spiel einige unerfreuliche Szenen in Löws Anschauungsmaterial zur WM-Vorbereitung auftauchen werden. Denn auch wenn es um nichts mehr ging in Stockholm, war es doch beunruhigend, wie leicht die Schweden zu ihren Toren kamen.

          Hysen (6. Minute) und Kacaniklic (42.) brachten die Skandinavier zunächst in Führung, ehe Özil (45.), Götze (53.) und zwei Mal Schürrle (57./66.) das Blatt zugunsten der Deutschen wendeten. Hysen mit seinem zweiten (69.) und Schürrle mit seinem dritten Tor des Abends (76.) stellten dann den Endstand her.

          Wieder acht Tore also, und ein versöhnliches Ende eines zunächst ziemlich verkorksten Abends. Aber Löw konnte es nicht recht sein, wie die Mannschaft sein Lieblingsargument gegen den Vorwurf defensiver Schwächen – dass sie nämlich nur in unbedeutenden Spielen zutage treten – eindrucksvoll bestätigte.

          Die Show des Andre Schürrle: Der Chelsea-Spieler trifft dreifach Bilderstrecke

          Vor dem Anpfiff wurde Bastian Schweinsteiger von DFB-Präsident Niersbach für sein 100. Länderspiel geehrt. Danach bekam man schnell den Eindruck, dass die Luft nach vollbrachter Qualifikation raus war aus deutscher Sicht.

          Man konnte das schleppende Tempo im Spiel nach vorn nehmen oder die vielen Abseitsstellungen; das inkonsequente Verteidigen insgesamt, oder die seltene Begebenheit eines schlechten Zweikampf-Timings von Philipp Lahm – überall gab es Indizien für einen Konzentrationsabfall, wie er verständlich ist, wenn nichts mehr auf dem Spiel steht. Wie er aber zwangsläufig zu unbefriedigenden Ergebnissen führt.

          Kleine Überraschung in der Abwehr

          Löw hatte das Spiel für den einen oder anderen Test nutzen wollen. Dass Max Kruse sein Startelf-Debüt im Sturm geben würde, war erwartet worden. Die Rückkehr von Mats Hummels in die Innenverteidigung war zumindest eine kleine Überraschung, nachdem die deutsche Mannschaft zuletzt in der Konstellation Boateng/Mertesacker drei Mal zu Null gespielt hatte.

          Boateng blieb im Team, Mertesacker, der einsatzbereit war, bekam eine Pause. Dass es schon nach wenigen Minuten 0:1 stand, war aber nicht vorrangig dem Duo Boateng/Hummels anzulasten. Es war ein Beispiel dafür, wie die Innenverteidigung manchmal die Schläfrigkeit der Vorderleute ausbaden muss, worauf Löw gern einmal hinweist.

          Ibrahimovic darf nur zuschauen

          Nach einem schwedischen Abschlag ging zuerst Kroos halbherzig in ein Kopfballduell, dann versäumte Schweinsteiger es in einer kritischen Zone, den Gegner zu stellen. Dass bei Larssons Pass in die Tiefe auch Boateng nicht die perfekte Orientierung hatte, ließ Hysen frei vor Neuer auftauchen – die Chance ließ der sich nicht entgehen.

          So zielstrebig und vor allem effektiv hatte man die Schweden nicht unbedingt erwartet. Vor dem Stadion wurde zwar eifrig Werbematerial für „Zlatan Unplugged“ verteilt, die persönliche App von Zlatan Ibrahimovic. Für das Spiel aber hatte sich der schwedische Superstar praktisch selbst vom Netz genommen: mit der Gelben Karte gegen Österreich in letzter Minute, die ihm die gewünschte Gelbsperre gegen das DFB-Team und damit ein unbelastetes Konto für die Playoffs eintrug. Dass sich die schwedische Bedrohung ohne ihn in Grenzen halten würde, erwies sich jedoch als Trugschluss.

          Özil mit schneller Wiedergutmachung

          Nach dem Rückstand gaben sich die Deutschen zwar Mühe, den Schaden wiedergutzumachen. Doch bei allem Ballbesitz und aller Spielkontrolle: Tempo und Präzision genügten nicht, um die schwedische Defensive ernsthaft ins Wackeln zu bringen.

          Kurz vor der Pause gab es dann weiteres Material für Löws Sammelsurium der defensiven Aussetzer. Schweinsteigers Pass kam nicht an, Özil tat nur so, als würde er in ein Kopfballduell gehen, Källström spielte Kacaniklic frei, und der hatte vor Neuer genauso viel Spaß wie vorher Hysen. Immerhin betrieb Özil schnelle Wiedergutmachung. Nur drei Minuten später traf er zum 1:2.

          Lahm spielt doch noch vor der Abwehr

          Für die zweite Hälfte sollte Götze den bis dahin vermissten Schwung und Esprit bringen. Er tat es, indem er mit einem sehenswerten Schlenzer zum Ausgleich traf. Der Münchner, der so lange verletzt war, schien schon auf dem Weg, diesem Spiel eine besondere Pointe zu geben. Die wurde dann aber noch deutlich übertroffen von Schürrle, der sein 28. Länderspiel in ziemlich guter Erinnerung behalten wird – und nun mit ziemlich breiter Brust in den Positionskampf auf der linken Außenbahn gehen darf.

          Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen – mit dieser Wende nach der missratenen ersten Hälfte auch nicht. Die Schlussphase nutzte Löw noch, um Kapitän Lahm nach der Einwechslung von Höwedes vor der Abwehr spielen zu lassen – ein Test, der ohne Gegentor, aber auch ohne großen Erkenntnisgewinn verlief.

          Schweden - Deutschland 3:5 (2:1)

          Schweden: Wiland (FC Kopenhagen/32 Jahre/9 Länderspiele) - Bengtsson (FC Kopenhagen/25/9), Nilsson (1. FC Nürnberg/31/13), Antonsson (FC Bologna/32/13), Martin Olsson (Norwich City/25/20) - Larsson (AFC Sunderland/28/60), Elm (ZSKA Moskau/25/37 - 59. Svensson/Elfsborg Boras/37/143), Källström (Spartak Moskau/31/106), Kacaniklic (FC Fulham/22/14 - 73. Durmaz/Genclerbirligi Ankara/24/13) - Toivonen (PSV Eindhoven/27/35 - 84. Wernbloom/ZSKA Moskau/27/36), Hysén (IFK Göteborg/31/31)
          Deutschland: Neuer (Bayern München/27/43) - Lahm (Bayern München/29/103), Hummels (Borussia Dortmund/24/26), Boateng (Bayern München/25/34), Jansen (Hamburger SV/27/42) - Schweinsteiger (Bayern München/29/100), Kroos (Bayern München/23/39) - Thomas Müller (Bayern München/24/46 - 46. Götze/Bayern München/21/24), Özil (FC Arsenal/25/51 - 82. Draxler/FC Schalke 04/20/9), Schürrle (FC Chelsea/22/28) - Kruse (Bor. Mönchengladbach/25/5 - 75. Höwedes/FC Schalke 04/25/16)
          Schiedsrichter: Collum (Schottland)
          Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Hysén (6.), 2:0 Kacaniklic (42.), 2:1 Özil (45.), 2:2 Götze (53.), 2:3 Schürrle (57.), 2:4 Schürrle (66.), 3:4 Hysén (69.), 3:5 Schürrle (76.)
          Gelbe Karten: Martin Olsson / Hummels, Höwedes, Schürrle

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