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Schwarze Fußballtrainer : Der Argwohn spielt mit

Preußens Tugenden: Assistenztrainer Babacar N’Diaye beobachtet die Spieler Bild: Sebastian Sanders

Eine Frage der Hautfarbe: Manche Coaches haben es schwer in Europas Ligen. Babacar N’Diaye, derzeit Assistent bei Preußen Münster, will dennoch in die Bundesliga.

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          Besser hätte der Berufseinstieg für Babacar N’Diaye nicht sein können. Gleich zu Saisonbeginn startete die Mannschaft von Preußen Münster mit großem Elan durch und mischt seither im Aufstiegskampf der dritten Fußball-Liga mit. Die Zusammenarbeit zwischen Cheftrainer Pawel Dotschew, der N’Diaye im vergangenen Sommer als Assistenten an seine Seite geholt hatte, erweist sich als außerordentlich förderlich - die Elf aus Münster, die zuvor noch gegen den Abstieg gekämpft hatte, machte einen ordentlichen Leistungssprung. Das vielversprechende Comeback sorgt beim Bundesliga-Gründungsmitglied von 1963 für einen Boom der Begeisterung. Was will man also mehr als einer der Mitverantwortlichen dieses Höhenflugs? „Ganz ruhig bleiben, ich wachse doch gerade erst in meine neue Aufgabe hinein“, sagt N’Diaye.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der 39 Jahre alte gebürtige Senegalese will seine Rolle nicht zu hoch bewertet sehen. N’Diaye ist Assistenztrainer - aber dafür ein ganz besonderer. Kein anderer Kollege mit schwarzer Hautfarbe hat es bisher im professionellen Trainergeschäft in Deutschland dahin gebracht. Und der ehemalige Fußballprofi, der seit fast zwanzig Jahren hier lebt und inzwischen über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügt, hat ein viel weiterführendes Ziel: „Ich will irgendwann Bundesligatrainer werden.“

          Ausnahmsweise erfolgreich: Chris Hughton von Norwich City

          Der erste schwarze Coach in der deutschen Eliteliga? N’Diaye sitzt am kleinen Tisch im Raum neben der Mannschaftskabine des Preußenstadions. Es ist Mittagspause zwischen zwei Trainingseinheiten. Die Waschmaschinen werden gerade vom Zeugwart mit den schmutzigen Klamotten der Spieler gefüllt, der Torwarttrainer schaut vorbei. N’Diaye bereitet hier sonst die Übungseinheiten für den Nachmittag vor, aber erzählt nun erst mal, wie schwer es für ihn war, überhaupt in Deutschland Fuß zu fassen. „Ich konnte die Sprache nicht, es war kalt und meine Familie weit weg. Ich musste richtig kämpfen.“

          Weil seine Heimatstadt Thiès im Senegal mit Solingen verbunden ist, kam er mit 19 Jahren zuerst in die Oberliga zu Union Solingen. N’Diaye ist einer der wenigen Profispieler, der schon in allen ersten sechs Ligen Deutschlands gekickt hat - bei dreizehn Vereinen. Unter Ralf Rangnick spielte der Stürmer auch einige Jahre für Hannover 96 in der Bundesliga. Als nach der vergangenen Saison seine Spielerkarriere bei Preußen Münster zu Ende ging und er das Angebot des aus Bulgarien stammenden Trainers Pawel Dotschew erhielt, entschied sich der Münsteraner Publikumsliebling, diese Möglichkeit zu nutzen.

          Ein farbiger Trainer in der Premier League

          Viele solche Chancen gibt es nicht für schwarze Spieler. Das weiß N’Diaye. Die mangelnde Berücksichtigung oder auch Förderung farbiger Trainerkandidaten steht in krassem Gegensatz zur immensen Bedeutung dunkelhäutiger Spieler aus Afrika oder Südamerika für den heutigen Klubfußball. Auf dem Platz sind sie ein wichtiger Erfolgsfaktor - nicht aber als Strategen am Spielfeldrand. Nur einen einzigen Cheftrainer mit diesem ethnischen Hintergrund gibt es bei den Vereinen der fünf stärksten europäischen Ligen: Chris Hughton. Der Sohn eines Ghanaers und einer Irin trainiert die Premier-League-Mannschaft von Norwich City. In England, wo durch die Verbindung zu den ehemaligen britischen Kolonien noch mehr farbige Fußballspieler als in Deutschland aktiv sind, brennt den Betroffenen das Thema unter den Nägeln.

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