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Im Gespräch: André Schürrle : „Als Weltmeister wird alles schwerer“

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Ohne ihn wäre Deutschland vielleicht nicht Weltmeister geworden: André Schürrle machte sich in Brasilien bald unentbehrlich Bild: dpa

Bei der WM war André Schürrle der richtige Vorbereiter zur rechten Zeit. Nun will er, beginnend mit dem Auftakt zur EM-Qualifikation gegen Schottland (20.45 Uhr), den nächsten Schritt zum Stammspieler gehen. Ein Interview über das Dasein als Weltmeister und Einsamkeit in London.

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          Was sagt uns jetzt der Auftakt der Weltmeister mit dem 2:4 gegen Argentinien?

          Gezählt hat’s am 13. Juli in Rio. Hier in Düsseldorf stand ein Freundschaftsspiel an, das erste Länderspiel nach der WM. Man sollte das auch nicht überbewerten.

          Und Sie wissen schon heute, welche Geschichte Sie später mal Ihren Enkeln erzählen müssen?

          O ja. Es hat bei der Weltmeisterschaft einige Erlebnisse gegeben, die mir für immer im Gedächtnis bleiben und mich prägen werden. Aber der ganz besondere Moment ist natürlich das Tor gegen Argentinien im Finale. Und ich muss zugeben: Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich das Tor sehe. Ich kann noch immer nicht richtig beschreiben, was diese Bilder in mir auslösen. Da sind so viele Emotionen.

          Wie oft haben Sie sich das Tor seither angeschaut?

          Hunderttausendmal. Unglaublich oft jedenfalls. Allein in der ersten Woche nach dem Finale habe ich es mir jeden Tag bestimmt fünfzigmal angesehen.

          Wirklich?

          Doch, klar. Es war ja überall im Internet zu sehen. Oder wenn ich auf mein Profil drauf bin bei Facebook, Twitter, Instagram: Überall war dieses Tor.

          Wissen Sie noch, was genau in Ihnen vorging, als Sie kurz hinter der Mittellinie angespielt wurden und dann die Flanke zum 1:0 von Mario Götze schlugen?

          Ich hatte gerade kurz zuvor in der Pause der Verlängerung mit Thomas Müller gesprochen, und wir haben uns gesagt, dass wir jetzt noch ein paar Einzelaktionen, ein paar Dribblings brauchen, um gegen die Argentinier zu Chancen zu kommen. Dann war es schon relativ spät im Spiel, und ich hatte mir vorgenommen, noch mal die eine oder andere Aktion zu versuchen. Und dann bekomme ich tatsächlich den Ball und habe sofort versucht, noch mal die Linie runter zu sprinten - und gehofft, dass in der Mitte jemand steht.

          Eigentlich war die Flanke gegen die beiden Argentinier, die diese Seite zustellen sollten, doch gar nicht zu schlagen. Da war ja kaum Platz.

          Ja, stimmt, das war schwierig. Es war sehr eng. Ich habe, ehrlich gesagt, auch gar nicht mehr hochgeschaut, wer da auf mich zukommt. Ich wollte den Ball nur einfach irgendwie reinbringen.

          Und haben Sie sehen können, was dann nach Ihrer Flanke passierte?

          Wenn man eine Flanke so schießt und sich dabei so verdreht, sieht man den Ball nicht mehr. Ich habe den Ball dann erst wieder gesehen, als er auf Marios Brust war - und es war keiner drum herum! Dann hatte ich allerdings einen sehr guten Blick, wie der Ball ins Tor geflogen ist. (Lacht). Und dann waren da so viele Glücksgefühle wie noch nie. Mario kam auf mich zugerannt, ich glaube, er wollte noch ein bisschen laufen, aber wir alle waren so kaputt, da mussten wir ihn irgendwie stoppen.

          Sie strahlen jetzt noch.

          Ja, das wird auch für immer so bleiben, wenn ich über diese Momente spreche. Oder mich nur daran erinnere.

          Schon bei der WM hatten Sie gehofft, von Beginn an zu spielen. Wie haben sich nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft Ihre Erwartungen verändert? Gegen Argentinien standen Sie nun in Düsseldorf in der Startelf.

          Da hat sich eigentlich wenig verändert. Schon im Jahr vor der WM hatte ich gehofft, wenn ich zuvor meine Leistung gebracht hatte, dass ich von Anfang an spielen würde. Ich hatte ja auch eine gute Vorbereitung gemacht und deswegen auch gehofft, im ersten Spiel dabei zu sein. Es gab dann auch einige Gespräche mit dem Bundestrainer, in denen er mir seine Entscheidung erklärt hat. Danach gab es für mich keinen Grund, mies drauf zu sein, weil ich nicht gespielt habe. Ich wusste, dass wir alle Spieler brauchen - und dass ich meine Chance bekomme, dass ich meine Qualität zeigen kann. Das hat sich bewahrheitet.

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