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0:2 gegen Dortmund im Supercup : Schmerzhafte Niederlage für die Bayern

  • -Aktualisiert am

Bitter für die Bayern: Javier Martinez hat sich wohl das Kreuzband gerissen Bild: REUTERS

Wie im Vorjahr holt Dortmund den Supercup im Duell mit den Bayern. Mchitarjan und Aubameyang treffen. Schlimmer als das 0:2 ist für die Münchner Martinez’ Verletzung. WM-Held Götze wird wüst beschimpft.

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          Mit dem Supercup hat es der FC Bayern München nicht so. Im Vorjahr unterlag der Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund 2:4, am Mittwoch setzte es beim Meisterschaftszweiten und Pokalfinalisten eine 0:2-Niederlage. Mchitarjan (23. Minute) und Aubameyang (62.) schossen in diesem Prestigeduell die Tore für die zurzeit noch deutlich bessere Mannschaft. „Wir sind noch mitten in der Vorbereitung und haben definitiv noch keinen Rhythmus. Wir sind längst noch nicht bei 100 Prozent“, sagte Philipp Lahm im TV-Sender Sky.

          Was das für die Bundesligasaison, die am 22. August von den Bayern im Spiel gegen den VfL Wolfsburg eröffnet wird (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET), bedeutet? Womöglich gar nichts. Nach dem Dortmunder Auftakterfolg im Vorjahr zeigten die Bayern in der Bundesliga ihre Extraklasse und hängten den BVB am Ende um 19 Punkte ab. Die Münchner verdross die zu verschmerzende Niederlage weit weniger als die schwere Knieverletzung des Spaniers Javier Martinez, der nach einer halben Stunde vom Platz getragen wurde. „Es wird länger dauern. Das ist ein großes Problem. Er war in überragender Form“, sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola. In einer Videobotschaft auf seiner Facebook-Seite erklärte Martínez später, die Verletzung sei „zu 99 Prozent ein Kreuzbandriss“.



          Weltmeister schön und gut, doch im Blickpunkt standen zunächst weder die Münchner Manuel Neuer, Deutschlands „Fußballer des Jahres“, Jerome Boateng und Thomas Müller noch der Neu-Dortmunder Matthias Ginter. Aller Augen richteten sich vielmehr auf Robert Lewandowski, den im Vorjahr besten Bundesligastürmer. Der 25 Jahre alte Pole hat den BVB im Sommer nach vier tollen Jahren bei der Borussia ablösefrei in Richtung Bayern verlassen und wurde gleich bei seinem ersten Pflichtspiel der Saison aufs Neue an seinem alten Arbeitsplatz begrüßt.

          Anders als dem im Jahr davor von Dortmund nach München gewechselten Mario Götze aber ersparten ihm die BVB-Fans aus Respekt ein gellendes Pfeifkonzert, das dem als „Verräter“ gebrandmarkten Götze bei seinem ersten Auftritt im Borussen-Stadion zuteil geworden war. Auch am Mittwoch wurde es wieder laut, als der Name des zunächst von der Bank aus zuschauenden WM-Torschützen zum 1:0-Endspielsieg gegen Argentinien verlesen wurde.

          Gefestigter, lauffreudiger, aggressiver

          Die Trainer Jürgen Klopp und Guardiola reagierten mit den Aufstellungen auf die, so der Dortmunder Coach, „sehr komplizierte Saisonvorbereitung“. Sie müssen noch immer eine Reihe von WM-Spätrückkehrer oder Langzeitverletzte zurück auf den Bundesligamodus hieven. Auch ein Grund, warum beim BVB der neue Kapitän Hummels und der Rekonvaleszent Reus noch nicht zur Wahl standen, und die Münchner auf einen Einsatz von Schweinsteiger, Robben und Ribéry verzichteten. Schlagzeilen machte der Franzose trotzdem, weil er im „Kicker“ seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.

          Ein fitter Ribéry hätte dem vor der Pause vollkommen unfertigen Bayern-Spiel sicher gut getan. Die Mannschaft versuchte es zwar wie beim 2:0-Erfolg über den BVB im Berliner DFB-Pokalfinale mit einem 3-4-3-System, doch die meisten Spieler hatten angesichts ihres Trainingsrückstandes zu viel mit sich selbst zu tun, um die Dortmunder beeindrucken zu können. Klopps Team dagegen, angetrieben vom Armenier Mchitarjan und in Schwung gehalten durch weitere Offensivkräfte wie Aubameyang und den für knapp 19 Millionen Euro vom FC Turin geholten Stürmer Ciro Immobile, wirkte gefestigter, lauffreudiger und aggressiver.

          Bilderstrecke

          Folgerichtig ging die aus einer 4-4-2-Grundformation früh Fahrt aufnehmende Borussia durch Mchitarjans kernigen Schuss (23.) in Führung. Dass es bei Halbzeit nicht 2:0 oder 3:0 stand, hatten die Bayern allein ihrem gewohnt überragenden Torhüter Neuer zu verdanken, der seine WM-Form über die Ferien konservieren konnte. Und was war mit Lewandowski? Der Pole war 45 Minuten lang chancenlos und erfreute sich der konsequenten Fürsorge der Innenverteidiger Sokratis und Ginter. „Das war offensiv wirklich noch zu wenig“, bekannte der Pole.

          Nach der Pause waren zwei weitere Weltmeister gefragt: der zurückgetretene Nationalmannschaftskapitän Lahm, der den „unsichtbaren“ Müller ersetzte, und Durm, der bei Dortmund für Schmelzer kam. Nun gab es auch Lewandowskis erstes und einziges Lebenszeichen, als er im Eins-gegen-Eins-Duell am Dortmunder Schlussmann Langerak scheiterte (46.).

          Pfiffe und Beschimpfungen für Götze

          Den nächsten emotionalen Höhepunkt erreichte das Spiel erst dann wieder, als Götze (59.), der goldene Torschütze von Rio, unter einem Orkan an Pfiffen eingewechselt wurde und von der Südtribüne als „Hurensohn“ beschimpft wurde. Auch Götze war von weltmeisterlicher Verfassung weit entfernt.

          Zu weiterem Ärger bestand auf Dortmunder Seite also kein Anlass mehr, zumal Aubameyang mit seinem wuchtigen Kopfball zum 2:0 seine letzte Spielerpflicht für diesen Tag erfüllt hatte (62.). Den Gabuner ersetzte der Berliner Neuzugang Adrian Ramos (63.). Ihm blieb der große Auftritt versagt. Machte aber nichts. Dafür waren am Mittwoch Mchitarjan und Aubameyang zuständig. „Wir haben sensationell gut verteidigt und sehr wenig zugelassen. Wir waren über 90 Minuten superkonsequent. Wir sind aber noch lange nicht da, wo wir hinmüssen“, sagte BVB-Trainer Klopp.

          Borussia Dortmund - Bayern München 2:0 (1:0)

          Borussia Dortmund: Langerak - Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) - Kehl, Mchitarjan - Kirch (85. Bender), Hofmann - Aubameyang (63. Ramos), Immobile
          Bayern München: Neuer - Javi Martínez (31. Dante), Boateng, Alaba - Højbjerg (59. Götze), Gaudino, Rode, Bernat - Müller (46. Lahm), Lewandowski, Shaqiri
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 80.667 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Mchitarjan (23.), 2:0 Aubameyang (62.)
          Gelbe Karten: - / Boateng, Højbjerg, Lahm

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