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Präsidentenfrage bei der Fifa : Der Scheich ist aussichtsreich

  • -Aktualisiert am

„Können Einfluss von außen nicht gebrauchen“: Scheich Salman soll Blatter folgen. Bild: Reuters

Nachdem Blatter und Platini von der Bildfläche verschwunden sind, stellt sich die Frage nach einem neuen Fifa-Präsidenten. Fünf Kandidaten sind im Rennen – für einen von ihnen stehen die Chancen besonders gut.

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          Blatter verbannt, Platini aus dem Rennen – die Präsidentenfrage beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) wird sich frei von den alten Leitfiguren des Weltfußballs entscheiden. Jedoch sieht es derzeit nicht danach aus, als wäre der personelle Umschwung mit einem Neuanfang an der politischen Spitze verbunden. Längst haben sich andere dubiose Seilschaften im Weltsport bei der Fifa positioniert. Die besten Chancen auf die Blatter-Nachfolge hat so derzeit der asiatische Fußballchef Salman bin Ibrahim al Chalifa (Bahrein), der von dem mächtigen Scheich Ahmad al Sabah aus Kuweit in die Topposition gehievt werden soll.

          Der Königsmacher gehört zu den einflussreichsten Sportfunktionären, ist Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, hat dort Thomas Bach mit in die Präsidentenposition gebracht und führt neben der asiatischen auch die weltweite Organisation aller Nationalen Olympischen Komitees. Der Kuweiter ist, wie lokale Medien berichteten, in seiner Heimat zuletzt wegen Beleidigung der Justiz vorinstanzlich zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Er gehört wie sein royaler Gefolgsmann aus Bahrein dem Fifa-Vorstand an und hat weite Teile der asiatischen Verbände, aber auch Afrika hinter sich.

          Salman wird von Menschenrechtsgruppen wegen Foltervorwürfen in seiner Heimat attackiert. Es gab einen Brief an die Fifa, in dem der Weltverband aufgefordert wird, Salman nicht zum Präsidentenentscheid zuzulassen. Der Bahreiner selbst bestreitet die Vorwürfe. Die Diskussion wird im neuen Jahr vor dem Wahltermin am 26. Februar neu aufflammen und die Fifa belasten.

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          Vier weitere Kandidaten im Rennen

          Neben Salman gibt es weitere vier Kandidaten. Der Schweizer Gianni Infantino, derzeit Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union und lange Zeit engster Vertrauter von Platini, verkauft sich vordergründig als Mann der Europäer und Südamerikaner, gilt Insidern zufolge aber zudem als zweites Eisen im Feuer des gewieften Scheichs Ahmad. So könnte der Deal aussehen: Der Kuweiter bekommt Salman auf den Chefsessel der Fifa, Europäer und Südamerikaner erhalten im Gegenzug den Zugriff auf die Position des Fifa-Generalsekretärs, welche dann vom Verbandsapparatschik Infantino eingenommen wird. Erst am Sonntag sagte al Sabah in einem ZDF-Interview: „Wir können keinen Einfluss von außen gebrauchen.“

          Absoluter Außenseiter: der Südafrikaner Tokyo Sexwale
          Absoluter Außenseiter: der Südafrikaner Tokyo Sexwale : Bild: AFP

          Wenig Chancen auf Wahlerfolg haben derzeit die anderen Kandidaten. Der Jordanier Prinz Ali bin al Hussein, trat im Mai schon mal gegen Blatter an und verbuchte sogar 73 von 206 Stimmen. Doch gegen die Fraktion von Scheich Ahmad wird er diesmal nichts ausrichten können. Sie sind sich feindlich verbunden.

          Absoluter Außenseiter ist auch der Südafrikaner Tokyo Sexwale, der seit Jahren zu verschiedenen Gremien der Fifa gehört. Sein Bonus: Er war Anti-Apartheid-Aktivist. Über das beste Programm und die fundiertesten Reformpläne verfügt der fünfte Kandidat Jérôme Champagne. Der frühere französische Diplomat, der einst unter Blatter als stellvertretender Fifa-Generalsekretär gearbeitet hat, propagiert seit Jahren eine neue Fifa. Hätte er starke Verbündete und viele Nationalverbände hinter sich, was aber nicht so ist, könnte Champagne durchstarten. Er wäre für einen Neubeginn der am meisten geeignete Präsident. Bis zum 26. Februar wird der Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun die Geschäfte des Weltverbandes führen.

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