https://www.faz.net/-gtl-8bmmd

Präsidentenfrage bei der Fifa : Der Scheich ist aussichtsreich

„Können Einfluss von außen nicht gebrauchen“: Scheich Salman soll Blatter folgen. Bild: Reuters

Nachdem Blatter und Platini von der Bildfläche verschwunden sind, stellt sich die Frage nach einem neuen Fifa-Präsidenten. Fünf Kandidaten sind im Rennen – für einen von ihnen stehen die Chancen besonders gut.

          Blatter verbannt, Platini aus dem Rennen – die Präsidentenfrage beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) wird sich frei von den alten Leitfiguren des Weltfußballs entscheiden. Jedoch sieht es derzeit nicht danach aus, als wäre der personelle Umschwung mit einem Neuanfang an der politischen Spitze verbunden. Längst haben sich andere dubiose Seilschaften im Weltsport bei der Fifa positioniert. Die besten Chancen auf die Blatter-Nachfolge hat so derzeit der asiatische Fußballchef Salman bin Ibrahim al Chalifa (Bahrein), der von dem mächtigen Scheich Ahmad al Sabah aus Kuweit in die Topposition gehievt werden soll.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Königsmacher gehört zu den einflussreichsten Sportfunktionären, ist Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, hat dort Thomas Bach mit in die Präsidentenposition gebracht und führt neben der asiatischen auch die weltweite Organisation aller Nationalen Olympischen Komitees. Der Kuweiter ist, wie lokale Medien berichteten, in seiner Heimat zuletzt wegen Beleidigung der Justiz vorinstanzlich zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Er gehört wie sein royaler Gefolgsmann aus Bahrein dem Fifa-Vorstand an und hat weite Teile der asiatischen Verbände, aber auch Afrika hinter sich.

          Salman wird von Menschenrechtsgruppen wegen Foltervorwürfen in seiner Heimat attackiert. Es gab einen Brief an die Fifa, in dem der Weltverband aufgefordert wird, Salman nicht zum Präsidentenentscheid zuzulassen. Der Bahreiner selbst bestreitet die Vorwürfe. Die Diskussion wird im neuen Jahr vor dem Wahltermin am 26. Februar neu aufflammen und die Fifa belasten.

          Vier weitere Kandidaten im Rennen

          Neben Salman gibt es weitere vier Kandidaten. Der Schweizer Gianni Infantino, derzeit Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union und lange Zeit engster Vertrauter von Platini, verkauft sich vordergründig als Mann der Europäer und Südamerikaner, gilt Insidern zufolge aber zudem als zweites Eisen im Feuer des gewieften Scheichs Ahmad. So könnte der Deal aussehen: Der Kuweiter bekommt Salman auf den Chefsessel der Fifa, Europäer und Südamerikaner erhalten im Gegenzug den Zugriff auf die Position des Fifa-Generalsekretärs, welche dann vom Verbandsapparatschik Infantino eingenommen wird. Erst am Sonntag sagte al Sabah in einem ZDF-Interview: „Wir können keinen Einfluss von außen gebrauchen.“

          Absoluter Außenseiter: der Südafrikaner Tokyo Sexwale

          Wenig Chancen auf Wahlerfolg haben derzeit die anderen Kandidaten. Der Jordanier Prinz Ali bin al Hussein, trat im Mai schon mal gegen Blatter an und verbuchte sogar 73 von 206 Stimmen. Doch gegen die Fraktion von Scheich Ahmad wird er diesmal nichts ausrichten können. Sie sind sich feindlich verbunden.

          Absoluter Außenseiter ist auch der Südafrikaner Tokyo Sexwale, der seit Jahren zu verschiedenen Gremien der Fifa gehört. Sein Bonus: Er war Anti-Apartheid-Aktivist. Über das beste Programm und die fundiertesten Reformpläne verfügt der fünfte Kandidat Jérôme Champagne. Der frühere französische Diplomat, der einst unter Blatter als stellvertretender Fifa-Generalsekretär gearbeitet hat, propagiert seit Jahren eine neue Fifa. Hätte er starke Verbündete und viele Nationalverbände hinter sich, was aber nicht so ist, könnte Champagne durchstarten. Er wäre für einen Neubeginn der am meisten geeignete Präsident. Bis zum 26. Februar wird der Fifa-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun die Geschäfte des Weltverbandes führen.

          Weitere Themen

          Ein Este wird der Erste sein

          Rallye-WM : Ein Este wird der Erste sein

          Der Rallyefahrer Ott Tänak ist drauf und dran, die Ära der französischen Rallye-Sieger zu beenden. Außerdem wird er nach der Rallye Deutschland eine Entscheidung bekannt geben.

          Topmeldungen

          So sieht sich 8Chan selbst: Twitterprofil der Plattform.

          Internetforum „8chan“ : Der Alpha und die Betas

          Vom Meme zum Massaker: Wie radikalisieren sich junge Männer in Internetforen wie „8chan“? Warum verehren sie Donald Trump? Und warum gibt es diese Plattformen überhaupt?

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.
          Sparen, damit man es im Alter krachen lassen kann: Haben sich womöglich die Präferenzen der Menschen verändert?

          Debatte über das Sparen : Lieber später als heute das Geld auf den Kopf hauen

          Bisher dachten Wissenschaftler, Menschen geben Geld lieber heute als später aus. Doch in einer alternden Gesellschaft könnte sich das ändern. Das würde auch das Phänomen negativer Zinsen erklären. Müssen Ökonomen ihre Lehrbücher umschreiben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.