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Fifa-Kommentar : Der Scheich taugt nicht

Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa will Fifa-Präsident werden. Bild: AP

Wie kann es sein, dass der umstrittene Scheich Al Khalifa die besten Chancen auf die Nachfolge von Joseph Blatter hat. Nun rächt sich auch das Verhalten des DFB. Es muss ein deutliches Signal geben: Es reicht!

          Es ist nicht zu fassen: Da sucht die Fifa einen geeigneten Präsidenten. Jene Fußball-Organisation, die wie keine Zweite für Kriminalität und Korruption in der Sportwelt steht - auch wenn die Leichtathleten offenbar alles daransetzen, aus dem Windschatten der populärsten Sportart der Welt herauszutreten, wie nicht nur DOSB-Chef Alfons Hörmann feststellt. Und wer ist heute, gut fünf Wochen vor der Wahl Ende Februar in Zürich, der aussichtsreichste Kandidat?

          Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, Spross des Folterregimes in Bahrein, jenes Königreichs am Persischen Golf, das im Gegensatz zu seinen reichen Nachbarn, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Qatar, nur mit Menschenrechtsverletzungen Schlagzeilen macht und nicht mit neureichem Protz. Dabei ist die Familie Al Khalifa selbstverständlich unermesslich reich, und wenn die eigene Macht nicht reicht, um die unterdrückte Bevölkerung in Schach zu halten, so wie 2011, dann schickt der große Nachbar Saudi-Arabien Panzer über den „King Fahd Causeway“, die 25 Kilometer lange Brücke, mit dem die beiden Gewaltregime einander über das Wasser des Persischen Golfs verbunden sind.

          Wie also kann es sein, dass Al Khalifa die besten Chancen hat, Nachfolger Joseph Blatters zu werden? Weil offenkundig die alten Mechanismen immer noch greifen. Am Freitag wurde die Vereinbarung von Al Khalifas asiatischem Verband und den Afrikanern des bereits 2011 vom IOC wegen Korruption verwarnten, gleichwohl amtierenden Fifa-Präsidenten Issa Hayatou bekannt. Auf gute Zusammenarbeit, so werden Stimmen gesichert, und mehr als die 54, die Afrika im Februar nach Zürich bringt, hat niemand zu bieten.

          Wessen Fehler ist das? Auch der des Internationalen Olympischen Komitees, denn als dieses Hayatou milde verwarnte, wurde ebenfalls getadelt: Lamine Diack, der langjährige Präsident der Leichtathleten, der mit seiner Bande von mutmaßlichen Erpressern, die Unschuldsvermutung gilt selbstverständlich, von null auf eins in den Charts der schamlosen, wolllüstigen Raffgier unter Sportsfreunden geschossen ist. Wie ernst also darf man nehmen, wenn Hayatou sagt: „Dass ich hier sitze, zeigt, dass ich nicht korrupt bin“, wie bei der Fifa in Zürich im Dezember?

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          Wenn aber einer wie Hayatou sich mit dem Mitglied einer Foltersippe wie Salman gemeinmacht, um die Pfründe im Welt-Fußball zu sichern, dann muss sich im deutschen Fußball endlich etwas regen. Dann muss ein Aufschrei durch die Funktionärsriege gehen. Es muss Schluss sein mit dem Machtgeplänkel im Hinterzimmer. Es muss gesagt werden, was ist: Der Scheich taugt nicht. Aber nun rächt sich, dass im DFB offenbar über Jahrzehnte das Machtspiel der Scheichs und Potentaten, der karibischen Funktionäre und der oberbayerischen Kaiser mitgespielt wurde.

          Dass sich der deutsche Vertreter bei Fifa und Uefa, der hierzulande nicht mehr präsidiable Wolfgang Niersbach, mit Michel Platini verbündet hatte, der unter Schimpf und Schande aus dem Fifa-Wahlkampf ausgeschlossen wurde, das tut nun weh. Die eigene Position könnte schlechter nicht sein. Da wird ein Befreiungsschlag allein nicht helfen. Aber ohne wird es nicht gehen. Von der Präsidiumssitzung am kommenden Mittwoch kann nur ein Signal ausgehen, laut und deutlich: Es reicht. Scheich Salman verhindern!

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