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Schauspieler Brühl im Gespräch : „Ich liebe die Angst vor dem 0:0“

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Bild: reuters

Im Film „Der ganz große Traum“ spielt Daniel Brühl den Pionier des deutschen Fußballs, Konrad Koch. Im FAZ.NET-Interview spricht Brühl vor dem Kinostart am Donnerstag über seine Begeisterung für den FC Barcelona, ein mögliches Opfer für den 1. FC Köln und sein eigenes Fußballtalent.

          Geboren in Barcelona, aufgewachsen in Köln - in der Brust von Daniel César Martín Brühl González Domingo schlagen zwei Fußballherzen, ein spanisches und ein deutsches. Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler, der 2003 mit der Kinokomödie „Good Bye, Lenin!“ berühmt wurde, war danach unter anderem in „John Rabe“ und „Inglourious Basterds“ zu sehen. „Mich reizen Figuren, die etwas Spannendes gemacht haben, die aber keiner kennt“, sagt der 32-Jährige, der früher in einer Punkrockband spielte und eine Platte aufnahm.

          Im Film „Der ganz große Traum“, der am Donnerstag in die Kinos kommt, spielt Brühl den Vorreiter des deutschen Fußballs, Konrad Koch. 1875 legte der Braunschweiger Lehrer, dessen Todestag sich demnächst zum einhundertsten Male jährt, das hierzulande erste Regelwerk vor. Regisseur Sebastian Grobler hat sich stellenweise von der historischen Vorlage gelöst und einen Film geschaffen, der sich mitunter an Peter Weirs „Der Club der toten Dichter“ anlehnt. Das Buch zum Film hat Rainer Moritz geschrieben (Rowohlt Verlag).

          Sie haben jüngst die deutsche Fußball-Nationalmannschaft besucht. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

          Das war aufregend. Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie der Neue in der Schulklasse. Ich stand etwas deppert am Buffet, dann hat aber Oliver Bierhoff mich als Erstes den beiden vorgestellt, die wohl am besten mit einem Neuen umgehen können, also Philipp Lahm und Per Mertesacker. Dann habe ich Spaghetti gegessen mit Lahm, Mertesacker, Klose, Müller, Badstuber und, was mir ganz wichtig war, Lukas Podolski. Mesut Özil habe ich auch zugenickt, obwohl er und Sami Khedira bei Real Madrid eigentlich meine Erzfeinde sein müssten. Aber auf die beiden stehe ich wirklich, die spielen wunderbar. Es ist ein Jammer, dass die beim falschen Verein sind.

          In „Der ganz große Traum” spielt Daniel Brühl jenen Konrad Koch, der den Fußball 1874 nach Deutschland gebracht hat

          Welcher Spieler beeindruckt sie am meisten?

          Ganz klar Lukas Podolski. Da bin ich Fan, das muss ich auch sein als Kölner. Poldi verkörpert für mich die kölsche Seele, ich finde seine Art sehr lustig und charmant. Ich muss aber sagen, dass mir Schweinsteiger als Spieler und jetzt als Person immer mehr imponiert, weil er so schnell reif geworden ist und sich in der Mannschaft einen besonderen Status erarbeitet hat. Auch im Gespräch ist er selbstbewusst aufgetreten und hat coole Sachen zu meinem Film gesagt. Insgesamt bin ich begeistert von der Höflichkeit und Offenheit der Mannschaft. Ich hatte mir die Atmosphäre mehr wie im Pentagon vorgestellt.

          Kannte einer der Nationalspieler Konrad Koch, den Sie im Film "Der ganz große Traum" spielen?

          Nee, ich glaube nicht. Das ist ja auch das Erstaunliche an der Geschichte. Als ich das Drehbuch bekommen hatte, dachte ich, dass ich als Fußballfan ihn kennen müsste. Ich befürchtete, das sei eine peinliche Bildungslücke, und wenn ich meine eingefleischten Fußballfreunde anriefe, dann würden sie sich wahnsinnig über mich lustig machen. Ich habe aber ziemlich schnell festgestellt, dass ihn so gut wie keiner kennt. Insofern fand ich es eine erzählenswerte Geschichte.

          Was sagt eigentlich der spanische Teil Ihrer Familie, wenn Sie der deutschen Nationalmannschaft so nahe kommen wie sonst nur die Bundeskanzlerin?

          Das Herz meiner Mutter schlägt auch für beide Nationen. Insofern gibt es kein Problem. Sie ist sehr gespannt auf den Film, obwohl ich nicht weiß, ob der in Spanien laufen wird.

          Sie haben eine spanische Mutter und einen deutschen Vater. Wohnen in Ihrer Brust auch zwei Fußballseelen?

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