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Schalke im Achtelfinale : Versöhnliches mit Schleifchen drum

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Gruß an die verbannten Kollegen Bild: dpa

O.K. statt k. o. - als ganz Schalke freudetrunken den erstmaligen Aufstieg ins Achtelfinale der Champions League und damit zu neuer internationaler Reputation feierte, vergaßen die Spieler ihre Sünderlein nicht.

          Das Vorspiel: eine Kolportage. Das Spiel: ein Lustspiel. Das Nachspiel: ein Melodram. Das Ergebnis: ein Happy-ending. Die jüngste Episode aus dem Schalker Volks- und Gefühlstheater endete am Dienstagabend in Umarmungen, Jubelchören, Vorweihnachtshochstimmung. 3:1 hatten die Westfalen gegen Rosenborg Trondheim nach Toren von Asamoah (12. Minute), Rafinha (19.) und Kuranyi (36.) bei einem Gegentreffer durch Koné (23.) gewonnen und damit als Zweite der Vorrundengruppe B ihr großes Etappenziel erreicht: Erstmals im dritten Anlauf sind die Schalker in der Champions League auch noch dabei, wenn im Februar die K.o.-Runden beginnen. Im mit zwölf Millionen Euro Zusatzeinnahmen wertvollen Achtelfinale als einzige Mannschaft aus der Bundesliga: toll! So jedenfalls empfindet es Kevin Kuranyi, der den internationalen Aufstieg seines Klubs so kommentierte: „Alle sind stolz, ganz Deutschland und wir Spieler. Wenn wir immer so spielen würden, wären wir deutscher Meister, Champions-League-Sieger und DFB-Pokalgewinner.“ Dabei hatte alles mit einem Kater begonnen.

          Das Vorspiel

          In der Nacht von Samstag auf Sonntag begossen die Schalker Spieler Krstajic, Rakitic und Jones ihren mühsamen Arbeitstag in Frankfurt, wo es im Bundesligaspiel bei der Eintracht soeben zu einem 2:2 gelangt hatte. Den Auftritt der drei Feierabend-Profis in der Duisburger Disco „Club Intact“ lichteten Petzer per Handy ab - und so erfuhren auch die Schalker Kluboberen per „Bild“ von der nächtlichen Sonderschicht ihrer höchstbezahlten Angestellten. „Sie zerstören ihr Image“, wetterte Vereinspräsident Josef Schnusenberg, und Trainer Mirko Slomka handelte im Einklang mit Manager Andreas Müller. Krstajic und Rakitic, eigentlich erste Wahl für die Begegnung mit den Norwegern, wurden für dieses Spiel suspendiert; Jones war nach drei Gelben Karten sowieso gesperrt. Zahlen, bitte: Die Nachtschwärmer werden von ihrem Verein demnächst auch noch zur Kasse gebeten. Fürs Erste haben sie am Dienstagmorgen vor der Mannschaft um Verzeihung gebeten. Entschuldigung angenommen.

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          Das Spiel

          Schalke hat es an diesem Dienstag weniger mit einem Gegner, eher mit freundlichen Begleitern zu tun. Profis, die in ihrer Liga schon am 3. November in die Winterpause geschickt wurden. Und so sagt Trainer Trond Hendriksen nach dem Spiel, in dem Schalke Rosenborg als Tabellenzweiten ablöst: „Natürlich ist es ein Vorteil, Spielpraxis zu haben.“ Die Gelsenkirchener gewähren diese Spielpraxis auch Carlos Grossmüller, der am Samstag in Frankfurt nur in Reserve gehalten wurde und doch mitmischte, als es zwischen beiden Teams in einem Moment geballter Aggressivität rundging. Achtung, Grossmüller greift ein und zu: Also würgte der Uruguayer den hessischen Kollegen Thurk ein wenig, verschwand dann feige, bekam die Rote Karte in Abwesenheit vorgehalten und wurde für fünf Ligaspiele gesperrt. Grossmüller, am Dienstag ganz Sportsmann, war gegen Trondheim einer der besten Schalker. Neben Rafinha, der als Rechtsverteidiger sein erstes Tor mit links für die Schalker schoss. Vorzüglich auch Nationalspieler Kuranyi, der nach seinem Treffer das Trikot hob. Darunter war auf einem Schriftzug zu lesen: „Siempre te recordaré“ (ich werde immer an dich denken). Kuranyis Tribut an seinen ersten Jugendtrainer in Panama, „El Profesor“ Cabal, der kürzlich an Krebs verstarb. „Er war nicht nur mein Trainer“, sagte Kuranyi, „er war auch ein enger Freund meiner Familie.“ Innige Gefühle, Hochgefühle, Gefühlswelten - und damit zum letzten Akt dieses sehr speziellen Fußballdienstags.

          Das Nachspiel

          Als ganz Schalke freudetrunken den Aufstieg zu neuer internationaler Reputation feierte, vergaßen die Spieler ihre Sünderlein nicht. Zlatan Bajramovic hatte die demonstrative Idee. Und so schnappte sich der Bosnier im Geist der sportlichen Balkan-Verbrüderung die Trikots des Kroaten (Rückennummer 10) sowie des Serben Mladen Krstajic (Rückennummer 20) und schwenkte sie den Fans in der Nordkurve entgegen. Pfiffe der Moral mischten sich in den brandenden Applaus. Doch was sagte Kevin Kuranyi später? „Wir sind nur Menschen, und jeder darf Fehler machen. Die Pfiffe der Fans fand ich verständlich, aber die Zuschauer sollten daran denken, dass Krstajic und Rakitic zum Team gehören und einen wichtigen Beitrag dazu geleistet haben, dass wir ins Achtelfinale eingezogen sind.“ Jawoll!

          Manager Müller war jedenfalls begeistert von der „geilen Aktion“ der Spieler. „Die Spieler“, deklarierte er eine Selbstverständlichkeit zum außergewöhnlichen Besitzstand um, „gehören weiter zu uns. Sie haben große Spiele für Schalke gemacht und werden weiter große Spiele für Schalke machen.“ Zum Jahresende Versöhnliches mit Schleifchen drum. Und so fand auch Trainer Mirko Slomka die passenden Schlussworte zum festlichen Abend: „Jeder hat schon einmal Blödsinn gemacht, und eine Dummheit gehört auch bestraft. Ich habe den Spielern aber auch gesagt, dass wir als Team dazu beitragen können, das Ganze vergessen zu machen. Dass das der Fall war, war ein eindrucksvoller Beweis, dass unsere Mannschaft zusammenhält.“ Schöne Bescherung: Am Samstag, im letzten Bundesliga-Heimspiel dieses Jahres gegen Nürnberg, werden die Disco-Boys Krstajic, Rakitic und Jones in den Kader zurückkehren. Am Dienstag war Manager Müller fast schon so weit, den Spielern zuzuprosten, bremste sich dann aber noch und sagte: „Angesichts der Vorfälle am Wochenende ist es wohl ein bisschen früh zu sagen, die Mannschaft darf jetzt das eine oder andere Bier trinken.“

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