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Schalke steigt ab : Die Folgen der Geldverbrennung

  • -Aktualisiert am

Es wird dunkel auf Schalke: Der Bundesliga-Abstieg steht nun fest. Bild: Picture-Alliance

Zu lange wurden bei Schalke 04 „Wetten auf die Zukunft“ abgeschlossen. Nun muss der Klub die Konsequenzen seiner Fehler tragen. Er befindet sich dabei in illustrer Gesellschaft.

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          Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, schuf im Februar das Bild von einigen „schlecht gemanagten Geldverbrennungsmaschinen“, um die Lage etlicher europäischer Großklubs zu illustrieren. Wie stümperhaft das Management dieser Fußballunternehmen tatsächlich ist, zeigte sich in dem krachend gescheiterten Versuch, über eine Super League frische Euros für den Verschwendungsbetrieb zu generieren.

          Die Sache ist dringend. Sollten die Milliarden erst durch eine Champions-League-Reform von 2024 an fließen, „werden alle diese Klubs tot sein“, sagte Real Madrids Präsident Florentino Pérez, der als erster Vorsitzender der Super League vorgesehen war. Es droht das Undenkbare: Die Klubs müssen Konsequenzen für ihre Fehler tragen. So wie der FC Schalke 04, der am Dienstag aus der Bundesliga abgestiegen ist.

          Den künftigen Zweitligaverein verbindet mehr mit den in Schieflage geratenen Giganten aus Südeuropa, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Über viele Jahre wurde in Gelsenkirchen nach ähnlichen Grundsätzen agiert wie in Madrid, Barcelona oder Mailand: Immer im festen Glauben daran, dass die Flut an Millionen schon nicht abebben werde, lebte der Klub über die eigenen Verhältnisse. Es wurden neue „Wetten auf die Zukunft“ abgeschlossen, wie die heutige Finanzchefin Christina Rühl-Hamers sagt. Dass irgendwelche angeblichen Anhänger nun die Spieler übers Vereinsgelände jagen, ist daher nicht nur schlimm, sondern auch dumm.

          Verantwortlich für den Absturz sind der langjährige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der das selbstzerstörerische Geschäftsmodell konsequenter umsetzen ließ als jeder andere Klubchef in Deutschland. Und die Vorstände Peter Peters, Christian Heidel, Horst Heldt und Alexander Jobst, die diese Unternehmenskultur womöglich falsch fanden, aber trotzdem mitmachten.

          Wäre das Super-League-Projekt nur eineinhalb Jahre früher erdacht worden, als Schalke 04 noch vor Inter Mailand und dem AC Mailand zu den 15 wertvollsten Fußballvereinen der Welt zählte, hätte womöglich auch Tönnies eine Einladung zur Teilnahme an solch einem Wettbewerb erhalten. Inklusive Zugang zu den Milliarden an Risikokapital. Das wäre der Ausweg gewesen, den nun auch Real Madrid oder der FC Barcelona gerne nehmen würden.

          Erfreulich wäre, wenn sich auch diese Vereine den eigentlichen Regeln eines Systems beugen müssten und einfach tun würden, was in solchen Fällen eben sein muss: sparen. Dass in den Chefetagen von Real Madrid, des FC Barcelona und der italienischen Traditionsvereine angenommen wird, die Konsequenzen der eigenen Geldverbrennerei einfach umgehen zu können, ist Symptom einer unglaublichen Selbstüberschätzung, die Schalke 04 gründlich ausgetrieben wurde.

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