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SC Paderborn : Auf der Achterbahn nach oben

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Sie träumen wieder von der Bundesliga: 2014/15 gab der SV Paderborn dort ein bislang einmaliges Intermezzo Bild: dpa

Vor zwei Jahren eigentlich in die vierte Liga abgestiegen. Nun auf dem Sprung zurück in die Bundesliga, aus der sich der Klub 2015 verabschiedete. Der sportliche Kurs des SC Paderborn ist atemberaubend.

          In Ostwestfalen wächst der Glaube an ein zweites Fußball-Wunder. Fünf Jahre nach dem überraschenden Aufstieg in die Bundesliga steht der SC Paderborn vor einer Rückkehr in das Oberhaus. Nach zuletzt 16 Punkten aus sechs Spielen rangiert das Team von Trainer Steffen Baumgart vor dem 32. Spieltag erstmals in dieser Saison auf einem direkten Aufstiegsplatz und könnte im Rennen der vermeintlichen Topfavoriten 1. FC Köln, Hamburger SV und 1. FC Union Berlin der lachende Vierte sein

          Vor dem Aufstiegs-Showdown mit noch drei Spielen sieht Uwe Hünemeier den Tabellenzweiten psychologisch im Vorteil. „Von außen lassen wir uns nicht unter Druck setzen. Wir haben doch eine herausragende Saison gespielt, das kann uns keiner mehr nehmen“, sagte der Abwehrspieler in einem Interview des Fachmagazins „Kicker“, „anders als die Konkurrenz müssen wir keine Erwartungen mehr erfüllen.“

          Der märchenhafte Höhenflug verblüfft die Fachwelt. Schließlich war der Klub noch vor zwei Jahren mit viel Glück dem Absturz in die Viertklassigkeit entgangen. Nur weil der TSV 1860 München keine Lizenz erhielt, blieb Paderborn als damaliger Tabellen-18. in der 3. Liga. „Wenn 1860 München die Lizenz bekommen hätte, hätten wir Insolvenz anmelden müssen“, erinnerte sich Sportchef Markus Krösche an den Mai 2017.

          Der im März 2017 eingestellte Geschäftsführer Krösche erweckte den schwer angeschlagenen Problemfall im Zusammenspiel mit dem rund einen Monat später verpflichteten Coach Steffen Baumgart zu neuem Leben. „Das Besondere ist nicht, dass wir in der Tabelle im Moment gut dastehen. Das Besondere ist die Art und Weise, wie wir Fußball spielen und wie wir uns in diesen zwei Jahren entwickelt haben. Das ist, was mich stolz macht“, kommentierte Baumgart.

          Der Antreiber: Trainer Steffen Baumgart lässt offensiven Fußball spielem

          Mit seinem erfrischenden Offensivfußball und schon 71 erzielten Toren gilt der SC Paderborn als Attraktion der Liga. Dass es dem Coach nach der Winterpause zudem gelang, die anfänglich noch wackelige Defensive zu stabilisieren, verhalf den Ostwestfalen auf Rang eins der Rückrundentabelle. Bei einem Sieg an diesem Freitag im Derby bei Arminia Bielefeld (18.30 Uhr/Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Bundesliga) könnte das Baumgart-Team im dann folgenden Heimspiel gegen den derzeit einen Punkt schlechteren HSV im Idealfall schon den Aufstieg perfekt machen.

          Doch vor dem möglichen „Finale“ gegen die Hamburger gilt das ganze Augenmerk dem Duell mit dem Tabellenneunten. „Im Derby in Bielefeld kommt es nicht auf die Tabellensituation an. Das haben wir beim Spiel Dortmund gegen Schalke gesehen“, warnte Angreifer Sven Michel mit Verweis auf die 2:4-Schlappe des BVB gegen den königsblauen Erzrivalen. Seine Mannschaft darf sich in diesem „besonderen Spiel“ auf die Unterstützung von 3200 Fans freuen. Die Begeisterung ist längst wieder angekommen bei den Schwarz-Blauen.

          Einer der Stars der Mannschaft: Christopher Antwi-Adjej

          Eine Rückkehr in die Bundesliga, die der SC Paderborn 2015 als Tabellenletzter nach nur einem Jahr wieder verlassen musste, könnte zum weiteren Abbau der Schulden in Höhe von 7,6 Millionen Euro (zum 30. Dezember 2018) beitragen. Zudem würde er die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass diverse von anderen Klubs umworbene Leistungsträger dem SC erhalten bleiben. So wurden Christopher Antwi-Adjei, Bernard Tekpetey, Sebastian Vasiliadis, Philipp Klement und Sebastian Schonlau zuletzt als mögliche Wechselkandidaten gehandelt.

          Besonders schwer wäre jedoch ein Verlust von Krösche zu verkraften. Der Erfolgs-Architekt der vergangenen beiden Jahre ist besonders begehrt. Den vom Abstieg bedrohten Erstligisten 1. FC Nürnberg und Hannover 96 soll der ehemaliger Paderborner Profi bereits abgesagt haben. Hartnäckig halten sich jedoch die Gerüchte, wonach der vertraglich bis 2022 gebundene 38-Jährige vor einem Wechsel zum FC Schalke steht.

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