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SC Freiburg : Gallisches Dorf ohne Zaubertrank

Der Asterix von Freiburg: Demba Papiss Cissés Tore sind der GRundstein des Erfolgs Bild: imago sportfotodienst

Die Erfolgsgeschichte des SC Freiburg ist erklärbar und bleibt doch erstaunlich. Aber die Macher des Aufschwungs warnen: Ohne neues Stadion wird der Klub auf Dauer nicht erstklassigen Fußball wie an diesem Samstag gegen Wolfsburg bieten können.

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          Der FC Chelsea steht eigentlich nicht im Verdacht, eine Bezugsgröße für den SC Freiburg zu sein. Dass sich neuerdings dennoch einige Blicke aus dem Breisgau auf London richten, hat mit einer Besonderheit zu tun, die der kleine badische Bundesligaverein und der Weltklub aus der Premier League teilen: Ihre Stadien sind nicht gemacht für die große Fußballbühne – der Platz ist hier wie dort ein paar Meter zu kurz. Chelsea, so hat man dieser Tage in Freiburg mit Interesse vernommen, bestreitet seine Champions-League-Heimspiele an der Stamford Bridge mit einer Ausnahmegenehmigung. Vielleicht braucht man so etwas demnächst ja beim Sportclub auch: für die kommende Saison in der Europa League.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Ginge in dieser Spielzeit alles seinen gewohnten Gang, wäre nicht nur Chelsea Lichtjahre entfernt. Auch der VfL Wolfsburg, der Gegner an diesem Samstag, müsste eine unerreichbare Größe sein. Rund 39 Millionen Euro haben die Niedersachsen dank der Alimentierung durch den VW-Konzern vor der Saison in neue Spieler investiert. In Freiburg war es nicht einmal eine Million, die Sportchef Dirk Dufner zur Verfügung stand. „Manchmal ist es schon brutal wenig“, sagt er. Aber der Klub hat in den vergangenen Jahren eine Meisterschaft darin entwickelt, aus wenig viel zu machen. Elf Punkte liegt der SC Freiburg derzeit vor dem VfL – da darf man sich schon an der eigenen Arbeit erfreuen. „Es macht ja auch ein Stück weit Spaß und ist eine Herausforderung“, sagt Dufner, „wenn man mit einem kleinen Etat erfolgreich sein kann.“

          Auch wenn die Freiburger das selbst so nie sagen würden – dass es so gut läuft, hat viel mit dem zu tun, was Wolfsburg alles nicht hat: Kontinuität in der Führung (Dufner und Trainer Robin Dutt sind seit knapp vier Jahren in Freiburg), hohe Identifikation (Dufner stand einst selbst als Fan mit Dauerkarte auf der Tribüne), eine ertragreiche Jugendarbeit (sieben Spieler im Kader haben die eigene Fußballschule durchlaufen), ein gesundes Klima im Team (darauf legen Dutt und Dufner besonderen Wert). Selbst die geographische Randlage hat der Klub in einen Standortvorteil umdeuten können: Die Nähe zu Frankreich ermöglicht es französischsprachigen Spielern, dort zu leben, was bei schulpflichtigen Kindern schon mal ein Pluspunkt sein kann.

          Kein Miraculix: Robin Dutt coacht Freiburg ohne Zaubertrank
          Kein Miraculix: Robin Dutt coacht Freiburg ohne Zaubertrank : Bild: dapd

          „Geld ist nicht so erfolgreich wie Papiss auf dem Spielfeld“

          Vielleicht ist es aber vor allem der Blick für die Details, den die Freiburger manchem Konkurrenten voraus haben. Wer mit einem der schmalsten Etats bestehen will, muss zwangsläufig genauer hinschauen als andere, gerade wenn es um die Zusammenstellung des Kaders geht. Die Freiburger Nische, das sind zum einen aufstrebende Talente wie Oliver Baumann, Felix Bastians oder Johannes Flum, zum anderen erfahrenere Profis, die, wie Dutt sagt, anderswo „auf Hürden stoßen, die sie nicht überspringen können“ – Jan Rosenthal zum Beispiel, Maximilian Nicu oder der im Januar vom FC Schalke geholte Erik Jendrisek.

          Besonders genau hingesehen haben die Freiburger bekanntlich bei einem Mann, der bis vor gut einem Jahr in der zweiten französischen Liga sein Geld verdiente: Papiss Demba Cissé. In Frankreich, sagt Dufner, wundere man sich noch heute, dass niemand anderes dessen Klasse erkannte.

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