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SC Freiburg : Gallisches Dorf ohne Zaubertrank

Nachdem Cissé sich in der Hinrunde als einer der besten Bundesliga-Stürmer entpuppte, wurde auch Wolfsburg auf ihn aufmerksam. Doch selbst zwölf Millionen Euro – so viel, wie der Unterhalt des ganzen Freiburger Kaders in dieser Saison kostet – waren kein Argument, den Mann, der nun 15 Tore auf dem Konto hat, ziehen zu lassen. „Das Geld auf dem Konto ist nicht so erfolgreich wie Papiss auf dem Spielfeld“, sagt Dutt. „Wir wollen nicht während der Saison zwei Schritte zurück machen müssen.“

Wachsende Begehrlichkeiten

So viel Wehrhaftigkeit ist selten, wenn Männer wie Dieter Hoeneß mit den Millionen vor der Tür stehen. Ist Freiburg also so etwas wie das gallische Dorf der Liga? Dem Führungsduo gefällt das Bild nicht so gut. Er habe die Asterix-Hefte früher „verschlungen“, sagt Dutt. „Aber der Erfolg des gallischen Dorfes gründet ganz klar auf dem Zaubertrank. Und so etwas haben wir nicht – weder als Getränk noch finanziell.“ Dufner wiederum weist darauf hin, dass Freiburg bei weitem nicht der einzige Klub sei, der sich der stärkeren Konkurrenz erwehren müsse.

Die Frage, die sich beide stellen, ist: Wie lange kann das Ganze so erfreulich weitergehen? Unter den aktuellen Bedingungen womöglich nicht mehr lange. Da sind zum einen die üblichen Begehrlichkeiten, die den Erfolg begleiten. Kapitän Heiko Butscher beklagte sich jüngst öffentlich über das neue Vertragsangebot – so etwas sieht die Führung schon wegen der Signalwirkung nicht gern. Butscher verlängerte am Freitag, so wie andere Stammspieler vor ihm auch.

Problem Stadion

Doch das eine oder andere Angebot wird kommen, und es ist kein Geheimnis, dass auch über Cissé im Sommer noch einmal neu (und dann womöglich mit anderem Ergebnis) nachgedacht werden wird. Vielleicht muss Dufner sogar mit Dutt, dem er freundschaftlich verbunden ist, in Verhandlungen treten. Der Trainer hat zwar noch einen Vertrag bis 2012, gilt aber längst auch als Kandidat bei Branchengrößen wie Leverkusen, wo noch nicht klar ist, ob Jupp Heynckes nach dieser Saison weitermacht. „Er ist ein Trainer für eine große Mannschaft“, sagt Dufner über Dutt und fügt – gewiss auch im eigenen Interesse – hinzu: „Irgendwann mal.“

Vor allem aber weiß man auch in Freiburg, dass auf lange Sicht die wirtschaftlichen Realitäten wieder an Macht gewinnen werden. Und da, so glauben Dutt und Dufner, wird der Verein sehr schnell den Anschluss verlieren, wenn er nicht bald eine neue Arena baut.

Das Vorbild Mainz enteilt

Dutts Bemerkung, mit dem (städtischen) Stadion an der Dreisam, das über keine Logen, wenig Komfort und eine schlechte Verkehrsanbindung verfügt, sei man „nicht mehr lange in der ersten Liga, und in zehn Jahren auch nicht mehr in der zweiten“, provozierte beim grünen Bürgermeister Dieter Salomon eine gereizte Antwort: „Wer viel Ahnung vom Fußball hat, muss nicht unbedingt viel Ahnung von allem anderen haben.“

Inzwischen, heißt es, rede man wieder sachlich miteinander. Und gewiss spielt dabei auch ein Beispiel eine Rolle, das nicht ganz so fern liegt wie London: Mainz 05 kalkuliert mit Mehreinnahmen von acht bis zehn Millionen Euro jährlich, wenn er im Sommer sein neues Stadion bezieht – eine Menge Geld, auch wenn längst nicht alles in den Profietat fließen wird. „Mainz“, sagt Dufner, „ist ein Verein, der vor kurzem noch auf unserem Niveau war.“ Im kommenden Jahr wird das schon nicht mehr so sein.

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