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DFB-Pokalfinale : Wagner sorgt für neuen Ärger bei den Bayern

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Ganz und gar nicht seine Woche: Bayern-Stürmer Sandro Wagner. Bild: Picture-Alliance

Erst sorgte Sandro Wagner mit seinem Rücktritt aus der DFB-Elf für eine scharfe Reaktion des Bundestrainers. Nun haben die Münchner um Uli Hoeneß Redebedarf – wegen einer Aktion Wagners nach dem verlorenen Pokalfinale.

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          Der frühere Nationalspieler Sandro Wagner von Bayern München hat auch zum Ende seiner ganz persönlichen „Scheißwoche“ noch einmal für Ärger gesorgt. Weil der Stürmer seine Silbermedaille nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt (1:3) einem Fan zuwarf, drohte ihm Knatsch mit den Verantwortlichen des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Präsident Uli Hoeneß fand die Aktion „nicht in Ordnung“ und betonte: „Das werden wir sicherlich ansprechen.“

          DFB-Pokal

          Wagner will nach der Final-Ehrung der Münchner einen Zuschauer auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions erkannt haben, dem er die Plakette zuwarf. Der Anhänger twitterte Bilder der Medaille mit den Worten: „Wagner wirft seine Medaille ins Publikum, ich habe sie. Für mich ist sie unverkäuflich, ich halte sie in Ehren, was er eben nicht konnte.“ Der 30 Jahre alte Wagner hatte die Woche über für Schlagzeilen gesorgt, als er nach der Nicht-Berücksichtigung für den vorläufigen WM-Kader geräuschvoll aus der Nationalmannschaft zurücktrat. Bei der Meisterfeier der Bayern am Sonntag sprach Wagner von einer „scheiß Woche“ aus seiner Sicht.

          Bundestrainer Joachim Löw hatte zuvor mit ungewohnter Schärfe auf die Aussagen von Wagner reagiert. Bayern-Coach Jupp Heynckes und Präsident Hoeneß waren zumindest ziemlich verwundert über den Rücktritt. Der plötzliche Abschied des Stürmers aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sorgte für jede Menge Wirbel. „Ich empfinde es als Kritik gegenüber seinen Kollegen, die auch spielen. Er stellt ja manche dar, die bei uns schon ewig spielen, die bei uns zu den Führungsspielern gehören, wie wenn sie so ausgemachte Vollidioten wären und nur noch deswegen bei uns sind, weil sie nicht ihre Meinung sagen“, sagte Löw am Freitag in Berlin. Bei einer Veranstaltung der „Bild“-Zeitung wurde Löw einen Tag vor dem DFB-Pokalfinale im Gespräch mit dem TV-Sender Sky Sport News HD mehr als deutlich. „Ich fand die Reaktion ein Stück weit überzogen, auch den Rücktritt und die Gründe, die er genannt hat“, sagte Löw, schränkte allerdings auch ein: „Ich kann auch ein Stück weit verstehen, dass er enttäuscht ist.“

          Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verteidigte Wagner derweil für die deutlichen Worte nach dessen Rücktritt. „Er hat grundsätzlich eine gute Saison gespielt, erst bei Hoffenheim und dann auch bei uns mit acht Toren. Da ist es verständlich, dass man enttäuscht ist“, sagte Rummenigge beim Meisterempfang auf dem Münchner Marienplatz. „Das sollte von ihm in keinster Weise in dieser Richtung interpretiert werden“, sagte Rummenigge über die Deutung von Wagners Aussagen gegen das DFB-Trainerteam. Den Abschied aus der Nationalelf bewertete der Bayern-Vorstandschef als überzogen. „Man muss deshalb aber nicht gleich zurücktreten. Das war, glaube ich, nicht die beste Idee“, sagte Rummenigge.

          Bayern-Stürmer Wagner hatte als Konsequenz nach seinem Aus für die WM in Russland am Mittwoch kurzerhand seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet. „Für mich ist klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse“, hatte er gesagt. Der 30 Jahre alte Angreifer war von Löw nicht in das vorläufige Aufgebot für das Turnier vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland berufen worden.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Auch beim Rekordmeister selbst sorgte Wagners Verhalten für Verwunderung. „Ich denke, dass er voreilig emotional reagiert hat. Ich hätte es lieber anders gesehen, aber es ist seine persönliche Entscheidung, und die muss man respektieren“, sagte Trainer Jupp Heynckes. Für Wagner sei mit dem WM-Aus „ein großer Traum zerplatzt“. Hoeneß hatte derweil nicht mit Art und Weise des Rücktritts gerechnet. Das habe ihn „schon ein bisschen überrascht, so böse hätte er jetzt nicht unbedingt reagieren müssen“, sagte Hoeneß bei Sky. „Er soll jetzt schön in den Urlaub fahren, soll sich gut vorbereiten und seine Zukunft beim FC Bayern sehen.“

          Zu seiner Nicht-Nominierung sagte Wagner der „Bild“: „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht enttäuscht bin. Die WM wäre eine tolle Sache gewesen.“ Statt ihm wurden als Mittelstürmer Timo Werner (RB Leipzig), Mario Gomez (VfB Stuttgart) und Nils Petersen (SC Freiburg) nominiert. Wagner fügte an: „Ernst nehmen kann ich das natürlich nicht, aber wie ich schon oft gesagt habe, gibt es weitaus wichtigere Dinge im Leben außer Fußball.“ Wagner betonte zugleich: „Meinen Jungs wünsche ich nur das Beste in Russland und hoffe, dass sie als Weltmeister zurückkommen.“

          Löw wehrte sich gegen Wagners Kritik und betonte, dass jeder Nationalspieler immer offen seine Meinung sagen dürfte. „Diese Dinge sind bei uns schon groß geschrieben, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht“, sagte Löw und meinte auf der Bühne der „Bild“-Veranstaltung: „Schlimmer finde ich seine Worte gegenüber den Kollegen: Er sagt, dass andere ihren Mund nicht aufmachen. Was sollen Jérôme (Boateng), Mats (Hummels) denken? (...) Das ist ja völlig hanebüchen.“ Weltmeister Hummels zeigte jedoch Verständnis für seinen Kollegen. „Wir haben ihn getröstet, weil wir ihn als Typen mögen. Wir zeigen, dass wir ihn unterstützen“, sagte der Innenverteidiger. „Wie man auf sowas reagiert, das muss jeder mit sich selber ausmachen. Das war mit Sicherheit sein großer Traum.“

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