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Samuel Eto'o : Von Barcelona nach Taschkent?

In Barcelona wurde Eto'o 2006 spanischer Torschützenkönig Bild: dpa

Es hört sich unglaublich an, aber in Taschkent ist sogar schon von der Ankunftszeit des Flugzeugs aus Barcelona die Rede: Fußballprofi Eto'o soll künftig nicht mehr für den FC Barcelona, sondern den usbekischen Tabellenführer Kuruwtsch kicken, der von Firmen aus der Öl- und Gasbranche gefördert wird.

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          Barcelona weiß von nichts, Taschkent kennt die Details: Samuel Eto'o, derzeit noch in Diensten des FC Barcelona stehender Nationalstürmer aus Kamerun, werde am 17. Juli um 10:30 Ortszeit mit einem kleinen Privatjet in der usbekischen Hauptstadt ankommen, dann die Zentrale der Usbekischen Fußball-Föderation besuchen, eine Stadtrundfahrt machen, sich dann mit der Führung des Fußballklubs Kuruwtschi treffen und schließlich auf einer Pressekonferenz über sein künftiges Engagement für den derzeitigen Tabellenführer der ersten usbekischen Liga bekanntgeben; am 8. August soll er im Spitzenspiel gegen den usbekischen Rekordmeister Pachtakor Taschkent zum ersten Mal im Trikot des neuen Vereins auflaufen und die Rückennummer neun tragen. Diese Angaben soll ein Funktionär des usbekischen Fußballverbandes am Dienstag gegenüber dem russischen Internetportal Championat.ru gemacht haben.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Eto'os derzeitiger Verein weiß von alldem nichts und nimmt die Gerüchte aus der zentralasiatischen Fußballprovinz offenbar nicht weiter ernst. Dort hingegen scheint man an die Möglichkeit eines Wechsel von Barcelona nach Taschkent zu glauben. Es war der Club selbst, der die Nachricht am Montag auf seiner Webseite veröffentlichte, und sein Trainer sagte auf Nachfrage russischer Sportjournalisten, es handle sich dabei nicht um eine Ente.

          Langfristige Zusammenarbeit mit Barcelona?

          Außerdem - so heißt es auf der Seite des Klubs - habe man mit dem FC Barcelona eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Acht Manager der Katalanen sollten schon bald nach Taschkent reisen, um dort zu helfen „die Arbeit des Clubs auf ein noch höheres Niveau zu heben“. Zudem sollten die spanischen Europameister Xavi und Pujol am 20. und 21. Juli mit den Spieler von Kuruwtsch eine „Meisterklasse“ abhalten.

          Wo verdient Samuel Eto'o demnächst sein Geld?

          In Usbekistan hat der angebliche neue Verein des kamerunischen Weltstars einen neuen Aufstieg hinter sich: Gegründet wurde „Neftgazmontaj Kuruwtsch“ am 6. Juli 2005. Seither hat der Club jede Saison eine Klasse höher gespielt. In der vergangenen Spielzeit wurde Kuruwtsch Vizemeister hinter dem anderen Taschkenter Verein, dem usbekischen Abonnementsmeister Pachtakor, der immerhin auf 52 Jahre Geschichte zurückblicken kann und es in der Sowjetunion als einziger zentralasiatischer Klub in die höchste Spielklasse schaffte - dort war der sechste Platz 1982 der größte Erfolg. In der laufenden Saison, die - wie auch in Russland üblich - im Frühjahr begonnen hat, führt Kuruwtschi die Tabelle von Pachtakor an.

          Wieso könnte Eto'o Interesse an Usbekistan haben?

          Hinter dem Aufsteiger Kuruwtschi scheint großes Geld zu stehen - zu seinen Förderern zählen vor allem Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche, darunter auch der Konzern UzGazOil, der nach Gerüchten von Gulnara Karimowa, der Tochter des diktatorisch herrschenden Präsidenten Islam Karimow kontrolliert wird. Vergangenes Jahr wurde für den Club das in den achtziger Jahren erbaute Stadion des einstigen Armeeclubs generalüberholt. Eine spanische Sportzeitung meldete unter Berufung auf „lokale Medien“, Kuruwtschi wolle Barcelona für Eto'o 40 Millionen Dollar bieten. In den usbekischen Internet-Medien war freilich keine Zahl zu finden.

          Gerüchte über einen möglichen Vereinswechsel Eto'os gab es schon, bevor Barcelonas neuer Trainer Josep Guardiola im Mai verkündet hat, dass er auf den 27 Jahre alten und in den vergangenen beiden Jahren zwei Mal langzeitverletzten Stürmer verzichten könne. So hieß es Anfang Juli, er könne für 14 Millionen Euro zu Olympique Marseille wechseln. Zuvor war Eto'o auch mit Arsenal sowie den beiden Mailänder Klubs Inter und Arsenal in Verbindung gebracht worden.

          Woher ein Interesse Eto'os an Taschkent kommen könnte, ist vor diesem Hintergrund rätselhaft. Möglicherweise sah sich die Vereinsführung von Kuruwtschi unter Druck, nachdem der Lokalrivale Pachtakor Ende Juni den Brasilianer Fabio Pinto verpflichtet hat. Oder sind die Usbeken nur Scherzbolden auf den Leim gegangen?

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