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Samuel Eto'o : Der Pelé von Mailand

  • -Aktualisiert am

Samuel Eto'o hat in Mailand sein Lachen wiedergefunden Bild: dpa

Inter Mailands Stürmer Samuel Eto'o ist der Inbegriff eines eleganten, schnellen und überaus effektiven Stürmers. Vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Bayern München am Dienstag (20.45 Uhr) ist er so gut wie noch nie.

          Samuel Eto‘o ist wieder zurück. Der Stürmer von Inter Mailand wirkte eine ganze Weile wie vom Erdboden verschluckt. Eto‘o – das ist der Inbegriff eines eleganten, schnellen und überaus effektiven Stürmers, der in knapp 200 Pflichtspielen für den FC Barcelona in fünf Jahren 133 Tore erzielte. Als der Kameruner am Ende der Saison 2009 nach Mailand wechselte, setzte eine im Profifußball wohl einmalige Metamorphose ein, die ihren Höhepunkt im Halbfinalspiel der vergangenen Champions-League-Saison zwischen Barcelona und Inter erreichte: Weil Inters Thiago Motta früh vom Platz gestellt wurde, gab Eto‘o 60 Minuten lang den linken Außenverteidiger. Nicht nur in dieser Partie hatte sich der Weltklassestürmer in einen aufopferungsbereiten Fußballarbeiter verwandelt. Für José Mourinho, Inters damaligen Trainer, heiligte der Erfolg jedes Mittel.

          Inter Mailand gewann mit Eto‘o als Defensivkraft schließlich das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokalsieg. Der Kameruner wiederholte damit als erster Spieler überhaupt den dreifachen Triumph, den er im Jahr zuvor mit dem FC Barcelona errungen hatte. Heute ist Eto‘o wieder ganz der Alte. Vielleicht ist er sogar so gut wie nie zuvor.

          Der personifizierte Angriff von Inter Mailand

          Inter Mailand spielt nicht mehr auf Sicherheit, sondern sucht mit Trainer Leonardo sein Heil in der Flucht nach vorne, man könnte auch sagen, in Eto‘o. Schon unter Mourinhos Nachfolger Rafael Benitez spielte der gerade 30 Jahre alte Kameruner wieder als Angreifer. Im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern muss der Tabellenzweite der Serie A einen 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel aufholen, die Zeichen stehen also noch deutlicher als sonst auf Sturm. Weil Diego Milito weiterhin verletzt und Giampaolo Pazzini in der Champions League nicht einsatzberechtigt ist – er spielte in der Qualifikation noch für Sampdoria Genua – bleibt nur Eto‘o. Er ist der personifizierte Angriff von Inter Mailand und hat in dieser Spielzeit bislang 31 Treffer erzielt, fast doppelt so viele wie in der vergangenen Saison (16).

          Samuel Eto'o: „Ich nenne ihn Pelé”

          Beim letzten Vertreter Italiens im Europapokal waren in den vergangenen Wochen Szenen wie diese zu beobachten: Regisseur Wesley Sneijder führt den Ball und weiß nicht recht wohin mit ihm. Dann passt er in die Spitze zu Eto‘o. Der, bedrängt von zwei Verteidigern, schlägt einen Haken, sprintet, und erzielt ein Tor wie aus dem Nichts. „Ich versuche dem Gegner immer taktische Probleme zu machen“, sagt der Stürmer über sein Spiel. „Ein bisschen rechts, ein bisschen in der Mitte und ein bisschen links. Irgendwas fällt mir immer ein.“

          „Kraftvoll wie eine Hyäne“

          „Ich nenne ihn Pelé“, sagte Sneijder neulich über Eto‘o. „Er spielt wirklich eindrucksvoll, er ist unglaublich schnell und kraftvoll wie eine Hyäne.“ Auch sein ehemaliger Trainer Mourinho ist immer noch voll des Lobes: „Er ist ein Mannschaftsspieler. Wenn man verteidigen muss, verteidigt er, wenn man kämpfen muss, kämpft er. Das ist das wichtigste im Fußball.“ Es ist wohl dies der wahre Wert des Spielers Eto‘o: sich als außergewöhnliches Talent und stolze Persönlichkeit in den Dienst der Mannschaft zu stellen, wenn es notwendig ist. „Leader silenzioso“, stiller Anführer nennen ihn die Tifosi.

          Heute, wo er wieder Tore beinahe nach Belieben erzielt, steht Eto‘o im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das war nicht immer so. In Barcelona spielte er fünf außergewöhnliche Spielzeiten, gewann dort zweimal die Champions League (2006/2009) und erzielte in beiden Endspielen einen Treffer – er stand aber meist im Schatten von Henry, Ronaldinho oder Messi. Sportlich kam es für ihn einer Demütigung gleich, als er 2009 im Tausch mit Zlatan Ibrahimovic und der Zugabe von 48 Millionen Euro zu Inter transferiert wurde.

          Dort erzielte dann Diego Milito die entscheidenden Treffer, während Eto‘o sich für die Mannschaft aufrieb. Vielleicht ist jetzt, im Alter von 30 Jahren, die Erntezeit gekommen. Seit zwölf Jahren erzielt Eto‘o durchschnittlich in jedem zweiten Spiel ein Tor. Im Hinspiel gegen den FC Bayern gelang ihm kein Treffer. Für das Rückspiel sind die Münchner also gewarnt.

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